Aprilia hat am Sonntag in Indonesien Historisches geleistet. Marco Bezzecchi, Raul Fernandez, Jorge Martin und Ai Ogura sorgten erstmals in der Geschichte des Werkes aus Noale für einen Vierfachsieg in der MotoGP. Das wäre Grund zur Freude, doch herrschte vielmehr Katerstimmung. Der Stachel des Sprint-Debakels vom Samstag saß einfach noch zu tief.

Perfekter Sonntag macht Aprilias Sprint-Debakel nicht wett: Punkte weggeworfen!

Aprilia war als haushoher Favorit nach Mandalika gereist. Der flüssige Kurs und die speziell verstärkten Hitzereifen von Michelin sprachen im Duell mit Ducati klar für die RS-GP. Das Qualifying und der Vierfachsieg im Grand Prix bestätigten dies dann auch eindrucksvoll, doch der Sprint ging vollkommen in die Hose. Raul Fernandez und Marco Bezzecchi schieden in einer Startkollision aus, woraufhin der Spanier wütete. Jorge Martin musste wegen der umstrittenen Reifendruckregel Tempo herausnehmen und verlor einen sicher geglaubten Sieg. In unserem Video vom Samstag gibt es das alles auch noch einmal zusammengefasst:

Zoff nach MotoGP-Crash: Fernandez attackiert Bezzecchi! (11:37 Min.)

Einen Tag später verlief im Grand Prix alles nach Plan: Keine Kollisionen, brave Piloten, keine Reifendruckprobleme, das perfekte Ergebnis. Die optimale Antwort auf das Debakel. Und trotzdem bekam Geschäftsführer Massimo Rivola den Sprint nicht aus dem Kopf: "Es ist immer noch die Enttäuschung von gestern da. Wir haben Punkte weggeworfen. Es scheint so, als wäre unsere Saison voller Emotionen, im Guten und im Schlechten. War soll ich sagen? Es ist ein schöner Tag für uns, aber wir haben gestern so viele Punkte vergeudet. Zumindest verlassen wir Mandalika nun mit einer großen Genugtuung, aber wir sind uns auch bewusst, dass das noch eine lange Meisterschaft wird."

Marco Bezzecchi sieht mehr Verlust als Sieg, und die Zahlen bestätigen das

Ein historischer Vierfachsieg wird normalerweise anders betrachtet, aber bei Aprilia sind alle Beteiligten voll im Modus WM-Kampf. Sieger Marco Bezzecchi beendete eine längere Durststrecke, inklusive schwerer Verletzungen, doch auch der erleichterte Italiener konnte seinem Boss nicht widersprechen: "Gestern brach eine Welt zusammen. Es war ein Rennunfall. Das kann passieren, was willst du tun? Willst du rumheulen und heute nicht an den Start gehen oder willst du dein Bestes geben? Letzteres habe ich getan. Ich war von unserem Job an diesem Wochenende überzeugt und das hat sicherlich geholfen. Aber wie Massimo es richtig sagt: Es [das gesamte Wochenende, Anm. d. Red.] war mehr ein Verlust als ein Sieg."

Aprilia-Boss Massimo Rivola in der Box
Massimo Rivola konnte nicht zufrieden sein, Foto: IMAGO / IPA Sport

Tatsächlich sagen das auch die Zahlen. An einem Wochenende mit haushoch überlegenem Motorrad konnte Jorge Martin seinen Vorsprung auf Marc Marquez nur halten und nicht um einen Punkt ausbauen. Marco Bezzecchi holte trotz Sieg nur drei Zähler auf die beiden in der Fahrerwertung auf. Der 'Martinator' sah das Ganze noch am positivsten im Hause Aprilia: "Heute habe ich mein Maximum [Platz drei im Rennen, Anm. d. Red.] erreicht, damit bin ich zufrieden. Aber gestern habe ich eine große Chance auf den Sieg im Sprint verpasst. Das ist Rennsport. Manchmal gewinnst du, manchmal lernst du dazu."

Noch keine Stallorder im MotoGP-Titelkampf, doch Technik-Boss kündigt Diskussionen an

Diesen Lerneffekt könnte es angesichts der Starkollision vom Sprint auch in der Chefetage geben. Massimo Rivola spricht noch keine Stallorder aus, doch Technik-Direktor Fabiano Sterlacchini deutet bereits etwas an. "Wie Massimo bereits erklärt hat, dürfen sie momentan noch frei fahren. Aber natürlich muss es jetzt auch eine Diskussion bei uns geben, eine Art Direktive oder einen Leitfaden zu haben, der solche Probleme vermeidet. Leider haben wir durch den Unfall von gestern gesehen, dass das ein Teil des Spiels ist. Und obwohl du die Rollen und das Risiko eines jeden klarstellst, kann das trotzdem wieder passieren", ist der Italiener gewarnt.

Im Sprint war Marc Marquez sofort zur Stelle, Foto: Ducati Media
Im Sprint war Marc Marquez sofort zur Stelle, Foto: Ducati Media

Jeder bei Aprilia weiß, dass so etwas wie am Samstag nicht passieren darf. Besonders nicht angesichts des Gegners in der Weltmeisterschaft. "Marc macht weniger Fehler. Jeden Tag, an dem du einen kleinen Fehler begehst, ist Marc zur Stelle, um dich zu schlagen. Er ist immer da", warnt Jorge Martin. Der Sieg von Marc Marquez im Sprint unterstreicht das nur umso mehr. Angesichts dieser angespannten Lage im WM-Kampf kann dann sogar die Freude über einen Vierfachsieg getrübt werden.

Am Sonntag hingegen hatte Marc Marquez schwerer zu kämpfen. Es entwickelte sich ein absurdes Duell mit Pedro Acosta, stark beeinflusst von der Reifendruckregel. Alles dazu gibt es im Artikel von Yannik: