Aprilia hatte in Silverstone aus vielerlei Hinsicht Grund zur Freude. Die Italiener holten sich im 'British Home of Motorracing' nicht nur den Rundenrekord, die Pole Position und beide Rennsiege, nein. Sie stellten auch zum ersten Mal in ihrer Geschichte die komplette Top-Drei in Qualifying, Sprint und Grand Prix. Wahre Aprilia-Festspiele also, die Raul Fernandez am Sonntag mit einem dominanten Sieg veredelte - und damit für ein weiteres Novum sorgte.
Als erster MotoGP-Hersteller: Aprilia gewinnt mit allen vier Fahrern
Nach Marco Bezzecchi (4x), Jorge Martin und Ai Ogura (je 1x) darf sich jetzt nämlich auch der vierte und letzte Pilot aus dem diesjährigen MotoGP-Aufgebot der Italiener über einen Grand-Prix-Sieg freuen. Dass ein Hersteller mit allen vier Fahrern innerhalb einer Saison ein Rennen gewinnen konnte, gab es in 24,5 Jahren MotoGP-Ära noch nie. Nur Suzuki konnte 2020 schonmal mit Alex Rins und Joan Mir jeweils einen Grand-Prix-Sieg feiern. Mit vier oder mehr Piloten im Line-Up handelt es sich aber um eine Premiere.

Nicht Honda, nicht Yamaha, nicht Ducati: keiner drei großen Konstrukteure schaffte es seit 2002 innerhalb einer Saison mit allen eingesetzten Motorrädern ein Rennen zu gewinnen - trotz kombinierten 411 MotoGP-Siegen, was 93,2 Prozent aller MotoGP-Siege seit 2002 entspricht. Und fast genau so verrückt: nah dran war das Giganten-Trio auch nur selten.
Ducati war 2025 immerhin mit vier der sechs und 2023 mit sechs der acht Piloten erfolgreich. Es fehlten also jeweils zwei: 2025 Fabio Di Giannantonio und Franco Morbidelli (beide VR46), 2023 Alex Marquez (Gresini) und Luca Marini (VR46). Honda fehlten 2006 mit Casey Stoner (LCR) und Makoto Tamada (JiR) ebenfalls zwei Piloten. Zehn Jahre später waren die Japaner dann nochmal etwas näher an der 100-Prozent-Quote dran: Marc Marquez, Dani Pedrosa (beide Werksteam), Cal Crutchlow (LCR) und Jack Miller (Marc VDS) waren erfolgreich, Tito Rabat (auch Marc VDS) aber nicht. Und Yamaha? Das Werk aus Iwata gewann 2020 mit Maverick Vinales (Werksteam), Fabio Quartararo und Morbidelli (Petronas SRT), nicht aber mit Valentino Rossi. Sonst konnten maximal zwei ihrer vier Piloten innerhalb einer Saison ein Rennen gewinnen.

Gesamte WM-Historie: Nur wenige Aprilia-Vorgänger zu finden
Blicken wir zum Abschluss noch auf die gesamte Historie der Motorrad-Weltmeisterschaft, lassen sich übrigens noch ein paar weitere Beispiele finden, in denen die 100-Prozent-Sieg-Quote erreicht wurde. Suzuki gelang das etwa auch 1993 schon, hatte mit Kevin Schwantz und Alex Barros aber erneut nur zwei Piloten am Start. Ein Jahr zuvor war auch Honda mit Mick Doohan, Alex Criville und Wayne Gardner erfolgreich. Mit gleich vier oder mehr Fahrern innerhalb einer Saison mindestens ein Rennen zu gewinnen, hat in 77 Jahren WM-Geschichte außer Aprilia bislang aber niemand geschafft. Chapeau für diese Leistung!
Was meint ihr: Wird dieses Kunststück in naher Zukunft noch ein weiterer Hersteller wiederholen können? Und wenn ja: Wer? Sagt es uns in den Kommentaren!
Vielleicht schafft es Ducati ja 2027. Die Italiener sollen die kommende Saison jedenfalls mit einem ordentlichen Vorsprung auf die Konkurrenz beginnen. Mehr dazu in unserem neusten Video:



diese MotoGP Nachricht