Spielberg war eine "verpasste Chance", gestand Ducatis Teammanager Davide Tardozzi am Freitagmorgen während des 1. Freien Trainings der MotoGP in Motegi. War Marc Marquez als Topfavorit in das Wochenende am Red Bull Ring gestartet, sprangen letztlich nur enttäuschende 20 Punkte heraus, während WM-Rivale Jorge Martin 32 Zähler abstaubte und damit die Führung in der Weltmeisterschaft zurückeroberte. Der Hauptgrund dafür? Sämtliche Ducatisti wurden mit der speziellen härteren Reifenkarkasse einfach nicht warm.
Weil Michelin diese aufgrund der Neuasphaltierung in Motegi nun als zusätzliche Option am Hinterrad auch erstmals ins Mobility Resort mitgebracht hat, gab es am Donnerstag im Paddock die Befürchtung, dass Marc Marquez und Ducati beim Japan-GP erneut ein schwieriges Wochenende drohen könnte. Doch nach dem Freitag können alle Fans der Nummer 93 aufatmen. Die Vorzeichen im Titelkampf scheinen sich wieder gedreht zu haben - zumindest für einige Stunden.
Marc Marquez kann aufatmen: Spezieller MotoGP-Hinterreifen in Motegi kein Thema
"Mein Gefühl war gut", zog Marquez am Freitag nach den Trainings ein positives Fazit. Nach seiner Bestzeit im FP1 war er im Training am Nachmittag hinter Bruder Alex (1.) und Pedro Acosta (2.) zwar nur auf Platz drei gelandet, damit aber auch vor seinen direkten WM-Kontrahenten aus dem Aprilia-Werksteam. Marco Bezzecchi folgte mit einer Zehntel Rückstand auf Rang vier, Martin kam mit dreieinhalb Zehnteln Rückstand auf Marquez nicht über Platz acht hinaus.
Weil die Gripverhältnisse auf dem neuen Asphaltband sehr hoch und der Reifenabrieb gering zu sein scheinen, wird die härtere Reifenkarkasse an diesem Wochenende wohl nicht zum Einsatz kommen. Am Freitag wurde nicht eine Runde damit gedreht, die Piloten fokussierten sich ausschließlich auf die herkömmlichen Soft- und Medium-Varianten am Heck. Erfreulich für Ducati und Marquez, der speziell mit dem Medium-Hinterrad gut zurecht kam. Die Rennpace sollte beim Titelverteidiger also passen. Nur mit dem Soft, den Marquez im Gegensatz zu vielen Konkurrenten am Freitag erst zum Ende des Trainings aufzog, gebe es noch Nachholbedarf: "Den muss ich morgen noch ausgiebig testen, denn es scheint, als wären die Anderen damit alle schnell. Bezzecchi, Ogura und auch Martin, sie waren damit immer vorne dabei."
Für wichtig empfand Marquez die ausstehende Arbeit mit dem Soft-Hinterreifen im FP2 am Samstagmorgen (Start um 03:10 Uhr MEZ, Anm.) vor allem deshalb, weil ein sehr enges Qualifying drohen könnte. "Es sieht so aus, als hättest du hier nicht nur eine Gelegenheit [für eine schnelle Runde] mit dem Hinterreifen. Er funktioniert auch nach zwei bis drei Runden noch gut. Das macht alle schnell, denn das Schwierige bei der 'Timeattack' ist die eine Runde. Hier wird jeder aber mehrere Versuche Zeit haben, eine gute Rundenzeit zu fahren", fürchtet der 33-Jährige aus Cervera. Die logische Folge: Wer im Qualifying patzt, könnte weit hinten stehen. Eine Gefahr für Marquez, speziell aber auch für Jorge Martin.

Jorge Martin am MotoGP-Freitag in Motegi in Problemen: "Mit fehlt's an Speed!"
Entgegen der Kommentare von Marquez erlebte der WM-Führende am Freitag nämlich keine angenehme Zeit auf dem Soft-Hinterreifen. "Heute morgen habe ich mich noch richtig gut gefühlt", erklärte er, "aber Nachmittags hatte ich dann Probleme. Es lief schon auf dem Medium nicht so gut wie ich mir das gewünscht hätte, aber als wir dann auf den Soft gewechselt haben, hat sich die Balance des Motorrads noch mehr verändert. Ich war zwar schnell, insgesamt fehlt es mir aber dennoch an Speed. Ich hatte während der 'Timeattack' einige Probleme, die wir jetzt verstehen müssen."
Platz acht bestätigt diese These, auch wenn das Ziel des direkten Q2-Einzugs damit erreicht wurde. "Wir müssen noch einen Schritt machen", gab Martin die Richtung vor. Denn anderenfalls könnte ein Start aus der dritten oder vierten Reihe drohen, und das wäre im Titelkampf mit Marquez und Stallgefährte Marco Bezzecchi so wenige Rennen vor Saisonende natürlich ein kleines Desaster. Dem 'Martinator' dabei helfen, am Samstag die notwendige Leistungssteigerung zu schaffen, soll nun ausgerechnet Letzterer, der am Freitag selbst von einem "guten Tag" und davon, "vorne im Kampf um die Spitze" dabei zu sein, berichtete.
"Marco ist speziell im dritten Sektor etwas konkurrenzfähiger als ich. Aber ich fühle mich generell nicht sonderlich wohl, komme dort nicht in den Flow. Da verliere ich nicht nur im Vergleich mit Marco Zeit, sondern eigentlich mit allen", verriet Martin, in welchem Bereich der Runde er noch am meisten Nachholbedarf hätte und ergänzte: "Es gibt Stellen, wo er schneller ist und Stellen, wo ich etwas schneller bin. Es ist gut, Marco so nah bei mir zu haben, denn dadurch können wir jetzt verstehen, wie wir noch konkurrenzfähiger werden können. Es wird wie immer hart, aber wir werden es versuchen."

Nur Schadensbegrenzung? Jorge Martin sollte nicht abgeschrieben werden!
Auch wenn die Vorzeichen nach dem Freitag erstmal eher auf Schadensbegrenzung hindeuten, müssen also auch alle Anhänger der Nummer 89 das Motegi-Wochenende noch nicht abschreiben. Martin startete schließlich zuletzt in Misano und Spielberg auch durchwachsen, war in den wichtigen Sessions an Samstag und Sonntag dann aber zur Stelle. Nicht unmöglich, dass dies in Japan wieder passieren wird. "Unsere Basis aus letzter Saison funktioniert dieses Jahr nicht mehr wirklich. Wir starten daher jeden Freitag praktisch bei Null", erinnert Martin. Zudem hat Marquez weiterhin mit der lädierten rechten Schulter zu kämpfen. Ob er auf dem körperlich fordernden Stop-and-Go-Kurs in Motegi bis zum Schluss attackieren kann, wird sich erst noch zeigen. Nicht auszuschließen also, dass die Vorzeichen im WM-Kampf nach dem Samstag schon wieder ganz anders aussehen könnten.
Was meint ihr: Wer holt sich die Pole Position und den Sprintsieg im Mobility Resort? Sagt es uns in den Kommentaren!



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