Mit der Einführung der Sprints in der MotoGP ab der Saison 2023 ist nicht nur der Zeitplan des Rennwochenendes verändert worden. Der Druck zu sportlichen Höchstleitungen beginnt bereits nach nur einem freien Training. Was dann folgt, bestimmt das gesamte Rennwochenende. Ein Teamchef bringt deswegen eine erneute Formatänderung ins Spiel.

Davide Brivio schlägt vor: Zwei Qualifyings für die MotoGP!

"Ich denke sportlich gesehen ist der Wettbewerb in der MotoGP in Ordnung. Natürlich kannst du dich immer steigern. Vielleicht würde ich das Format verbessern wollen", antwortete Trackhouse-Boss Davide Brivio gegenüber crash.net darauf, was er in der MotoGP verändern würde. Zu den Auswirkungen der Sprints auf den WM-Kampf hatte er sich bereits zuvor geäußert. Mehr dazu hier:

Sein Vorschlag für ein neues Format lautet wie folgt: "Ich persönlich würde das Qualifying aufteilen. Ein Qualifying für den Sprint und ein Qualifying für den Grand Prix." Dabei denkt er aber nicht nur allein an das Zeittraining selbst, welches bereits durch den Sprint vom Samstagnachmittag auf den Vormittag vorgeschoben wurde. "Es wäre vielleicht schwierig, dafür einen funktionierenden Zeitplan zu finden, aber ich würde das tun, denn du solltest nicht dein gesamtes Wochenende bereits am Freitagnachmittag versauen können", begründet das MotoGP-Urgestein seine Idee.

Aktuelles Format stößt MotoGP-Piloten auf: Einmal Pech kann gesamtes Wochenende ruinieren

Gemeint ist damit die Kombination aus Training und Qualifying. Im Training am Freitagnachmittag kommen die ersten zehn direkt ins Q2. Dort findet in der Schlussphase also bereits eine Art Vorqualifying statt. Nur zwei weitere Q2-Plätze gibt es dann noch im Q1 zu vergeben. Letztlich kämpfen dann 12 Fahrer um die Pole-Position. Das Ergebnis des Qualifyings gilt dann für beide Rennen.

Ein Missgeschick im Training kann bereits das gesamte Wochenende ruinieren, Foto: IMAGO / PsnewZ
Ein Missgeschick im Training kann bereits das gesamte Wochenende ruinieren, Foto: IMAGO / PsnewZ

Wer es also nicht direkt in Q2 schafft, der kann sich bereits für Samstag und Sonntag ins Abseits stellen. Ein Weiterkommen im Q1 kann auch bei bester Pace unverschuldet scheitern. "Wenn du von einem Sturz oder einer gelben Flagge betroffen bist, dann ist es wirklich furchtbar. Dann wirfst du das gesamte Wochenende weg", meint etwa Luca Marini.

Marc Marquez zu gut - oder die Gegner zu schwach? (31:05 Min.)

Technische Regelrevolution von 2027 ändert nichts an den Schwächen des Formats

In der modernen MotoGP ist das Überholen durch Aerodynamik und Ride-Height-Devices immer schwieriger geworden. Eine gute Startposition wurde Jahr für Jahr wichtiger. Für 2027 steht bereits ein neues technisches Reglement in den Startlöchern, um diesen Zustand zu verbessern. Dennoch will sich Davide Brivio nicht allein auf technische Lösungen verlassen: "Es wird ein großer Regelwechsel auf uns zukommen, aber wir sollten immer darüber nachdenken, was wir zur Verbesserung unserer Show tun können."

Davide Brivio argumentiert also auch im Sinne der Unterhaltung und hat damit einen Punkt. Sein Vorschlag würde mehr Abwechslung bieten. Bei gleicher Startaufstellung in beiden Rennen wird der Sprint oft zu einer Art Prognose für den Grand Prix. Bei einem weiteren Qualifying können die Karten neu gemischt werden. Das zuvor gezeigte Leistungsniveau würde ein Indiz darstellen, aber nicht bestimmend wirken. Fahrer könnten sich im Verlauf des Wochenendes steigern und für Überraschungen sorgen, was ihnen durch das aktuelle Format mit seiner sehr frühen Bestimmung der Startaufstellung verbaut wird.

Die Startaufstellung gilt für Sprint und Grand Prix, Foto: MotoGP Press
Die Startaufstellung gilt für Sprint und Grand Prix, Foto: MotoGP Press

Formel 1 und DTM machen zwei Qualifyings vor, doch MotoGP bräuchte wohl eigene Lösung

Wäre noch die Frage, wie ein solches Format mit zwei Qualifyings im ohnehin engen Zeitplan der Königsklasse aussehen kann. In anderen Motorsportserien ist dies bereits Gang und Gäbe. In der Formel 1 werden an Sprint-Wochenenden zwei Zeitenjagden gefahren. Dabei wird zuerst der Sprint mit seinem Qualifying (Freitagnachmittag) und dem Kurzrennen (Samstagvormittag) abgehalten, ehe dann das bekannte Prozedere für den Grand Prix beginnt. Die DTM trägt sowohl am Samstag als auch am Sonntag jeweils vormittags ein Qualifying für das Rennen am Nachmittag aus.

Ferrari-Pilot Charles Leclerc
Die Formel 1 trägt bei Sprints zwei Qualifyings aus, Foto: IMAGO / ABACAPRESS

Dass die MotoGP diese Varianten für sich adaptieren kann, muss aber als sehr fraglich gelten. Klar ist, dass die Sprints sich als Highlight für die Fans vor Ort etabliert haben. Die Rennstreckenbetreiber verzeichnen wesentlich höhere Zuschauerzahlen als zuvor am Samstag. Den Sprint auf den Vormittag zu verlegen erscheint daher als unrealistisches Szenario, denn das Interesse und der Spannungsbogen soll sich zum Tageshöhepunkt aufbauen. Das Grand-Prix-Qualifying erst am Sonntagvormittag anstelle des Warm Ups auszutragen kann aber wohl auch kaum eine Lösung darstellen, besonders da Liberty Media diesen Zeitraum für Promotionszwecke nutzen möchte. Wenn die Fahrer und Teams die Abhängigkeit ihres Wochenendes von der Q2-Qualifikation und von nur einem Qualifying für beide Rennen reduzieren wollen, so müssen sie wohl mit einem gänzlich neuen Vorschlag hausieren gehen.

Eine Änderung des Formats könnte natürlich auch mit einer Neustrukturierung der Zeitpläne von Moto2 und Moto3 einhergehen. Was Libery Media mit den Nachwuchsserien vorhat, könnt ihr hier lesen: