Francesco Bagnaia steckt in der tiefsten Krise seiner MotoGP-Karriere. Der zweifache Königsklassen-Champion meinte nach einem kleinen Lichtblick im Rennen in Barcelona, sich trotzdem keine falschen Hoffnungen mehr zu machen. Während der Italiener zu kämpfen hat, dominiert Teamkollege Marc Marquez die Weltmeisterschaft. Doch selbst im Erfolgsrausch ist dem Spanier das Leid seines Teamkollegen keineswegs egal.

Marc Marquez und Francesco Bagnaia: Aufmunterungsversuche in Barcelona

Nach jedem Rennwochenende veröffentlicht Ducati eine Art Dokumentationsvideo. Die Episode über Barcelona erregte besondere Aufmerksamkeit. Im Video ist unter anderem ein Gespräch zwischen Marquez und Bagnaia im Auto zu sehen. Im Folgenden der Wortlaut:

Bagnaia:
"Es macht einfach zu und ich kann nicht einlenken. Es ist unglaublich, wie schnell ich letztes Jahr war und wie langsam ich jetzt bin. Ich verliere immer mehr das Vertrauen."

Marquez:
"Du musst auf die Strecke gehen und von neu anfangen. Misano ist dafür gut. Dann kommen die Fragen der Journalisten. Wenn die aufhören, dann wird es besser. Du wirst sehen."

Bagnaia:
"Sicher. Heute [am Sonntag in Barcelona, Anm. d. Red.] gibt es ja eh nichts mehr zu sagen. "

Marquez:
"Dann wieder Donnerstag, Freitag, Samstag. Es wird Schritt für Schritt besser werden."

Nur das Beste für Ducati? Marc Marquez gesteht: Will niemanden so leiden sehen

Marc Marquez versuchte es also mit Aufbauhilfe für seinen geknickten Teamkollegen. Vor dessen Heimrennen in Misano wurde der Dominator natürlich auf den vorgeschlagenen Neustart angesprochen. Zunächst gab er sich als Teamplayer: "Natürlich bin ich eigentlich nicht die Person, die Pecco [Bagnaia] beraten sollte. Er hat sein Team um sich und die haben hier [in Misano] eine Menge Erfahrung. Sie werden ihm helfen. Aber ich möchte das Beste für Ducati. Wir brauchen beide Fahrer im Kampf um die Spitzenpositionen. Das wäre von Vorteil, wenn wir das Motorrad für die Zukunft weiterentwickeln wollen."

Francesco Bagnaia wird von Brad Binder und Joan Mir verfolgt
Francesco Bagnaia kämpft derzeit im Mittelfeld, Foto: IMAGO / PsnewZ

Doch damit war es nicht getan. Letztlich enthüllte die Nummer 93 auch persönliche Gründe. "Ich möchte jeden schlagen, auch meinen Teamkollegen und meinen Bruder, jeden. Aber ich möchte nicht sehen, wie jemand so leidet, wie es Pecco momentan ergeht", zeigte er sich gegenüber seinem Stallgefährten empathisch.

Erinnerungen an eigene MotoGP-Leidenszeit: Schwierig, das zu vergessen

Was er mit der Aussage über die Journalisten meinte, erklärte er genau diesen dann: "Für die Fahrer ist eine solch schwierige Lage wirklich nicht einfach. Es ist schwierig, das wieder zu vergessen. Jeden Tag musst du zu den Journalisten. Du machst deinen Job, aber sie stellen wieder dieselben Fragen. Das ist für uns sehr hart, aber wir müssen es akzeptieren." Eine Erfahrung, die er selbst auch zum Ende seiner Honda-Zeit machte. Warum kommt der einstige Seriensieger nicht einmal mehr auf das Podium? Ging mit seinen schweren Verletzungen etwas verloren? Marquez gab im Nachhinein zu, Selbstzweifel gehabt zu haben, die erst mit dem erfolgreichen Wechsel zu Ducati abgelegt werden konnten. Mehr dazu hier:

Nun scheint bei Bagnaia ein Wechsel erstmal keine Option. Der Italiener wird auch 2026 für Ducati starten und möchte eigentlich bei dem Team bleiben, mit welchem er groß wurde. Kann er seine Krise trotzdem ablegen, wie Marquez es geschafft hat? Der Spanier ist davon überzeugt: "Es ist das erste Mal in seiner Karriere, dass er in einer solchen Lage ist, aber er hat genug Talent, um aus diesem Loch wieder herauszukommen."

Francesco Bagnaia: Werde Marcs Rat zu Herzen nehmen

Am späteren Donnerstagnachmittag wurde dann auch Bagnaia selbst im Interview mit 'Motogp.com' auf das Gespräch aus dem Ducati-Video angesprochen. Der Italiener zeigte Wertschätzung für Marquez' Worte. "Wenn ein Fahrer wie Marc mit dir spricht, dann solltest du dir jedes Detail dieses Gesprächs zu Herzen nehmen, denn es könnte wichtig werden", meinte 'Pecco'.

Ob der Neustart auf Raten wirklich Früchte tragen kann, muss sich nun in Misano zeigen. Die Grundstimmung bei Bagnaia ist trotz der Unterstützung durch seinen Teamkollegen weiter eher bescheiden: "Es entspricht der Realität, dass ich mich in einer schwierigen Phase befinde. Meine Schwierigkeiten werden nur noch schlimmer, das sahen wir von Österreich bis Barcelona. Wir müssen jetzt für die nächsten Rennen konzentriert bleiben, um einfach etwas konkurrenzfähiger zu werden." Optimismus klingt sicher anders.

Wie ihr verfolgen könnt, ob Francesco Bagnaia in Misano doch den erhofften Neustart schafft, erfahrt ihr hier:

Hinweis:
Dieser Artikel erschien ursprünglich nur mit den Aussagen von Marc Marquez. Die Reaktion Bagnaias darauf wurde nach dessen Interview mit 'Motogp.com' ergänzt.