Ducati dominiert die MotoGP aktuell nach Belieben, stürmt von Rennsieg zu Rennsieg und von WM-Titel zu WM-Titel. Erfolgreichster Hersteller aus Italien ist das Werk aus Borgo Panigale damit aber noch lange nicht. Diese Ehre gebührt noch immer MV Agusta, das der Motorrad-WM speziell in den ersten 30 Jahren ihrer Geschichte den eigenen Stempel aufdrückte. 37 gewonnene Weltmeisterschaften stehen über alle Klassen hinweg zu Buche, darunter 13 mit WM-Legende Giacomo Agostini. Der letzte Titel datiert aus der Saison 1974 mit Phil Read. Kommt vielleicht schon bald mal wieder einer dazu?
Diese Frage stellen sich Fans der Marke seit Jahrzehnten, könnte aktuell aber relevanter denn je sein. Eine Rückkehr von MV Agusta auf die große Motorsportbühne ist aktuell nämlich gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Im Interview mit den italienischen Kollegen von 'GPOne.com' sprach der ehemalige KTM-CEO Hubert Trunkenpolz, der inzwischen als Vorsitzender des Aufsichtsrats bei MV Agusta agiert, offen über ein mögliches Comeback der Traditionsmarke in der MotoGP.
MV Agusta: Rückkehr ab 2027 vorstellbar, wenn …
"Mit unseren verfügbaren Ressourcen werden wir keinen 850ccm-Vierzylindermotor für die MotoGP bauen können", stellte er zunächst unverblümt dar. Doch das muss nicht zwangsläufig ein Problem sein. Trunkenpolz führt seine Gedankenspiele aus: "Wir müssen jetzt abwarten, wie das Technische Reglement der MotoGP unter Liberty Media ausfallen wird. Hoffentlich werden die Regeln identisch zur Formel 1 sein, wo Teams wie McLaren konkurrenzfähige Motoren von Mercedes leihen und damit gewinnen können. Wenn so etwas auch in der MotoGP umsetzbar wäre, ist es eine Option für MV Agusta, in die Königsklasse zurückzukommen."
Was in der Formel 1 seit Jahrzehnten völlige Normalität ist, wäre in der MotoGP tatsächlich Neuland. Vielmehr ist es in der Königsklasse auf zwei Rädern bislang Standard, dass Kundenteams wie Gresini, Pramac oder Tech3 ganze Motorräder von Herstellern wie Ducati, Yamaha oder KTM leihen und einsetzen. Lediglich den Motor von einem Hersteller zu beziehen und alles andere selbst zusammenzustellen, wäre theoretisch zwar möglich, könnte sich in der Praxis aber als schwer umsetzbar herausstellen. Primär, weil sich zunächst ein Hersteller finden müsste, der bereit wäre, ein konkurrierendes Team lediglich mit Motoren auszustatten.

Das so etwas grundsätzlich möglich ist, zeigt die Formel 1. Doch Ducati und Aprilia dürften wenig Interesse daran haben, der italienischen Konkurrenz aus Varese auszuhelfen und auch die stolzen Japaner von Honda und Yamaha dürften nicht gerade darauf brennen, ihre Motoren in Motorrädern eines Konkurrenten fahren zu lassen. Somit bleibt von den aktuellen MotoGP-Herstellern eigentlich nur KTM als möglicher Partner. Das Gute aus Sicht von MV Agusta: Die Wege nach Mattighofen sind kurz. Zwischen 2022 und 2025 war MV Agusta Teil der Pierer Mobility Group und in diesem Zuge auch schon Teil von MotoGP-Spekulationen. 2023 wollte KTM ein drittes Team an den Start bringen, um die verzwickte Fahrerlage zu lösen. Nach dem Vorbild von GasGas wäre das dritte Team vollständig von KTM ausgestattet worden, allerdings womöglich komplett im MV-Agusta-Branding an den Start gegangen. MotoGP-Promoter Dorna schob tiefgehenderen Gedankenspielen seinerzeit aber einen Riegel vor, weil der zwölfte Teamplatz einem 'echten' Hersteller vorbehalten werden sollte.
MV Agusta bereits in MotoGP-Verhandlungen mit Promoter Dorna?
An dieser grundsätzlichen Haltung hat sich seither nichts geändert, der Einstieg eines anderen Herstellers wie BMW, Kawasaki oder Suzuki ist aber auch nicht in Sicht. Ob die Dorna daher bereit wäre, den zwölften Platz an einen zumindest teilweise selbst agierenden Hersteller abzugeben, muss sich nun zeigen. Laut 'GPOne' soll sich Trunkenpolz beim Deutschland-GP am Sachsenring jedenfalls schon mit Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta getroffen und Verhandlungen geführt haben. "Wir sind realistisch genug und wissen, dass es illusionär wäre, einen MotoGP-Motor für die Jahre 2027 bis 2031 zu bauen. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir einen Rahmen-Partner finden würden, das könnte etwa ein Unternehmen wie Kalex für uns übernehmen", zeigt sich Trunkenpolz optimistisch, dass MV Agusta im Fall der Fälle ein konkurrenzfähiges Projekt auf die Beine stellen könnte. "Wir brauchen nur einen Motor von einem anderen Hersteller."
Ob sich das realisieren lässt, werden die nächsten 17 Monate zeigen. So oder so steht für Trunkenpolz aber fest: "MV Agusta ist in der 500ccm-Weltmeisterschaft aufgewachsen. In Serien wie der Moto2, der Superbike-WM oder der Supersport-WM anzutreten, steht daher nicht zur Debatte." MotoGP oder nichts, lautet also das Motto in Varese. "Wir wollen unser Vermächtnis waren. Außerdem kosten diese Serien viel, bringen dir aber nur wenig Ertrag", begründet Trunkenpolz. Mit einem kolportierten Mindestbudget von 20 bis 30 Millionen Euro fällt natürlich auch ein MotoGP-Engagement alles andere als kostengünstig aus, aber die Ankunft von Liberty Media könnte die Königsklasse bald rentabel machen. Außerdem verrät Trunkenpolz: "Einige Sponsoren haben uns schon kontaktiert und uns zugesichert, dass sie uns unterstützen würden, sollten wir uns zu einer Teilnahme [an der MotoGP] entscheiden."
Das mögliche Comeback der Traditionsmarke scheint also deutlich durchdachter als in vergangenen Jahren. "Mit einem passenden Konzept kann der Traum von der MotoGP-Rückkehr 2027 eine Realität werden", stimmt auch MV-Agusta-CEO Luca Martin ein. Doch was denkt ihr: Kommt MV Agusta tatsächlich zurück oder werden da gerade nur leere Versprechungen an die Öffentlichkeit geschickt? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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