Am Freitag war KTM noch die große Überraschung: Die erste Trainingsbestzeit seit Motegi im Herbst 2024, schnellster MotoGP-Hersteller vor den favorisierten Ducatisti. Orangene Euphorie war im Paddock zu spüren, es wurde vom ersten Sieg seit Jerez 2023 geträumt. "Alles" sei am restlichen Wochenende für KTM möglich, meinte Maverick Vinales stellvertretend - und der Trainingsschnellste sollte Recht behalten, allerdings im negativen Sinne.

Auch im 2. Freien Training noch an der Spitze, war im Qualifying plötzlich nicht mehr viel vom KTM-Höhenflug zu sehen. Brad Binder (15.) und Enea Bastianini (16.) scheiterten bereits in Q1, verloren mehr als vier Zehntel auf die beste Rundenzeit von Fermin Aldeguer. Und auch Vinales sowie Pedro Acosta hatten in Q2 nichts mehr mit dem Kampf um den ersten Platz zu tun. Mehr als die Startpositionen fünf (Vinales) und acht (Acosta) war nicht drin.

KTM-Pleite im Sprint: Frühe Stürze für Binder und Acosta

Die Hoffnungen auf ein Topresultat im Sprint waren damit noch nicht begraben, lässt es sich mit der RC16 doch traditionell gut in ein Rennen starten. Speziell Binder sollte sein starker Launch am Samstagnachmittag aber sogar zum Verhängnis werden. Nach dem Start bereits auf Platz zehn liegend, kam er gleich in der ersten Kurve nach leichtem Kontakt mit Fabio Di Giannantonio zu Sturz und räumte auf seinem Weg ins Kiesbett auch noch den hilflosen Johann Zarco ab. Hier könnt ihr euch den Zwischenfall im Bewegtbild ansehen. Äußerst ärgerlich, denn es wäre wohl noch einiges für den Südafrikaner möglich gewesen.

Das zeigte etwa Teamkollege Pedro Acosta, der als Sechster aus der Startphase herausgekommen war. Viel weiter kam der spanische Youngster allerdings nicht, denn er stürzte dann am Ende der ersten Runde in der Schlusskurve T15. Im Windschatten von Vinales war er etwas weitgegangen. "Ich habe die Front eigentlich nicht zu sehr forciert", rätselte er hinterher über seinen Abflug, wollte den verpatzten Mugello-Samstag dann aber schnell abhaken, ohne genauer ins Detail zu gehen: "Wie auch immer, ich habe einen Fehler gemacht."

Vinales hält KTM-Fahne hoch: P4 kein schlechtes Ergebnis!

Da Bastianini in der Startphase nur bis auf Platz zwölf nach vorne gekommen war, war es somit an dessen Tech3-Teamkollegen Maverick Vinales, die KTM-Ehre im Sprint zu retten. Dieser hatte beim Start zwar keine Positionen gutmachen können, zumindest aber auch - anders als noch zu Aprilia-Zeiten - keine Plätze verloren. Zunächst auf Rang fünf und später dann auf Rang vier liegend, hatte die Nummer 12 das Podium in Sicht. Nur 0,538 Sekunden fehlten bei Zielankunft zu Francesco Bagnaia auf P3. "Ich wollte möglichst schnell an Fabio [Quartararo] vorbei, aber er gehört zu den spätesten und härtesten Fahrern auf der Bremse. Da war es schwierig, ihn zu überholen", wusste Vinales auch sofort, wo er die womöglich entscheidende Zeit auf Bagnaia und das Podium verloren hatte. Erst im fünften von elf Umläufen war er an seinem ehemaligen Stallgefährten aus Yamaha-Zeiten vorbeigekommen.

Maverick Vinales brauchte (zu) lange, um Fabio Quartararo zu überholen, Foto: KTM Media
Maverick Vinales brauchte (zu) lange, um Fabio Quartararo zu überholen, Foto: KTM Media

"Ich müsste schon nach der ersten Kurve Zweiter oder Dritter sein, um wirklich um ein Spitzenergebnis kämpfen zu können", analysierte Vinales später. Falsch wollte er den vierten Platz - immerhin sein bestes Sprintergebnis als KTM-Pilot - aber auch nicht verstanden wissen. "Das war heute ein wirklich guter Sprint", stellte er unmissverständlich klar. "Ich war so nah an den Top-Jungs dran wie noch nie, darüber müssen wir glücklich sein. Natürlich will ich auf das Podium, aber wir können zufrieden sein."

Bei Vinales herrscht also weiterhin Optimismus vor, auch wenn KTM die überragende Pace vom Training nicht in Qualifying und Sprint übertragen konnte. Mit dem Italien-Grand-Prix steht das eigentliche Highlight des Wochenendes aber natürlich auch erst noch bevor. Und da will KTM nochmal angreifen. "Wenn ich in der letzten Kurve näher dranbleiben kann [an den Ducatis], habe ich eine Chance", kündigte etwa Vinales an und Acosta meinte selbstbewusst: "Platz drei bis fünf ist möglich. Nur Marc und Alex [Marquez] sind außer Reichweite, dann kommen alle anderen."

Marc Marquez jagt Valentino Rossis MotoGP-Rekord: Nicht wichtig (08:45 Min.)

Ob sich KTM am Sonntag also doch noch für ein gutes Wochenende belohnen kann? Der Italien-GP (Start 14:00 Uhr MEZ) wird es zeigen. Wieder auf dem Podium stehen wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit Marc Marquez. Der Spanier sah sich am Samstag (mal wieder) etlichen Pfiffen und Buhrufen der Tifosi ausgesetzt. Wie Teammanager Davide Tardozzi und Marquez selbst darauf reagierten, erfahrt ihr in diesem Artikel: