Für die International Road-Racing Teams Association, besser als IRTA bekannt, beginnt ein neues Zeitalter. Tech3-Boss Herve Poncharal legte sein Amt als Präsident der Teamvereinigung nach mehreren Jahrzehnten als ihr Oberhaupt nieder. Sein Nachfolger ist im MotoGP-Paddock nicht weniger bekannt. LCR-Honda-Chef Lucio Cecchinello übernimmt. Wie er sich seine neue Aufgabe vorstellt.

Will etwas zurückgeben: Cecchinello tritt Poncharal-Erbe an

"Dieser Sport hat mir in so vielen Jahren so viel gegeben. Eine Menge Erfahrungen, viel Freude, viele Emotionen, viel Zufriedenheit und einen schönen Lebensstil. Da kommt dann auch das Gefühl auf, dass der Punkt erreicht ist, wo du dem Sport etwas zurückgeben willst", erklärte der Italiener in seinem ersten Interview als IRTA-Präsident, warum er sich als Nachfolger Poncharals zur Wahl gestellt hat.

Zuvor war dies nie nötig gewesen. "Herve Poncharal hat die IRTA für so viele Jahre repräsentiert und alle hier haben großen Respekt davor, was er geleistet hat. Es zeigt sich besonders dadurch, dass bis auf einmal - Michael Bartholemy in einem Jahr - niemand als Gegenkandidat für das Präsidentenamt kandidiert hat. Alle waren sie also zufrieden mit Herves Arbeit", gab Cecchinello weiter an. Es handelt sich also um eine Ablöse des Franzosen durch einen Gleichgesinnten und nicht um einen Paradigmenwechsel.

Cecchinello betont: IRTA bleibt eine demokratische Institution

Der Mehraufwand ist dem MotoGP-Urgestein kein Dorn im Auge: "Die Arbeit selbst macht mir keine Sorgen. Ich mag meinen Job und ich habe kein Problem damit, am Abend nochmal extra ein paar Stunden dranzuhängen. Ich kann auch mein Essen gerne im Wohnwagen zu mir nehmen, kein Problem." Es geht um die Schwierigkeit, einen Konsens zu finden: "Du stehst zwischen den Teams und den Organisatoren. Das kann dann für unangenehme Situationen sorgen."

Lucio Cecchinello in der Autogrammstunde mit Fans
Auch mit den Fans sucht Lucio Cecchinello Kontakt, Foto: IMAGO / PsnewZ

Dabei sieht er sich nicht in der Rolle des Entscheiders, sondern vielmehr in der eines Vermittlers. Auch hier will er Poncharal nacheifern: "Was ich aufrechterhalten möchte, ist, dass die Vereinigung eine sehr demokratische Institution bleibt. Der Präsident ist der Vorsitzende der Besprechungen des IRTA-Komitees. Dieses besteht aus Team-Managern aller MotoGP-Teams, plus zwei Vertretern der Moto2, zwei Vertretern der Moto3 und einem Vertreter der Lieferanten wie Michelin. Der Vorsitzende hat aber keine Entscheidungsgewalt. Er muss sich an die Tagesordnungspunkte halten und diese erklären. Dann dürfen alle ihre Meinung darlegen und es wird abgestimmt."

Neuer Präsident sucht persönlichen Kontakt: Meine Pflicht, die Probleme zu kennen

"Ich werde von meiner Seite aus keinen Druck ausüben, dass etwas gesagt oder getan wird. Es wird immer das Resultat einer demokratischen Entscheidung sein", stellte der 55-Jährige nochmals klar. Aber er möchte helfen und seine Kollegen nachvollziehen können: "Was ich mir vornehme, ist mehr Zeit mit den anderen Involvierten zu verbringen. Ich hatte bereits ein einstündiges Gespräch mit Paolo Pavesio [Yamahas neuer MotoGP-Boss, Anm. d. Red.]. Darüber war er sehr erfreut, denn er weiß noch nicht viel über die IRTA. Er ist gerade erst hier angekommen."

"Ich weiß nicht, wie oft Herve in der Vergangenheit das Gespräch gesucht hat, aber ich werde versuchen, es so oft wie möglich zu tun. Ich empfinde es als meine Pflicht, möglichst viele Ideen und auch die Probleme festzustellen. Dann musst du diese mit allen Beteiligten in Balance bringen. Das wird nicht einfach, aber ich nehme diese Herausforderung an", erklärte der neue Präsident weiter. Dabei stellte er auch noch einmal die Notwendigkeit der Arbeit der IRTA fest: "Wenn es die IRTA nicht gäbe, dann würde dies wohl die FIM übernehmen. Bei allem Respekt: Die FIM sieht sich weder denselben Problematiken ausgesetzt, noch hat sie das Wissen, welches die echten Akteure haben."

Großer MotoGP-Rennkalender: IRTA will Belastung auf Teams begrenzen

Der MotoGP-Kalender ist groß wie nie, Foto: MotoGP Press
Der MotoGP-Kalender ist groß wie nie, Foto: MotoGP Press

Eine dieser Erfahrungen dreht sich um die Belastung von Fahrer und Teams. Hier will er klarstellen, dass es eine Grenze geben muss: "Es stimmt, dass die Anzahl der Rennen sehr hoch ist. Gleichzeitig stimmt es aber auch, dass unsere Organisatoren [die Dorna, Anm. d. Red.] unter dem großen Druck der Teilhaber und Sponsoren stehen. Aber es kommt auch von den Herstellern, die gerne an exotischeren Orten fahren möchten, wo es interessante Märkte gibt. Wir haben bereits mit Carmelo [Ezpeleta, Anm. d. Red.] abgesprochen, dass er nicht mehr als 22 Rennen planen wird." Über weitere Initiativen seiner Amtszeit gab er noch keine Auskunft. Cecchinello wollte sich erst in seiner neuen Rolle zurechtfinden.

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