Die MotoGP-Rückkehr nach Aragon hat sich bislang zu reinen Marc-Marquez-Festspielen entwickelt: Der Gresini-Pilot sicherte sich zunächst alle drei Trainingsbestzeiten und brachte im Qualifying dann mehr als acht Zehntel zwischen sich und seine ersten Verfolger. Hochfavorisiert gelang Marquez im Sprint schließlich auch sein erster MotoGP-Sieg seit November 2021 - wenn auch nur am Samstag und (noch) nicht im Grand Prix.
Nach seiner Galavorstellung im Sprint, in dem der MotoGP-Superstar jede einzelne Runde anführte, scheint es aber nur noch eine Frage von Stunden, bis er auch in einem Hauptrennen wieder auf der obersten Stufe eines Grand-Prix-Podiums stehen wird. Ganze 3,958 Sekunden Vorsprung hatte Marquez bis zum Start der letzten Runde schließlich angehäuft, im Schnitt also fast vier Zehntel pro Umlauf auf den Zweitplatzierten Jorge Martin herausgefahren. Schwer vorstellbar, dass sich das Bild am Sonntag dramatisch verändern wird - und doch ließ der neue WM-Leader nach Sprintende aufhorchen.
Jorge Martin hofft auf Chancengleichheit mit Medium-Reifen
"Das war ein fantastischer Sprint, denn nach dem Sturz im Qualifying war es schwierig für mich, wieder das volle Selbstvertrauen zu finden. Ich habe versucht, an Marc dranzubleiben und dachte, dass ich am Ende vielleicht etwas ausrichten kann, aber es war unmöglich. Gratulation an Marc! Ich bin aber zuversichtlich, dass ich am Sonntag noch einen Schritt machen und mit ihm kämpfen kann", kündigte Martin bereits direkt nach Sprintende im Parc-Ferme-Interview an. Eine überraschende Aussage, konnte in Aragon doch bislang kein Pilot auch nur ansatzweise mit Marquez mithalten. Woher nimmt der Pramac-Star also die Zuversicht, dies ausgerechnet im Grand Prix am Sonntag ändern zu können?
Nun, wie so oft liegt die Antwort wohl in einer Kombination mehrerer Faktoren. Zum einen sind da die Reifen: Im Sprint musste Martin nämlich wie das gesamte Feld mit dem Soft-Hinterreifen starten, welcher nicht zu seinen Favoriten zählt. Im Hauptrennen kann dagegen auch mit dem Medium gefahren werden, womöglich ein Vorteil für ihn. "Wir haben heute schon mit dem Soft-Rear, mit dem ich mich normalerweise am schlechtesten fühle, einen großen Fortschritt gemacht. Daher hoffe ich, dass ich mit dem Medium, mit dem ich hier von allen Fahrern am meisten gefahren bin, noch etwas schneller sein werde", beschreibt Martin in seiner Medienrunde. "Marc ist weiterhin überlegen, aber mit dem Medium sind die Verhältnisse gleicher verteilt. Wir werden sehen, was passiert. Wenn ich bis zum Ende an ihm dranbleiben kann, warum nicht?", fragt er.

Jorge Martin ohne Qualifying-Crash näher an Marc Marquez dran?
Hoffnung bereitet allen Martin-Fans kurioserweise auch dessen Qualifying-Sturz. Denn durch diesen wurde das tatsächliche Kräfteverhältnis wohl etwas verschoben. Zum einen dürfte der Pramac-Pilot durch seinen Crash nämlich etwas Zuvertrauen in das eigene Motorrad verloren haben, welches er sich im Sprint erst wieder zurückholen musste. Die ersten Rennrunden waren die ersten auf dem reparierten Bike, womit er zum Start des Sprints sicherlich nicht völlig am Limit gefahren sein dürfte und etwas Zeit verloren hat. Am Sonntag kann Martin wieder sorgenlos attackieren. Sollte er in Führung gehen können, scheint alles möglich, sind die Überholschwierigkeiten in der modernen MotoGP doch bekannt.
Klar, mit deutlich überlegener Pace dürfte ein Fahrer wie Marc Marquez auch bei verpatzem Start wieder einen Weg an Martin vorbeifinden. Doch ist seine Pace wirklich so überlegen? Martins Qualifying-Crash sorgte nämlich auch dafür, dass dieser ohne angeschriebene Rundenzeit in die finalen Minuten von Q2 ging. Somit musste sich der WM-Leader darauf konzentrieren, sich mit einer soliden Runde überhaupt erst auf einem guten Startplatz zu positionieren, anstatt im finalen Outing mit vollem Risiko die Pole Position zu attackieren. Das dürfte sicherlich einige Zehntel und damit auch Startplatz zwei gekostet haben.

"Wenn ich einen Rivalen herausgreifen müsste, dann wäre es Jorge, denn in Q2, ohne den Sturz, wäre er Zweiter gewesen, viel näher an unseren Zeiten. Im Rennen war er der einzige, der reagierem konnte, als ich in den ersten Runden hart gepusht habe", weiß auch Marquez selbst. Der MotoGP-Superstar rechnet daher nicht mit einer Spazierfahrt zu seinem ersten Grand-Prix-Sieg seit mehr als 1.000 Tagen. Vielmehr sagt der Gresini-Pilot, dass er noch ein gutes Stück Arbeit vor sich hat. Alle Infos dazu findet ihr hier:
Ob Martin Marquez wirklich herausfordern kann, zeigt sich am Sonntag ab 14:00 Uhr. Was glaubt ihr: Gelingt Martin die Überraschung oder kehrt Marquez auf die oberste Podeststufe zurück? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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