Seit dem Italien GP in Mugello stellten Francesco Bagnaia, Jorge Martin und Enea Bastianini vier von fünf möglichen Grand-Prix-Podien in der MotoGP. Einzig am Sachsenring stand das Ducati-Trio nicht gemeinsam auf dem Podest, weil Martin seine Maschine im Turn-1-Kiesbett versenkt hatte und Bastianini ein schwaches Qualifying hingelegte. Davon abgesehen gab es in der Königsklasse zuletzt aber kein Vorbeikommen an den drei Führenden der Fahrer-WM - bis zum Trainingsfreitag in Aragon.
Bei der Rückkehr ins Motorland Aragon nach einjähriger Pause gab nämlich Marc Marquez den Ton an. Das FP1 beendete der MotoGP-Superstar fast eine halbe Sekunde vor dem restlichen Fahrerfeld und auch im Nachmittagstraining drückte er zumindest Martin (4.), Bagnaia (6.) und Bastianini (15.) wieder mehr als 0,5 Sekunden Rückstand auf. Einzig die Aprilias von Aleix Espargaro und Maverick Vinales konnten halbwegs mithalten. Eine dominante Vorstellung, die Marquez vor dem Qualifying und Sprint am Samstag zum klaren Favoriten auf beide Rennsiege in Aragon macht.
Ducati verrennt sich beim Setup - Bagnaia mit geheimnisvollem Problem
Doch wieso hinkten die zuletzt so starken GP24-Piloten am Freitag so sehr hinterher? Die Erklärung setzt sich wohl aus mehreren Puzzlestücken zusammen. Zum einen stammen die letzten verfügbaren Daten aus Aragon aus dem Jahr 2022, lassen sich also besser auf die GP23 von Marquez - dem direkten Nachfolgermodell der damals im Einsatz befindlichen GP22 - übertragen. Außerdem sorgt ein neues Asphaltband für zusätzliche Schwierigkeiten. Und dann ist da noch die altbekannte Stärke Marquez' auf Rennstrecken, die gegen den Uhrzeigersinn befahren werden. In Aragon ist der Spanier mit fünf Erfolgen Rekordsieger.
All diese Faktoren kombiniert verschafften Marquez am Freitag einen Vorsprung gegenüber seinen GP24-Rivalen. "Marc macht hier den Unterschied. Diese Strecke liegt ihm besonders gut und er konnte mit einem Setup loslegen, mit welchem er sich wohl fühlt. Dadurch war er von Beginn an schnell", analysierte auch Francesco Bagnaia. Bei den Werkspiloten war dies anders, dort hatte man sich zu Beginn des Trainingstages beim Setup schlicht vertan. "Ich hatte hier in Aragon noch nie so große Probleme wie heute", sagt Enea Bastianini stellvertretend. "Mein Gefühl auf der Strecke war heute morgen nicht gut, dadurch haben wir viel Zeit verloren. Nachmittags sind uns Verbesserungen gelungen und wir haben Fortschritte gemacht, aber leider zu spät."

Ähnlich klang auch Teamkollege Bagnaia, der Vormittags zudem von einem Problem getroffen wurde, auf das er nicht näher eingehen wollte. "Ich habe dadurch die komplette Session verpasst und konnte nichts ausprobieren", klagte er allerdings und rechtfertigte damit seinen verwunderlichen 21. Platz im FP1. "Wir mussten dann das gesamte Programm am Nachmittag nachholen. Als wir verstanden haben, in welche Richtung wir gehen müssen, haben wir große Fortschritte gemacht, aber das hätte schon am Vormittag passieren sollen. Das ist sehr ärgerlich, dass so etwas ausgerechnet auf dieser Strecke mit dem neuen Asphalt passiert, wo es wichtig gewesen wäre, auf dem richtigen Fuß in das Wochenende zu starten."
Francesco Bagnaia sicher: Kann Lücke zu Marc Marquez schließen
Dennoch zeigte sich der amtierende Weltmeister optimistisch für das restliche Rennwochenende. "In der letzten Runde mit dem gebrauchten Medium bin ich eine gute Rundenzeit gefahren. Als wir den Soft aufgezogen haben, hätte ich nicht so viel Grip erwartet, weshalb wir nochmal eine kleine Anpassung am Motorrad vornehmen mussten. Dadurch wurde ich dann aber nochmal schneller und hätte es ohne die Gelben Flaggen [Sturz Miller, Anm.] in die Top Drei schaffen können. Insgesamt war es also ein positiver Tag. Ich bin ich den Top Ten und wir wissen, in welche Richtung wir gehen müssen", sagt er und warnt: "Ich bin mir sicher, dass wir morgen einen großen Schritt nach vorne machen werden. Momentan ist Marc der Mann, den es zu schlagen gilt - auf eine Runde und in der Renn-Pace - aber ich kann die Lücke schließen."
Dem stimmt auch Jorge Martin zu, der am Freitag mit 0,578 Sekunden Rückstand noch am Nähesten an Marquez dran war. "Es sieht so aus, als wäre Marc momentan der Stärkste hier, aber das ist normal. Schließlich hat er hier schon oft gewonnen. Daher überrascht es mich nicht, dass er schnell ist", kommentiert er unaufgeregt und weiß: "Ich kann mir seine Daten ansehen und viel Lernen."

Jorge Martin analysiert: Marc Marquez noch stärker am Limit
Bei Ducati werden bekanntlich sämtliche Daten aller Fahrer untereinander ausgetauscht und stehen jedem Piloten zur Einsicht zur Verfügung. Martin genehmigte sich am Freitagnachmittag bereits einen Blick und erkannte dabei: "Marc lehnt das Bike schon sehr stark. Ich glaube, dass er da bereits mehr Risiken eingeht als die restlichen Ducati-Fahrer. Speziell in den Kurven acht und neun hat er viel Selbstvertrauen, dort verliere ich allein vier Zehntel auf ihn. Ich weiß also, dass ich mich dort noch deutlich verbessern kann und bin mir auch sicher, dass ich das schaffen werde." Der Pramac-Pilot rechnet am Samstag also mit einem Comeback, welches auch Bastianini für möglich hält. Der letzte Aragon-Sieger gibt an: "Was uns fehlt, kann wiederhergestellt werden. Ich mache noch zu viele Fehler, aber ich bin mir sicher, dass wir morgen zur Stelle sein werden."
Was glaubt ihr: Schlagen die Werks-Ducatisti am Samstag in Aragon tatsächlich zurück oder verteidigt Marc Marquez seinen Vorsprung? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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