Fabio Quartararo startete mit einem klaren Ziel in die MotoGP-Saison 2022: Die Titelverteidigung. Dass diese Mission schwerer werden würde als gedacht, zeigte sich aber bereits bei Testfahrten im Winter. Im fünften Saisonrennen gelang dem Franzosen nun endlich der erste Sieg, mit dem er zugleich auch die Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft übernehmen konnte.

Quartararo emotional: Bislang ein hartes Jahr für mich

"Das war ein spezieller, emotionaler Sieg heute", berichtet Quartararo am Sonntag auf der offiziellen MotoGP-Pressekonferenz. "Mein letzter Triumph lag ja schon einige Zeit zurück, das war in Silverstone [2021, Anm.]. Außerdem war dieses Jahr bislang sehr hart für mich. Wenn du die Weltmeisterschaft gewonnen hast, willst du natürlich wieder um sie kämpfen."

Davon war der Franzose bislang ein gutes Stück entfernt, beim Saisonauftakt in Katar wurde er nur Neunter. Auch in Argentinien reichte es lediglich zu Platz acht, in Austin wurde er zuletzt Siebter. Einzig in Indonesien gelang Quartararo mit P2 eine Podestplatzierung - allerdings in einem verrückten Regen-GP, der kaum ein Abbild des tatsächlichen Kräfteverhältnisses widerspiegelte.

"Es was hart, Platz sieben in Austin zu akzeptieren. Es ist nicht leicht zu sehen, dass dein Team dir für einen siebten Platz applaudiert", lässt der Yamaha-Pilot tief blicken. "Ein Sieg fühlt sich da viel besser an."

Quartararo bejubelt seinen Triumph in Portugal -
Quartararo bejubelt seinen Triumph in Portugal -Foto: LAT Images

Quartararo erneuert Yamaha-Kritik: Zu wenig Topspeed

Mit Kritik an seinem Arbeitgeber hatte sich Quartararo zuletzt nicht zurückgehalten, immer wieder ärgerte er sich über fehlenden Fortschritt in der Entwicklung der Yamaha M1. Wieso lief es in Portimao nun so viel besser? "Ich habe nie gesagt, dass unser Bike nicht funktioniert", revidiert der Franzose. "Wenn es nicht funktionieren würde, könnten wir nicht um solche Positionen kämpfen."

"Uns fehlt es einfach an Topspeed", erklärt er. Dass Quartararo auf dem Algarve International Circuit am Sonntag trotzdem Kreise um die Konkurrenz fahren konnte, habe lediglich daran gelegen, dass der Powernachteil der M1 in Portimao nicht so stark zum Tragen gekommen sei, wie zuletzt auf anderen Strecken. Die Geraden sind dort deutlich kürzer, außerdem "haben wir es geschafft, ein Setup zu finden, durch das ich fast ohne Wheelie aus der letzten Kurve heraus beschleunigen konnte. Das war entscheidend für mich", lässt Quartararo wissen.

Der Franzose geht also nicht davon aus, dass Yamaha nun wieder häufiger aus eigener Kraft um Rennsiege kämpfen kann. "Grundsätzlich hat sich nichts geändert", bestätigt er und erneuert seine Kritik am japanischen Hersteller: "Wir brauchen nicht mehr Grip. Ich hätte Joan [Mir] nicht überholen können, wenn ich keinen Grip hätte. Es fehlt uns an Topspeed!"

Quartararos Vertrag mit Yamaha läuft bekanntlich mit Saisonende aus. Die Japaner würden gerne mit ihrem Star-Fahrer verlängern, der weiterte sich bislang jedoch, ein neues Arbeitspapier zu unterzeichnen. Der Franzose will erst Fortschritte sehen, offen flirtet er mit einem Abgang. Helfen da Ergebnisse wie in Portugal bei der Entscheidungsfindung? "Nein", antwortet Quartararo kurz und knapp. Die Zukunft Quartararos ist also weiter offen.