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MotoGP 2022: Die Wünsche der Fahrer an ihre Hersteller

Die MotoGP-Saison 2021 liegt hinter uns, der Fokus wandert auf 2022. Die MotoGP-Fahrer richten ihre Wünsche an die sechs Werke.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Ducati vor Yamaha, Suzuki, Honda, KTM und Aprilia - das ist der Endstand der MotoGP-Konstrukteursweltmeisterschaft 2021. Luft nach oben gibt es aber für alle sechs Hersteller noch und so äußern die Fahrer der Königsklasse ihre Anliegen für das nächste Jahr.

Ducati: Mehr Kurvenspeed

Die Ducati Desmosedici war 2021 wohl das kompletteste Motorrad im MotoGP-Grid. Mit Francesco Bagnaia, Jack Miller und Jorge Martin konnten drei Fahrer mit ihr Rennen gewinnen, Johann Zarco und Enea Bastianini schafften es zusätzlich auf das Podium. Ducati holte sich somit zum zweiten Mal in Folge die Herstellerkrone. In der Fahrer-WM musste man sich aber zum vierten Mal in fünf Jahren mit der Rolle des Vizeweltmeisters abgeben.

Für die Ducati-Piloten ist klar: Weitere Fortschritte müssen her. "Wir brauchen mehr Kurvengeschwindigkeit. Sonst nichts", wiederholt Bagnaia eine alte Forderung der Desmosedici-Piloten. Das Turning der Ducati hat sich über die letzten Jahre massiv verbessert, zählt aber noch nicht zu den besten der Klasse. Ein erster Vorgeschmack auf den 2022er-Prototyp beim Misano-Test fiel aber positiv aus: "Wir haben dort andere Lösungen getestet und ich war mit den Fortschritten durchaus zufrieden. Ducati hat gute Arbeit geleistet."

Yamaha: Mehr Topspeed

Erstmals seit 2015 stellt Yamaha wieder den Fahrer-Weltmeister der MotoGP. Fabio Quartararo fuhr eine überragende Saison und sicherte sich zwei Rennen vor Schluss bereits den WM-Titel. Dahinter sieht es aber düster aus: Die restlichen Sieben Yamaha-Fahrer 2021 - Maverick Vinales, Franco Morbidelli, Valentino Rossi, Andrea Dovizioso, Cal Crutchlow, Jake Dixon und Garrett Gerloff - kamen zusammen gerade einmal auf drei Podien.

Quartararo war 2021 Yamahas Erfolgsgarant - Foto: LAT Images

Gelitten haben die Yamaha-Piloten dabei vor allem an der nach wie vor schwachen Höchstgeschwindigkeit ihrer M1. Auch Quartararo bildete dabei keine Ausnahme: "Ich fühle mich auf dem Motorrad sehr wohl. Das Chassis ist super und in diesem Bereich haben wir nur noch wenig Luft nach oben. Wir brauchen aber mehr Topspeed. Nur so können wir in gewissen Rennen ordentlich überholen und um den Sieg kämpfen."

Suzuki: Bessere Beschleunigung

Die Mission Titelverteidigung ging für Suzuki in die Hose. Nach Fahrer- und Team-Krone 2020 sowie je einem Rennsieg für Joan Mir und Alex Rins blieb man in der abgelaufenen Saison völlig sieglos und musste sich somit in jeder der drei WM-Wertungen mit P3 begnügen.

Suzuki zahlte dabei den Preis für eine verschlafene Entwicklung im technischen Bereich. Die Holeshot-Devices für bessere Starts und in weiterer Folge die Ride-Height-Devices für bessere Beschleunigung auch während des Rennens wurden 2021 zu einer entscheidenden Waffe. Suzuki brachte die Vorrichtung zum Absenken des Hecks erst im August in Spielberg erstmals ans Motorrad, ausgereift war das System bis Saisonende nicht. "Dadurch haben wir bei der Beschleunigung viel verloren", weiß Mir. "Wir hatten nur die ersten zwei Prototypen im Einsatz. 2022 brauchen wir etwas Besseres. Die Wintertests werden für uns besonders wichtig."

2021 ohne Sieg: Suzuki und Joan Mir - Foto: LAT Images

Honda: Bessere Traktion

Im HRC-Lager geht es wieder bergauf. Nach einer sieglosen Saison 2020 und einem ebenso schlechten Start 2021 stellten sich zuletzt wieder Erfolgserlebnisse ein. Marc Marquez konnte schlussendlich drei Rennen gewinnen, Pol Espargaro fuhr in Misano erstmals auf das Podium und Alex Marquez verpasste die Top-Drei in Portimao nur knapp.

Von einem perfekt ausbalancierten Bike ist die Honda RC213V aber immer noch weit entfernt. Es fehlt völlig an Grip am Hinterrad. "Wir brauchen noch mehr Traktion", fordert Espargaro. "Uns sind hier im Laufe des Jahres zwar Fortschritte gelungen, wir können aktuell mit dem Motorrad aber immer noch nicht so beschleunigen und abbremsen, wie ich es gewohnt war."

KTM: Überall ein bisschen

Für die Österreicher wurde 2021 zur Achterbahnfahrt. Nach dem bärenstarken Finish im Vorjahr war man mit breiter Brust in die neue Saison gegangen, doch in den ersten fünf Rennen gelang keine einzige Podiumsplatzierung. Es folgte eine Leistungsexplosion in Mugello und Siege in Barcelona sowie Spielberg. Dann stürzte KTM aber wieder ins sportliche Niemandsland der MotoGP ab. Mehr als Rang fünf in der Herstellerwertung war so nicht möglich.

KTM rutschte nach einem starken Jahr 2020 wieder ab - Foto: LAT Images

"Wir müssen eigentlich in allen Bereichen arbeiten", spricht Oliveira Klartext. "Das ist natürlich nicht einfach, aber wir müssen die Situation bestmöglich handhaben. Unser Motorrad hat zweifelsohne seine Stärken. Unser Speed ist beispielsweise alles andere als schlecht. Es gibt aber auch Schwächen, vor allem im Bereich des Turnings. Wir brauchen mehr Grip am Hinterrad."

Aprilia: Mehr Grip

Auch im siebten Jahr nach der Rückkehr in die MotoGP landet Aprilia auf dem letzten Rang der Herstellerwertung. Zwar gelang vor allem in Person von Aleix Espargaro eine ordentliche Steigerung, die mit dem ersten Podium in Silverstone gekrönt wurde. Insgesamt bildete Aprilia aber trotz des exklusiven Privilegs der Concessions einmal mehr das klare Schlusslicht der MotoGP.

Bedenklich: Das Momentum aus der frühen Phase der Saison 2021 scheint verlorengegangen. "Wir wissen aktuell nicht was passiert und wieso wir so große Probleme haben", haderte Espargaro zuletzt. Er weiß nur eines: "Wir haben keinen Grip und deshalb fehlt es uns völlig an Turning. Das gilt für mich und auch Maverick. Wir haben leider noch keinen Plan, wie wir das lösen können."


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