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MotoGP

Casey Stoner kritisiert MotoGP-Bikes: Nicht gefährlich genug

Viertakt-Motoren, Elektronik, Aerodynamik - für Casey Stoner ist der Fahrer im komplexen Konstrukt MotoGP zu unwichtig geworden. Seine Analyse.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Casey Stoner übte im Rahmen des Rennwochenendes in Misano harsche Kritik an der MotoGP. Die aktuellen Motorräder seien zu einfach zu kontrollieren, während auch die Dorna und ihre Vermarktungsstrategie ihr Fett weg bekam.

Stoner sprach im Vorfeld des MotoGP-Rennens im Zuge einer Pressekonferenz von Helmhersteller Nolan via Videozuschaltung aus Australien zu den Journalisten. Dabei äußerte er sich wie folgt: "Ich habe die Zweitakt-Motoren geliebt. Für mich sind das die einzig wahren Motoren für den Rennsport: Schwierig und unvorhersehbar. Schon als ich aus der 250er-WM in die MotoGP-Klasse wechselte, fand ich die Viertakt-Motoren einfacher zu fahren."

Als Stoner 2006 in die Königsklasse der Motorrad-WM aufstieg, waren die 500cc-Zweitakt-Monster bereits seit vier Jahren Geschichte. Der Australier hatte somit nie die Chance, diese legendären Maschinen im Renntempo zu bewegen. Dennoch ist er sich sicher, dass der Fahrer damals deutlich mehr den Ausschlag über Sieg und Niederlage geben konnte als heutzutage.

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Zu einfach

"Es gibt heute so viel Elektronik, die viel von deinen eigenen Kontrollmöglichkeiten als Fahrer weggenommen hat. Und dann ist da auch noch die Aerodynamik und die immer höhere Komplexität dieser Motorräder", kritisierte Stoner, der hinzufügte: "Motorräder müssen gefährlich sein - und schwierig zu fahren."

Damit trifft Stoner auch einen Punkt, der zuletzt von einigen seiner Kollegen in der Debatte um tödlich verunglückte Nachwuchsfahrer aufkam. Demnach seien auch die Viertakt-Motorräder der Moto3 und noch kleinerer Klassen viel zu einfach zu kontrollieren. Das wiederum führe dazu, dass sich gute Fahrer in den Rennen nicht absetzen können und somit riesige Starterfelder über die Renndistanz zu eng beieinander bleiben würden.

Bei jedem Sturz in einer derart großen Gruppe besteht die Gefahr, von einem Hintermann überrollt und dabei tödlich verletzt zu werden. 2021 war dies bereits dreimal der Fall. Viele Fahrer fordern somit technische Änderungen in Klassen wie der Moto3 oder Supersport-300, um die engen Abstände wieder größer zu machen und dem Fahrer wieder mehr Kontrolle über das Motorrad zu geben.

Künstlich knappe Abstände

MotoGP-Vermarkter Dorna hingegen rühmt sich immer wieder mit den engen Abständen und dadurch resultierenden spannenden Zieleinläufen - auch in der MotoGP, die laut Stoner "vom Weg abgekommen sei". So führte er aus: "Die Zeiten in den Trainings werden immer enger und gleichzeitig wird versucht das Testen immer weiter einzuschränken, während alle anderen Kosten explodieren."

All diese Entwicklungen seien ihm bereits während seiner Karriere aufgefallen und hätten sich im Laufe der Jahre so weit verschlimmert, dass er sich schließlich am Ende der Saison 2012 im Alter von nur 27 Jahren zum Rücktritt durchgerungen hat. "Es hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht", so Stoner.


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