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Valentino Rossis MotoGP-Team: Wie geht es nun weiter?

Das VR46-Team hat seinen MotoGP-Fixplatz. Welche Motorräder wird man fahren? Welche Piloten werden verpflichtet? Fährt Rossi selbst? Die wichtigsten Fragen.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP erhält 2022 ein neues Team: Valentino Rossi bringt unter dem Namen "Aramco Racing Team VR46" seinen eigenen Rennstall in der Königsklasse an den Start. Finanziert wird das Projekt aus Saudi-Arabien, darüber hinaus sind aber noch viele Einzelheiten ungeklärt. Motorsport-Magazin.com mit den Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Rossis MotoGP-Team:

Mit welchen Motorrädern fährt das Team?

Das ist noch unklar. Valentino Rossi bestätigte am Donnerstag in einem Videocall aus dem Paddock von Jerez, dass man in Verhandlungen mit vier Herstellern stehe: Aprilia, Ducati, Suzuki und Yamaha. Aprilia und Suzuki sind aktuell noch auf der Suche nach einem Kundenteam für 2022, während Ducati durch das vermutliche Aus des Avintia-Rennstalls freie Kapazitäten hätte. Schwieriger ist die Situation bei Yamaha: Der japanische Konzern hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel Geld in Aushängeschild Rossi investiert, müsste für eine weitere Kooperation aber auf eine Vertragsverlängerung der erfolgreichen Partnerschaft mit dem Petronas-Team verzichten. Dass Yamaha 2022 sechs Motorräder stellt, gilt als ausgeschlossen. Alberto Tebaldi, Rossis Statthalter bei VR46 Racing Apparels, betonte in einem Interview mit der italienischen RAI, dass der versprochene Support durch den Hersteller das entscheidende Kriterium sei. Im Klartext: Nur wer Rossis Team volle Werksunterstützung anbieten kann, hat eine Chance.

Dubioser Sponsor für Valentino Rossis MotoGP-Team 2022: (08:47 Min.)

Ist der VR46-Deal das Ende für das Avintia-Team?

Vermutlich ja. Zwar hat es noch niemand offiziell ausgesprochen, doch die Tage des spanischen Nachzügler-Rennstalls sind wohl gezählt. Die MotoGP hat sich vor einigen Jahren eine Obergrenze von 24 Fahrern auferlegt, die für 2022 bereits erreicht ist. Alle sechs Hersteller werden mit einem eigenen Werksteam an den Start gehen, während Tech3, LCR, Gresini, Petronas, Pramac und das neue Rossi-Team die Startaufstellung komplettieren. Für den Avintia-Rennstall ist somit kein Platz mehr, wobei die Truppe in den kleinen Klassen weiterfahren könnte. In der Moto3 ist man bereits mit zwei Bikes am Start, die Dorna könnte im Gegenzug für den MotoGP-Rückzug auch Plätze in der Moto2 garantieren. Derartige Rochaden wurden von den Offiziellen in den vergangenen Jahren öfter angeboten.

Wird Rossis Rennstall ein reines Academy-Team?

Nicht zwangsläufig. Wie Tebaldi erklärte, will man sich als klassisches Kundenteam platzieren, in dem etwa auch der jeweilige Partner-Hersteller einen seiner Fahrer parken kann, wie das in der MotoGP längst Usus ist. Dass Fahrer wie Luca Marini oder Moto2-Hoffnung Marco Bezzecchi als Academy-Rider beste Chancen auf ein Engagement im VR46-Team haben, ist klar.

Wird Rossi in seinem eigenen Team fahren?

Dazu sagte Valentino Rossi am Donnerstag: "Ich habe immer noch vor, meine Entscheidung (Fortführung der Karriere; Anm.) aufgrund meiner sportlichen Resultate zu treffen. Andererseits gibt es nun natürlich einen Extraplatz, den ich mir schnappen kann, wenn ich weiterfahren will. Als Boss kann ich eines unserer Motorräder für mich selbst behalten." Das eigene Team könnte tatsächlich zu Rossis letztem Rettungsanker für eine 27. Saison in der Motorrad-WM werden. Ein möglicher Verbleib auf einem Yamaha-Vertrag ist an eine Leistungsklausel gekoppelt, die Rossi angesichts seiner Ausbeute von vier Punkten aus drei Rennen wohl nicht erfüllt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Hauptsponsor seines aktuellen Teams (Petronas) in direkter Konkurrenz zum Sponsor des VR46-Rennstalls (Aramco) steht. Beide Konzerne würden wohl nicht viel Freude haben, wenn Rossi einerseits als Fahrer Petronas repräsentiert, auf eigenen Team-Events aber in Aramco-Kleidung auftritt.

Wie ist es um die Zukunft von Enea Bastianini bestellt?

Der Italiener ist auf den ersten Blick einer der großen Verlierer des VR46-Deals. Denn anders als sein Avintia-Teamkollege Luca Marini gehört Bastianini nicht der Academy an. Allerdings hat er seinen Vertrag direkt bei Ducati, womit der italienische Hersteller ihn 2022 entweder zu Pramac oder gar ins Werksteam befördern könnte, oder ihn bei einem neuen Kunden parken könnte. Bastianini gestand am Donnerstag: "Die Situation ist für mich schwierig. Ich habe aber gehört, dass Ducati einen Deal mit VR46 oder Gresini finalisieren könnte. Ich sehe meine Zukunft auf jeden Fall mit Ducati, kann aber nicht abschätzen, in welchem Team." Sollten sich VR46 und Ducati für 2022 einigen, könnte es sogar zu dem kuriosen Fall kommen, dass das neue Team mit der Fahrerpaarung des Avintia-Rennstalls weitermacht.

Wie geht es mit Rossis Moto2-Team weiter?

Das Engagement in der mittleren Klasse bleibt bestehen und wird künftig mit den saudi-arabischen Geldgebern weitergeführt. Das wurde bereits am Mittwoch in der Presseaussendung geklärt. Rossi sieht das Moto2-Team als wichtige Brücke zwischen den Nachwuchsklassen, in denen mit diversen Teams kooperiert wird, und seinem neuen MotoGP-Team. Obwohl es mit Francesco Bagnaia, Franco Morbidelli und Luca Marini mittlerweile drei Academy-Rider in die Königsklasse geschafft haben, ist der Strom der Talente aus Rossis Rennschule ungebrochen. Marco Bezzecchi gilt bereits als Kronprinz, der 19-jährige Celestino Vietti bestreitet 2021 in der Moto2 erst seine Rookie-Saison. In der italienischen Meisterschaft wird bereits die nächste Generation an die WM herangeführt: Unter der Leitung von Pecco Bagnaias Vater Pietro.

Wird Rossi selbst an den Kommandostand wechseln?

Im neuen Team will Valentino Rossi nicht nur als prominenter Namensgeber fungieren, sondern nach dem Ende seiner eigenen Karriere auch selbst mitarbeiten. "Dieses Team ist ein schöner Weg, diesem Sport erhalten zu bleiben, wenn ich eines Tages nicht mehr selbst fahre", stellte er am Donnerstag klar. Schon jetzt sieht er sich jeden Start der kleinen Klassen direkt an der Boxenmauer an und unterbricht Interviewtermine, wenn in einem nahegelegenen Fernseher wichtige Live-Szenen oder Zeitlupen aus Nachwuchsrennen zu sehen sind. Diese Passion wird er auch als Teamchef ausleben. "Wir sind alle süchtig nach Motorsport", so Rossi.


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