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MotoGP-Analyse: Soloflucht als einzige Chance für Yamaha?

Franco Morbidelli holte in Aragon seinen 2. MotoGP-Saisonsieg. Im Finale des Titelduells haben die drei Yamaha-Asse wohl nur eine Option in den Rennen.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP biegt in ihr Finale ein. Mit dem Teruel-GP im Motorland Aragon wurde der vorletzte Tripleheader des Jahres beendet. Franco Morbidelli holte seinen zweiten Saisonsieg und wies diesmal die Suzuki-Asse Joan Mir und Alex Rins in die Schranken. Der Kampf um den WM-Titel wurde somit endgültig zu einem Duell zwischen Suzuki und Yamaha. Das MotoGP-Rennen in Aragon in der Analyse.

MotoGP-Analyse Aragon: Titel-Duell nun klar - Suzuki vs Yamaha: (36:12 Min.)

Schnellster Mann kommt nur fünf Kurven weit

Als dominanter Mann des Wochenendes ging Taka Nakagami als Favorit in das Rennen. Der Japaner hatte am Freitag Tagesbestzeit erzielt, hatte alle vier Trainings in den Top-2 abgeschlossen und im Anschluss Pole Position sowie Bestzeit im Warm-Up geholt.

Taka Nakagami in Aragon:

Session Pos. Zeit
FP1 2. 1:48,622
FP2 1. 1:47,782
FP3 2. 1:47,392
FP4 2. 1:48,085
Q2 1. 1:46,882
WUP 1. 1:48,565

Im Rennen behauptete er seine Top-Position am Start, stürzte aber wenig später ohne Feindeinwirkung. "Vor dem Rennen habe ich zum ersten Mal diesen unglaublichen Druck von außen gespürt und konnte damit nicht umgehen", gestand Nakagami nach dem Unfall. "Ich war nervös und hatte meine Emotionen nicht im Griff. Deshalb ist mir dieser dumme Fehler passiert." Durch seinen Sturz war der Weg frei für die Konkurrenz.

Bedingungen und Reifenwahl

Die Wetterdaten waren in beiden Aragon-Rennen ähnlich. Im zweiten Lauf war es um ein Grad Celsius kälter (20 statt 21), der Asphalt hatte statt 31 Grad diesmal nur 27 Grad. Aufgrund ihrer Erfahrungen aus dem ersten Rennen setzten viele MotoGP-Piloten auf neue Reifenkombinationen.

Reifenwahl im Teruel-GP

Vorne - Hinten Fahrer (Platzierung)
Soft - Soft Rins (2.), Vinales (7.), Bagnaia (out)
Medium - Soft Mir (3.), P. Espargaro (4.), Zarco (5.), Oliveira (6.), Lecuona (9.), Petrucci (10.), Crutchlow (11.), Bradl (12.), Dovizioso (13.), Smith (15.), A. Espargaro (out), Nakagami (out), Binder (out)
Medium - Medium Morbidelli (1.), Quartararo (8.), Rabat (14.), Miller (out)
Hard - Soft A. Marquez (out)

So wechselte Sieger Morbidelli, wie auch Teamkollege Quartararo von Medium-Soft auf Medium-Medium. Dovizioso, Petrucci und Crutchlow gingen genau den umgekehrten Weg. Joan Mir tauschte seinen weichen Vorderreifen gegen einen Medium - ebenso wie Pol Espargaro. Aus den Top-10 behielt nur die Hälfte die Kombination aus der Vorwoche bei: Rins, Zarco, Oliveira, Vinales und Lecuona.

Die beiden Aragon-Rennen im Vergleich

15 Fahrer kamen in beiden MotoGP-Events in Aragon ins Ziel. Zwölf davon konnten ihre Rennzeit im Vergleich zum ersten Lauf steigern: Einzig Cal Crutchlow, Maverick Vinales und Andrea Dovizioso waren im zweiten Rennen langsamer als im ersten.

Fahrer Differenz Aragon 1 & 2
Quartararo -13,517 Sek.
Oliveira -12,070 Sek.
Morbidelli -11,495 Sek.
P. Espargaro -10,129 Sek.
Bradk -6,284 Sek.
Rabat -5,801 Sek.
Lecuona -4,853 Sek.
Rins -4,534 Sek.
Mir -4,008 Sek.
Zarco -3,441 Sel.
Petrucci -3,160 Sek.
Smith -0,223 Sek.
Crutchlow +4,056 Sek.
Vinales +4,643 Sek.
Dovizioso +6,844 Sek.

Den größten Zugewinn lieferte Fabio Quartararo ab, dessen erstes Rennen aufgrund seiner Reifendruck-Probleme allerdings desaströs verlief. Am Sonntag steigerte sich der Franzose um satte 13,517 Sekunden. Sieger Morbidelli legte um 11,495 Sekunden zu, zudem verbuchten die KTM-Fahrer Miguel Oliveira (12,070 Sek.) und Pol Espargaro (10,129 Sek.) Zugewinne im zweistelligen Bereich. Stefan Bradl verbesserte sich um 6,284 Sekunden, während die beiden Suzuki-Asse von ihrem ohnehin hohen Niveau um 4,534 (Rins) bzw. 4,008 Sekunden (Mir) zulegen konnten.

Morbidellis Pace

An Franco Morbidellis Sieg gab es am Sonntag nichts zu rütteln. Der Italiener führte das Rennen ab der 1. Runde an, war in 15 der 23 Umläufe der schnellste Pilot im Feld und blieb in 16 Runden unter der Marke von 1:49,0 Minuten. Ebenso drehte Morbidelli in 1:48,089 Minuten die schnellste Runde des gesamten Rennens.

Schnellste Zeit in jeder der 23 Runden:

Fahrer Anzahl Schnellste Runde in
Franco Morbidelli 15 Lap 1-2, 4-6, 9-11, 13-14, 16-18, 20-21
Alex Rins 4 Lap 3, 7, 12, 15
Pol Espargaro 2 Lap 22-23
Alex Marquez 1 Lap 8
Miguel Oliveira 1 Lap 19

Rins konnte sich immerhin bis zur 15. Runde in Schlagdistanz zu Morbidelli halten. Im 16. Umlauf stieg sein Rückstand aber auf einen Rekordwert von 0,636 Sekunden und vergrößerte sich in den letzten sieben Runden um eineinhalb Sekunden. Der Rest des Feldes lag ab der 7. Runde mehr als zwei Sekunden hinter Morbidelli und hatte dadurch keine Chance mehr auf den Sieg.

Parallelen zu anderen Yamaha-Siegen sind damit sofort ersichtlich: Bereits seinen ersten Saisonsieg in Misano holte Morbidelli als Start/Ziel-Sieg, Quartararo gewann das zweite Jerez-Rennen ebenfalls auf diese Art und Vinales lag bei seinem Erfolg im zweiten Misano-Rennen im gesamten Rennen nur hinter Francesco Bagnaia, der später ausfiel. Die Yamaha läuft somit am besten, wenn sie an der Spitze im Sololauf diktieren kann.

Fazit: Yamaha muss führen

Ein Blick auf den WM-Stand zeigt, dass das MotoGP-Titelduell nur noch zwischen Suzuki und Yamaha ausgefochten wird. Suzuki stellt mit WM-Leader Joan Mir den Favoriten und hat mit Alex Rins noch eine Außenseiter-Option. Rins liegt zwar 32 Punkte hinter seinem Teamkollegen, hatte aber in jedem der vier letzten Rennen die nötige Pace für das Podest. In Aragon landete er zudem in beiden Rennen vor Mir.

Yamaha hat mit Quartararo (-14 Pkt.), Vinales (-19) und Morbidelli (-25) drei Fahrer in unmittelbarer Schlagdistanz zu Mir. Ein Blick auf die bisherigen Verläufe der Yamaha-Siege zeigt, dass die größte Stärke der M1 die Flucht nach vorne ist. Im Gegensatz zu Mir und Rins, die auch von hinten aufholen können, geht es für Yamaha im Rennverlauf im Klassement meist nur in eine Richtung: zurück. So am Sonntag auch für Vinales (von Runde 1 bis 23 von P4 auf P7) und Quartararo (von Runde 1 bis 23 von P6 auf P8).

Fragen nach etwaiger Stallorder oder Hilfestellungen für Markenkollegen erübrigen sich angesichts der Tatsache, dass alle drei Yamaha-Fahrer innerhalb von nur elf Punkten liegen.


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