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MotoGP Spielberg: Ist der Red Bull Ring zu gefährlich?

Schwere Unfälle sorgten am Sonntag für Entsetzen bei den MotoGP-Fans. Viele fragen sich: Ist Spielberg zu gefährlich? Das sagen die Fahrer dazu.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Am Sonntag gab es in Spielberg in zwei der drei Rennen schwere Unfälle, die zu Roten Flaggen führten. Sowohl die Moto2 als auch die MotoGP musste nach Horror-Crashes abgebrochen werden. Viele Fans stellen sich daher die Frage: Ist der Red Bull Ring nicht mehr sicher genug für die aktuelle MotoGP?

MotoGP-Analyse: Das Horror-Wochenende in Spielberg: (36:04 Min.)

Mit einem Schnitt von über 180 km/h ist Spielberg die schnellste Rennstrecke im Kalender, zudem zählen die Bremsmanöver der ersten, dritten und vierten Kurve zu den härtesten der gesamten Saison. Aber wie sehen die Fahrer die Sicherheit in Spielberg? Die wichtigsten Antworten auf die brennenden Fragen im Q+A:

Wo und wie sind die Unfälle am Sonntag passiert?

Der erste schwere Unfall ereignete sich in der 4. Runde des Moto2-Rennens. WM-Leader Enea Bastianini ging beim Beschleunigen aus der scharfen ersten Kurve zu früh ans Gas und wurde per Highsider abgeworfen. Dabei blieb nicht nur er, sondern auch sein Motorrad auf Höhe der Boxenausfahrt unweit der Ideallinie liegen.

Da Bastianini zu diesem Zeitpunkt im Vorderfeld lag, rauschten weit über 20 Piloten an der Unfallstelle vorbei. Der Großteil konnte ausweichen, doch Hafizh Syahrin knallte mitten in das havarierte Bike, dabei zerbarst sein eigenes Motorrad und er wurde heftig aus dem Sattel katapultiert. In dem umherliegenden Trümmerhaufen kamen Edgar Pons und Andi Izdihar ebenfalls zu Sturz.

In der MotoGP hingegen kam es in einem Duell zwischen Franco Morbidelli und Johann Zarco zu einer Kollision vor der Bergauf-Spitzkehre Turn 3. Der Franzose wählte dabei eine unkonventionelle Linie und dürfte etwas früher als sonst gebremst haben, sodass der Italiener ihm ins Heck knallte und beide Piloten samt ihrer Motorräder unkontrolliert über die Strecke schlitterten.

Vor allem die Bikes sorgten dabei für eine zweite Schrecksekunde, als sie mit hoher Geschwindigkeit nur knapp an Valentino Rossi und Maverick Vinales vorbei geschleudert wurden, die mitten in der Kurve gar nicht mit den Geschossen rechnen konnten. Ein Zwischenfall, der fatal enden hätte können.

Gab es Verletzte?

Alle beteiligten Piloten hatten Glück. Zarco kam mit dem Schrecken davon, Morbidelli musste zwar kurzzeitig auf eine Trage und ins Medical Center, dort konnten allerdings keine ernsthaften Verletzungen festgestellt werden. In der Moto2 kamen drei der vier in den Unfall verwickelten Piloten ohne Blessuren davon. Um Hafizh Syahrin musste man sich zunächst Sorgen machen, doch Stunden nach dem Unfall kam auch hier eine Entwarnung: Bis auf üble Hüftprellungen kam auch der Malaysier gut aus dem Crash.

Halten die Fahrer den Red Bull Ring für gefährlich?

Für Valentino Rossi ist Spielberg keine ungefährliche Strecke, doch nicht Schuld an den Unfällen vom Sonntag: "Der Red Bull Ring ist in einigen Plätzen schon ein wenig gefährlich, besonders wenn man von 300 auf 50 bremsen muss und in der Haarnadel in die komplett andere Richtung fährt. Gefährlicher ist aber der mangelnde Respekt mancher Fahrer füreinander." Pol Espargaro schlug in dieselbe Kerbe: "Niemand ist heute alleine zu Boden gegangen, es gab immer einen Kontakt zwischen zwei Fahrern. Das war der Grund für die Unfälle."

Johann Zarco, Unfallversursacher des MotoGP-Crashes, hält Spielberg nicht für gefährlich: "Der Sturz ereignete sich an einer Stelle, wo das nicht passieren sollte. Ich denke aber nicht, dass die Strecke unsicher ist, denn immerhin ist heute ja niemand verletzt worden." Joan Mir pflichtete ihm bei: "Man hat heute gesehen, dass es gefährliche Punkte gibt, aber es gibt viele Strecken, auf denen du ähnlich bremsen musst." Jack Miller gab sich cool: "Alle Strecken haben irgendwo gefährliche Elemente. Und beim Überholen musst du immer wieder das Risiko gegen die Erfolgsaussichten abwägen."

Fordern die Fahrer Veränderungen?

Ja, aber nicht an den Stellen, an denen am Sonntag die Unfälle stattfanden. Eine Änderung in Turn 3 steht zwar schon lange auf dem Wunschzettel der MotoGP-Asse, doch geht es dabei etwa nicht um eine neue Streckenführung, sondern um das Versetzen der Mauer auf der Außenseite. Diese wurde zwar bereits adaptiert, doch viele Fahrer sehen die Auslaufzone an dieser Stelle immer noch als zu gering an.

"Wenn du dort die Front blockierst und nach links abfliegst, landest du in der Mauer. Sie haben sie zwar schon einmal versetzt, aber die muss noch weiter nach hinten", sagte Jack Miller. Eine weitere Sorge der Fahrer sind die Streckenverhältnisse bei Regen. Da eine Runde in Spielberg einer Berg-und-Talfahrt gleicht, gibt es bei schlechtem Wetter vor allem in den Bremszonen zu den Kurven 1 und 3 regelrechte Bäche, die den Fahrern entgegen kommen und potenziell gefährlich sind.


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