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MotoGP

MotoGP: Die fünf größten Duelle

Unser Rückblick auf die Highlights unserer Printausgabe 2019. Heute: Ob auf oder neben der Strecke. Diese fünf Rivalitäten hielten die MotoGP in Atem.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Giacomo Agostini war lange die unumstrittene Nummer eins bei MV Agusta. Von 1965 bis 1972 holte er für die italienische Marke zwölf Weltmeistertitel und 102 Grand-Prix-Siege. Dennoch sah Graf Giovanni Agusta 1973 Grund, einen neuen Piloten an die Seite von Agostini zu stellen. Phil Read wurde zweiter 500ccm-Werksfahrer und machte seinem Teamkollegen von Anfang an die Hölle heiß. Nicht nur, dass Read extrem schnell auf dem Motorrad war, er provozierte Agostini auch mit Psychospielchen. Der Brite zeigte seinem Stallgefährten etwa ein Bündel Geld, welches er angeblich als Bonus von Graf Agusta erhalten hätte. Agostini war stinksauer, doch wie sich später herausstellte, gab es diese Zusatzzahlung nie. Nur ganz oben und ganz unten in diesem Stapel lag je ein Geldschein - der Rest war einfaches Papier. Reads Streiche in Verbindung mit seinem hervorragenden Speed entschieden das Duell schlussendlich zu seinen Gunsten. Er gewann mit MV Agusta auf Anhieb den WM-Titel. Agostini räumte das Feld und zog zu Yamaha weiter. 1974 musste er sich Read erneut geschlagen geben, im Folgejahr schlug 'Ago' mit seinem achten und letzten WM-Titel aber zurück.

4 Roberts vs. Sheene

Barry Sheene war der erste Superstar auf zwei Rädern und wurde über die Grenzen des Motorradsports hinaus bekannt. Sheene feierte wild, war mit den Beatles befreundet und seine Beziehung zu Model Stephanie McLean brachte ihn auf die Titelseiten der britischen Klatschpresse. 'Bazza' war aber mehr als nur ein Partylöwe. Er war der dominante Fahrer der Jahre 1976 und 1977. In beiden Saisons holte er die Titel in souveräner Manier. Es sah so aus, als könnte nichts und niemand Sheene stoppen. Doch plötzlich betrat ein unbekannter Rookie aus den USA die WM-Bühne und stahl dem Platzhirsch sofort die Show: Kenny Roberts. Der ehemalige Dirt-Tracker brachte einen völlig neuen Fahrstil mit über den Atlantik und krönte sich damit auf Anhieb zum 500ccm-Champion. Es war der Beginn eines erbitterten Kleinkrieges, auf und neben der Strecke. Roberts und Sheene waren beide wortgewandt und trugen ihre Feindseligkeiten über die Presse aus. Als sich 'King Kenny' etwa einmal über Probleme an seiner Yamaha beschwerte, meinte Sheene gegenüber Journalisten: "Ich dachte, das ist die WM im Motorradfahren. Nicht die WM im Ausredensuchen." Roberts hielt seinerseits mit seiner Meinung über Sheene nicht hinter dem Berg: "Ich würde nicht mal auf den Typen pissen, wenn er in Flammen stehen würde." Am Ende hatte Roberts die Lacher auf seiner Seite und verteidigte seinen Titel von 1978 in den folgenden zwei Jahren. Sheenes Herrschaft in der Königsklasse war vorbei.

3 Rainey vs. Schwantz

"Wir haben uns absolut gehasst!" Kevin Schwantz findet klare Worte, wenn er heute auf die ersten Jahre seiner Rivalität mit Wayne Rainey zurückblickt. Die beiden Amerikaner hatten sich bereits in der nationalen Superbike-Meisterschaft bekämpft, ehe sie Ende der 1980er Jahre gemeinsam den Schritt in die WM machten. Von 1990 bis 1993 überstrahlte das Duell Rainey gegen Schwantz alles in der Königsklasse. Die US-Boys waren Jahr für Jahr nur durch Nuancen getrennt - und hatten doch völlig unterschiedliche Zugänge zum Rennsport. Rainey war der taktische, vernünftige Pilot, während Schwantz stets volles Risiko ging. Ein Blick auf die Statistik verrät alles über die konträren Charaktere der beiden Rivalen: Schwantz gewann mit 25 Rennen eines mehr als Rainey, doch der Yamaha-Star stand 14 Mal häufiger auf dem Podium. Von 1990 bis 1992 sammelte Rainey so drei WM-Titel in Folge. Erst 1993 konnte Schwantz seinen Erzfeind schlagen, allerdings auf tragische Weise. In Misano stürzte Rainey schwer, brach sich den sechsten Brustwirbel und ist seither querschnittsgelähmt. Schwantz holte den so lange ersehnten WM-Titel. Auf diese Art des Triumphes gegen den von ihm einst so verachteten Rainey - mittlerweile war zwischen ihnen ein freundschaftliches Verhältnis gewachsen - hätte Schwantz aber gerne verzichtet: "Ich wäre lieber Zweiter geworden. So viel ist ein Weltmeistertitel nicht wert."

2 Rossi vs. Biaggi

Agostini gegen Read, Roberts gegen Sheene, Rainey gegen Schwantz - allesamt Duelle, die von großen persönlichen Rivalitäten geprägt waren. Doch keiner dieser Zweikämpfe eskalierte derart, wie der zwischen Valentino Rossi und Max Biaggi. Als Rossi im Jahr 2000 in die Königsklasse aufstieg, war Biaggi dort bereits eine fixe Größe. Aber schon in seiner ersten 500ccm-Saison schlug Rossi Biaggi und eroberte darüber hinaus die Herzen der italienischen Motorrad-Fans. Spitzbube Rossi kam bei den Tifosi einfach besser an als der oft kühl wirkende Biaggi. Doch der war fest entschlossen, den kometenhaften Aufstieg des Jungspundes zu brechen und bereit, dafür zu allen Mitteln zu greifen. In Suzuka 2001 drängte Biaggi Rossi bei hoher Geschwindigkeit von der Strecke, der revanchierte sich noch im Rennen mit dem gezeigten Mittelfinger. Der Startschuss zu einem Hass-Duell, das nur fünf Grands Prix später seinen unrühmlichen Höhepunkt fand: In Barcelona kam es auf dem Weg zum Podium zu einem Handgemenge, Rossi verpasste Biaggi ein Cut über dem Auge. Auch sportlich ging das Duell ganz klar an Rossi. Er gewann auf Honda und dann auch nach dem Wechsel zu Yamaha von 2001 bis 2005 insgesamt fünf Titel in Serie. Biaggi verabschiedete sich entnervt in die Superbike-WM.

1 Marquez vs. Dovizioso

Das Duell Marquez gegen Dovizioso geht 2019 in seine dritte Saison. Die Protagonisten haben WM-Entscheidungen beim Finale in Valencia und nicht weniger als sechs Showdowns in den letzten Kurven von Grands Prix hinter sich. Und doch sind Worte wie Hass oder Feindschaft in diesem Zweikampf nie gefallen. Marquez und Dovizioso stehen für eine andere Form der Auseinandersetzung. Knallhart auf der Strecke, voller Respekt und Anerkennung abseits davon. So tragen die beiden Ausnahmekönner ihre Schlachten aus. "Dovi ist ein großartiger Gegner und ein großartiger Fahrer. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und ich habe viel von ihm gelernt", streut Marquez seinem Gegner Rosen. Und der erwidert die Komplimente: "Gegen Marc zu kämpfen ist genial und so einen großen Champion dann auch zu schlagen besonders schön. Er ist unglaublich mutig und steht in einigen Bereichen eine Stufe über allen anderen Fahrern." Auch wenn Dovizioso in der letzten Kurve bislang fünf Mal die Oberhand behielt und sich gegen Marquez nur einmal geschlagen geben musste, geht das sportliche Duell doch klar an den Spanier. In bislang sechs gemeinsamen MotoGP-Jahren wurde Marquez fünf Mal Weltmeister, für Dovizioso blieb nur dreimal der Rang als Vize.

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