MotoGP

MotoGP - Wird bei der Elektronik betrogen?

Die MotoGP wollte durch die Vereinheitlichung der IMU für 2019 das letzte Elektronikschlupfloch schließen. Es gibt Zweifel, ob das gelungen ist.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Jahrelang war die Elektronik in der MotoGP ein Millionengrab. Vor allem die japanischen Giganten Honda und Yamaha erarbeiteten sich durch großen finanziellen Aufwand hier entscheidende Vorteile, die Konkurrenz hinkte weit hinterher. Um die Königsklasse ausgeglichener und somit aufregender zu machen, wurde 2016 die gesamte Elektronik vereinheitlicht.

Ein Schlupfloch wurde aber offen gelassen - die IMU. IMU ist die Abkürzung für Inertial Measurement Unit und ein Teil des Elektronikpakets der MotoGP-Maschinen. Sie misst etwa Nickbewegungen, Schräglagen oder Drehbewegungen. Diese werden dann an die ECU weitergegeben, wo sie zur Steuerung der Elektroniksysteme wie Traktionskontrolle, Wheely-Kontrolle oder Motorbremse umgesetzt werden.

Die IMU ist Teil der Elektronik und darf damit laut Reglement nicht zur Performance-Steigerung des Motorrads verwendet werden. Bis 2018 wurden sie aber von den Herstellern selbst entwickelt, eine unerlaubte Performance-Steigerung durch Manipulation war somit de facto nicht zu kontrollieren.

Für 2019 wurde diese letzte Lücke im Elektronikreglement geschlossen, indem auch die IMU vereinheitlicht wurde und seither von Magneti Marelli geliefert wurde. Zumindest dachten die Regelhüter, dass sie die letzte Lücke geschlossen hätten. Ganz anderer Meinung ist da Aprilia-Pilot Aleix Espargaro. Der erklärte am Freitag in Mugello, dass ihm das Verhalten der Konkurrenz-Motorräder sehr eigenartig vorkomme.

Aleix Espargaro: Betrug oder kein Betrug?

"Es ist sehr kompliziert. Ich muss wirklich aufpassen, was ich sage", war sich Espargaro schon zu Beginn der Brisanz seiner Worte bewusst. "Es gibt Dinge im Bereich der Elektronik, die wir laut Reglement nicht kontrollieren dürfen, zum Beispiel den Slide. Wir dürfen den Wheelspin kontrollieren, aber das ist etwas völlig anderes als der Slide. Mit unserem Motorrad habe ich zum Beispiel kaum Spin, aber starke seitliche Slides wenn ich ans Gas gehe. Wenn ich hinter den anderen Motorrädern herfahre, sieht es für mich so aus, als hätten sie beim Aufrichten des Bikes mehr Spin als wir, aber nicht bei voller Schräglage. Das ist meiner Meinung nach eigenartig, denn es gibt viele Motorräder da draußen, die wesentlich mehr Leistung haben als unseres, aber dennoch können sie mehr Traktion erzeugen. Das kann ich mir nicht erklären."

Aleix Espargaro ist verwundert über das Verhalten der anderen MotoGP-Bikes - Foto: Tobias Linke

Einen direkten Vorwurf, dass man bei Honda, Ducati, Yamaha, Suzuki, oder KTM betrügt, wollte Espargaro nicht äußern, auch wenn es ihm sichtlich schwer fiel: "Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich glaube an unsere Ingenieure und denke nicht, dass sie Idioten sind. Sie sind schlaue Jungs, aber dennoch können sie in diesem Bereich nicht finden. Da muss man schon vermuten, dass es etwas anderes gibt."

Wie genau ein möglicher Betrug im Feld der Elektronik aussehen könnte, ist unklar. Selbst für die Technikexperten ist eine lückenlose Kontrolle hier ungleich schwierig als in anderen Bereichen.


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