MotoGP

MotoGP - Marc Marquez: Die Solofahrt als große Achillesferse

Marc Marquez ist der kompletteste MotoGP-Pilot unserer Zeit. Doch auch der scheinbar Außerirdische offenbart in einem Bereich seine Menschlichkeit.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez ist talentiert. Marc Marquez ist ein harter Arbeiter. Marc Marquez ist zweikampfstark. Marc Marquez ist klug. Marc Marquez ist ein ausgezeichneter Qualifyier. Marc Marquez ist schnell im Regen. Marc Marquez ist schnell im Trockenen. Marc Marquez ist schnell bei Mischverhältnissen. Kurz gesagt: Marc Marquez kommt dem, was man als perfekten MotoGP-Piloten bezeichnen würde, ziemlich nahe.

Doch perfekt ist bekanntlich niemand und so zeigt sich selten aber doch auch ein Schwachpunkt. Ja, Marc Marquez kann Rennen souverän anführen und dann auch gewinnen. Das hat er vor gut zwei Wochen in Argentinien gezeigt und zuvor auch schon mehrmals etwa in Austin oder am Sachsenring. In diesem Jahr warf er den sicher scheinenden Sieg am Circuit of the Americas aber weg. Eine Premiere in Texas, aber bei weitem keine Premiere für Marquez in der MotoGP.

Zum vierten Mal stürzte Marquez am Sonntag in Führung liegend aus einem MotoGP-Rennen. Zum vierten Mal nicht in einem direkten Zweikampf, sondern mit großem Vorsprung auf den Rest des Feldes. 2014 auf Phillip Island betrug seine Führung mehr als vier Sekunden, drei Jahre später an selber Stelle über 2,4 Sekunden. 2017 hatte er im Argentinien in nur drei Runden gut 2,2 Sekunden zwischen sich und die Konkurrenz gebracht. Am vergangenen Wochenende in Austin waren es fast 3,7 Sekunden.

Ein Muster für Marquez' Stürze

'Unforced Errors' würde man das im Tennis nennen, also vermeidbare Fehler. Es stellt sich die Frage, warum Marquez zu diesen Fehlern neigt. Eines haben alle vier Patzer des MotoGP-Superstars gemein. Jedes Mal rutschte Marquez beim Anbremsen schon vor einer Kurve über das Vorderrad weg und immer herrschten dabei relativ niedrige Temperaturen. 2014 und 2016 auf Phillip Island waren es 16 beziehungsweise 12 Grad, 2017 in Argentinien 20 und am Sonntag in Austin 21.

MotoGP Austin 2019: Der Analyse-Talk zum Rennen: (23:57 Min.)

Und auch die Aussagen von Marquez nach seinen Stürzen gleichen sich größtenteils. Mit Ausnahme von Argentinien 2017 erklärte er stets, gestürzt zu sein, obwohl er sich nicht wirklich am Limit befand. Viel mehr sprach er davon, die Rennen zum Zeitpunkt der Crashes 'gemanagt', also bereits etwas Tempo herausgenommen zu haben.

Es könnte also so gut sein, dass Marquez Probleme damit hat, die Temperatur im Vorderreifen und damit das Bremsverhalten seiner Honda RC213 unter Kontrolle zu halten, wenn er von seinem üblichen Fahrstil abweicht. Marquez zählt ja zu den aggressivsten Bremsern der MotoGP und generiert somit im Normalfall viel Temperatur im Vorderreifen. Dieser an und für sich riskante Stil scheint für ihn oftmals sicherer zu sein als ein kontrolliertes Fahren.


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