MotoGP

MotoGP - Causa Ducati: Die Reaktionen der Konkurrenz

Das meistbesprochene Thema in der MotoGP-Welt ist zurzeit die Kritik an Ducatis neuer Aerodynamik. Die Kritik der Konkurrenz zusammengefasst.
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - Nach dem Saisonauftakt in Katar gibt es in der MotoGP-Welt zurzeit nur ein Thema: Ducatis neue Aerodynamik-Lösung und der Protest der Konkurrenz dagegen. Motorsport-Magazin.com hat die Aussagen der Konkurrenten KTM, Suzuki und Aprilia und von Ducati-Rennsportchef Gigi Dall'Igna zusammengefasst.

Das sagt KTM: Bis auf Yamaha beteiligten sich alle vier übrigen Hersteller an dem Protest gegen Ducatis neue Aerodynamik-Teile. So also auch KTM. "Wir haben uns mit den anderen Herstellern in Katar zusammengesetzt und haben über das Statement (über Ducatis Aero-Winglets, von Technik-Direktor Danny Aldridge am 2. März an alle Hersteller versendet) gesprochen", wird Motorsport-Direktor Pit Beirer gegenüber der italienischen 'Corsedimoto' zitiert.

Das Ergebnis dieses Gesprächs: Vier Hersteller legten Protest gegen Ducatis neue Teile ein, mit der Begründung, dass die Teile auch einen aerodynamischen Unterschied machen würden. Darüber informierte man nicht nur Aldridge, sondern auch Ducati. "Sie können uns nicht vorwerfen, dass wir sie nicht informiert hätten", findet Beirer. "Wir haben ihnen vor dem Wochenende gesagt, dass wir eine Klärung der Sache verlangen würden, wenn sie mit den Teilen am Wochenende fahren würden."

Für KTM hat diese Beschwerde nichts mit Doviziosos Sieg in Katar zu tun, denn den verdiene der Italiener ganz eindeutig. Vielmehr soll der Protest aus KTMs Sicht dem Aerodynamik-Wahnsinn ein Ende bereiten. Denn der hat Beirers Meinung nach in der MotoGP keinen Platz. "Der Wahnsinn muss ein bisschen eingedämmt werden", erklärt er. "Niemand braucht diese ganzen Dinge an einem Rennmotorrad. Wir sind hier, um herauszufinden, wer der beste Rennfahrer ist und nicht, wer die besten Winglets baut."

Das sagt Suzuki: Auch das Anliegen des Suzuki-Teams ist es in dieser Situation nicht, Dovizioso den Sieg in Katar abzuerkennen. Die Japaner erwarten sich vielmehr, dass nach einer erneuten Untersuchung der Aerodynamik-Teile aus Borgo Panigale mehr Klarheit und Eindeutigkeit in das MotoGP-Reglement kommt. "Indem wir Protest einlegen, zwingen wir die Verantwortlichen sich die Sache noch einmal genau anzusehen, einzuschätzen und die Regeln und Richtlinien zu verdeutlichen", wird Suzuki-Teammanager Davide Brivio von 'Corsedimoto' zitiert. "Das ist es, was wir mit unserem Protest erreichen wollen: Klarzustellen, was wir dürfen und nicht dürfen."

Denn trotz des schriftlichen Statements von Aldridge, dass Ducatis Aerodynamik-Teile als legal einstufte, ist man sich nicht nur bei Suzuki sicher, dass Dall'Ignas neuer Genie-Streich gegen die Regeln verstößt. "Ingenieure von vier Herstellern (Wir, Aprilia, Honda und KTM) haben bemängelt, dass diese Teile einen aerodynamischen Effekt haben - nämlich Downforce generieren - und deshalb gegen die Regeln verstoßen", schließt Brivio sein Statement deutlich ab.

Andrea Dovizioso rang in Katar Marc Marquez nieder - Foto: Tobias Linke

Das sagt Aprilia: Ducatis Landsmänner von Aprilia fühlen sich in diesem Fall sogar doppelt auf den Schlips getreten. Denn zum einen sind auch sie der Meinung, dass Ducatis Neuheit gegen die MotoGP-Regeln verstößt. Auf der anderen Seite erklärte Massimo Rivola, der neue Aprilia-Rennleiter gegenüber der 'Gazzetta dello Sport', dass Aprilia eine ähnliche Konstruktion von Aldridge verweigert wurde. Das sorgt natürlich für zusätzlichen Frust bei den Italienern. Damit wären Aprilia nach Ducati nämlich der zweite Hersteller, der den ursprünglich von Yamaha losgetretenen Trend verfolgt. Aus diesem Grund verzichteten die Japaner auch darauf, sich an dem Protest zu beteiligen.

"Letzter Jahr in Valencia hat Yamaha eine Art von Löffel an der Schwinge des Bikes verwendet, um im Falle von Regen das Wasser besser abzuleiten", erklärt Rivola. "Dieses Teil wurde als legal eingestuft und war für uns ein Augenöffner. Zu Beginn dieses Jahres haben wir dann den technischen Delegierten gefragt, ob wir in diesem Bereich des Bikes etwas Ähnliches entwickeln könnten." Laut Rivola erhielt Aprilia am 19. Februar die Antwort von Aldridge, dass ein solches Teil nur bei Regen eingesetzt werden könne. "Als Resultat dieser Aussage, haben wir aufgehört, weiter daran zu arbeiten", so Rivola.

Das die Entscheidung Aldridges, eine Woche nach der Absage an Aprilia der Konkurrenz von Ducati ein ähnliches Teil zu erlauben, bei Aprilia keine Freude auslöst, ist verständlich. Dabei geht es den Italienern auch gar nicht darum, Ducati einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. "Unsere Reaktion richtet sich nicht gegen Ducati, wir wollen niemandem etwas Böses. Ich finde es nur seltsam, dass unsere Lösung abgelehnt und eine Woche später die von Ducati angenommen wird", grübelt Rivola.

Das sagt Ducati: Bei Ducatis Rennsportchef Dall'Igna kommt das alles aber ein wenig anders an. "Warum protestieren sie jetzt alle gegen Ducati und nicht, als Yamaha eine ähnliche Sache im letzten Jahr versucht hat?", wirft Dall'Igna gegenüber 'GPOne.com' eine Frage an seine Konkurrenten auf. "Man protestiert nicht, wenn man nur die Regeln geändert haben möchte. Es wird ein Meeting in der MSMA (Die Hersteller-Vereinigung der MotoGP) abgehalten."

Im schlimmsten Fall könnte Andrea Dovizioso der Sieg in Katar aberkannt werden - Foto: Ducati

Damit wirft der Italiener seinen Konkurrenten nicht nur vor, sich gegen Ducati zu stellen, sondern holt noch weiter aus: "Die anderen sind ohne viel technisches Verständnis und sehr unvorbereitet in diesen Protest gegangen", so Dall'Igna. "Während des Meetings war sogar nur ein Techniker dabei, und das war unserer." Auch das Argument der Konkurrenten, die neuen Teile würden nicht zur Kühlung des Reifens genutzt werden, hält Dall'Ignas Meinung nach nicht stand. "Katar ist eine der forderndsten Strecken für die Hinterreifen. Viele Fahrer hatten Probleme. Das manche Leute sagen, es wäre nur eine Ausrede von uns, zeigt vielleicht, dass sie nicht viel verstehen."

Dall'Igna sieht sich mit seiner neuesten Erfindung absolut im Recht und sorgt sich nicht um die ausstehende Entscheidung der FIM. "Ich bin überzeugt davon, dass meine Lösung absolut legal ist, denn sonst, weil ich mich nicht für einen Idioten halte, hätte ich das System niemals an das Bike gebaut", erklärt Dall'Igna selbstsicher. Außerdem reicht es dem Italiener zu wissen, dass er von Aldridge bereit die Bestätigung hat, dass sein neuester Aerodynamik-Streich legal ist. "Die Regeln sind einfach. Es gibt eine Person, die entscheidet, was legal ist oder nicht. Wenn man die Bestätigung dieser Person hat, dann reicht das."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter