MotoGP

MotoGP-Kommentar zum Protest-Theater: Mehr Respekt für Ducati!

Ducati gewinnt in Katar und vier MotoGP-Hersteller legen Protest ein. Ducatis Konkurrenz wäre aber besser beraten, auf sich selbst zu achten.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP servierte zum Saisonauftakt in Katar wieder einmal einen echten Leckerbissen. Andrea Dovizioso und Marc Marquez lieferten sich wie im Vorjahr einen sensationellen Fight bis zur letzten Kurve, auf der Ziellinie trennten die großen Rivalen nur 0,023 Sekunden. Mit einem Abstand von 15,093 Sekunden zwischen Sieger Dovizioso und dem letzten Punktefahrer Johann Zarco war der Katar-GP das engste Königsklassenrennen in der seit 1949 dauernden Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft.

Und doch wird nun, am Tag danach, hauptsächlich über ein Thema diskutiert: Den Protest von Honda, Suzuki, KTM sowie Aprilia und die Frage, ob die Ducati Desmosedici GP19 mit ihren neuen Aerodynamikteilen im Rennen von Katar nun legal war oder nicht. Dabei ist die Lage laut Reglement eigentlich klar, acht Tage vor dem Saisonauftakt lieferte der technische Direktor der MotoGP, Danny Aldridge, sogar eine schriftliche Klarstellung.

Deshalb blitzte der Protest der vier Hersteller in erster Instanz auch ab, doch durch den Einspruch gegen dieses Urteil zieht sich die weitere Entscheidung nun länger hin. Bis zum Argentinien-GP in drei Wochen gibt man sich Zeit. Wie auch immer der 'Court of Appeal' der FIM dann richtet, ein schaler Beigeschmack bleibt.

MotoGP sägt am guten Image

Die MotoGP rühmte sich stets damit, im Gegensatz zu anderen Rennserien wie der Formel 1 oder der DTM nicht ständig Siege am grünen Tisch zu vergeben. Nun ist man selbst an diesem Punkt angelangt. Doch wer trägt Schuld an diesem unrühmlichen Theater? Es ist leicht, Ducati den schwarzen Peter zuzuschieben. Doch was Gigi Dall'Igna und seine Kollegen in Rot seit Jahren in der MotoGP veranstalten, richtet sich nicht gegen den Geist des Sports. Ganz im Gegenteil.

Gigi Dall'Igna ist für die MotoGP Segen, nicht Fluch - Foto: Ducati

Das wird deutlich, wenn man einen Blick ins technische Regelbuch der MotoGP wirft. Da wird im ersten Absatz erklärt, dass es sich um eine Meisterschaft für Motorräder handelt. Also Vehikel mit zwei Rädern in einer Linie, die von einem Verbrennungsmotor angetrieben und von einem Fahrer gelenkt werden. Und bereits im zweiten Absatz steht geschrieben, dass die Konstrukteure innerhalb des Reglements die Freiheit besitzen, im Hinblick auf Design, Material und die gesamte Konstruktion des Motorrads innovativ zu arbeiten.

Genau das macht Ducati seit Jahren. So gut wie alle MotoGP-Innovationen der jüngsten Vergangenheit stammen aus Borgo Panigale. Ein altes Motorsport-Mantra besagt, dass der Konstrukteur sich nie um die Dinge kümmern sollte, die erlaubt sind, sondern viel mehr nach denen suchen soll, die nicht ausdrücklich verboten sind. Für Dall'Igna und Co. ist die Grauzone ihre Spielwiese.

Die Ducati GP19 ist das raffinierteste Motorrad im MotoGP-Grid - Foto: LAT Images

Was machen die MotoGP-Giganten?

Anstatt in regelmäßigen Abständen gegen den Innovationsgeist von Ducati zu protestieren, sollten sich vor allem die großen Hersteller wie Honda oder Yamaha eher ein Beispiel an den Italienern nehmen und selbst neue Wege beschreiten. Denn das ist der Geist einer Prototypen-Meisterschaft wie der MotoGP. Wem das nicht passt, der muss Seriensport fahren.


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