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MotoGP

MotoGP-Saisonvorschau mit Experte Alex Hofmann

Noch eine Woche bis zum MotoGP-Saisonstart in Katar! Experte Alex Hofmann gibt bei Motorsport-Magazin.com eine Prognose für 2019 ab.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Verteidigt Honda die Triple-Crown mit WM-Titeln in der Fahrer-, Team- und Herstellerwertung der MotoGP? Gelingt Ducati der erste große Triumph seit 2007? Schafft Yamaha den Sprung zurück an die Spitze? Und was macht der Rest des Feldes? Fragen über Fragen, MotoGP-Experte liefert für Motorsport-Magazin.com die Antworten:

MotoGP-Experte Alex Hofmann über...

...Marc Marquez' Titelchancen trotz Verletzung: "Marc hat genug Erfahrung und auch genug erfahrene Menschen an seiner Seite um zu wissen, dass er jetzt einfach etwas Geduld braucht. Marc hat mittlerweile verstanden, dass er auch einmal zwei Rennen auf 90 Prozent fahren kann, wenn es sein Körper einfach nicht anders zulässt. Er schafft es jetzt, sich mental einigermaßen selbst zu bremsen. Das Schlimmste für ihn wäre - und ich glaube nicht, dass er diesen Fehler begeht - es in Katar trotz körperlicher Wehwehchen zu übertreiben und sich noch schwerer zu verletzen. Ansonsten wird der Bursche, wenn bei der Operation nichts grob schief gegangen ist, bald wieder fit sein. Dann ist er zusammen mit seiner Honda sicherlich wieder die Referenz für den Rest des Feldes. Daran hat sich nichts geändert."

...die erneute Steigerung bei Ducati: "Den Sepang-Test, wo vier Ducatisti vorne waren, würde ich nicht überbewerten. Da hat 2018 auch Jorge Lorenzo eine Fabelzeit hingelegt und dann hat es bis Mitte des Jahres gebraucht, ehe er sein erstes Rennen gewonnen hat. Sepang ist ein spezieller Test, bei dem die Ducatis ihre Power perfekt ausspielen können. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass es Gigi Dall'Igna geschafft hat, dieses Bike zu scannen und Stärken sowie Schwächen herauszufinden. Die Stärken konnte man beibehalten und die Schwächen schnelle beseitigen. Das hat er wirklich toll gemacht.

MotoGP-Tests 2019: Die finale Analyse nach Katar: (15:34 Min.)

Ich denke, dass Ducati das Paket mit der besten Mischung aus Performance und Benutzerfreundlichkeit hat. Die Yamaha ist vielleicht noch eine Spur einfacher zu beherrschen, aber man kommt stellenweise eben an die Performancelimits der Maschine. Die gibt es bei Ducati nicht. Ich will nicht sagen, dass sie voran sind. Honda ist meiner Meinung nach mindestens auf demselben Niveau. Das ist ein Duell auf Augenhöhe und die Kräfteverhältnisse wechseln von Strecke zu Strecke. Es ist aber kein Zufall, dass Dovi in den letzten zwei Jahren jeweils Marcs härtester Gegner im WM-Kampf war. Und wenn man jetzt sieht, wie auch der Rookie Bagnaia bei Ducati einschlägt, dann spricht das schon für sich.

Andrea Dovizioso zählt zu den Favoriten auf die MotoGP-Krone 2019 - Foto: Ducati

...die Position von Yamaha im Kampf der Großen: Ich denke, dass sie in etwa da stehen, wo sie auch 2018 waren, aber mit etwas Rückenwind nach vorne. Ich glaube schon, dass Yamaha kapiert hat, dass sie einen Rossi oder Vinales verlieren werden, wenn sie so weitermachen. Bei den Japanern dauert es oft etwas länger, bis sie auf solche Entwicklungen antworten. Yamaha ist ein bisschen wie ein großer Frachter im Meer. Da lenkst du ein aber es dauert erst einmal einen halben Kilometer, bis der dann reagiert. KTM oder Ducati hingegen sind da eher kleine Boote, die schnell in die Richtung fahren, in die die Passagiere wollen. Yamaha hat jetzt aber reagiert und ich sie werden mit der Erfahrung und den Piloten die sie haben jedes Wochenende um das Podium oder vielleicht sogar um Siege kämpfen. Ob es reicht, um Honda oder Ducati das ganze Jahr zu gefährden? Das kann man aktuell nicht sagen. Ich würde sagen, dafür muss man die ersten vier Rennen abwarten. Dann hat man einen guten Einblick und weiß auch, wohin die Reise aus technischer Sicht geht.

...Alex Rins als großen Geheimtipp für die MotoGP 2019: Das Wort 'Titelanwärter' will ich noch nicht gebrauchen. Rins wird aber ein permanenter Anwärter auf die Top-Sechs sein, wie auch schon Ende der letzten Saison. Suzuki hat solide gearbeitet und eine gute Basis geschaffen, um an einem guten Tag auch einmal um den Sieg zu kämpfen. Das könnte 2019 definitiv passieren. Für den Titel fehlt mir aber noch das gewisse Etwas, wie ich es etwa bei der Kombination Suzuki-Vinales gesehen habe. Dafür müssen sie noch weiter arbeiten.

Gewinnt Alex Rins 2019 sein erstes MotoGP-Rennen? - Foto: Suzuki

...KTM am Weg ins Spitzenfeld: Bei KTM ist man im letzten Camp angekommen, jetzt geht's hoch auf den Gipfel. Es gilt, die letzte Sekunde zu finden. Ich glaube, bei KTM ist jedem klar, dass das nicht einfach wird. Ich glaube aber auch, dass es ihnen eine gewisse Ruhe gibt, zu wissen, dass die Strukturen dafür vorhanden sind. Ob es am Ende klappt, steht natürlich auf einem anderen Blatt Papier, aber es ist schon extrem beeindruckend, was KTM und Red Bull da auf die Beine gestellt haben.

MotoGP-Talk mit Pit Beirer: Was plant KTM 2019?: (08:01 Min.)

...die Leistungsdichte in der MotoGP 2019: Es stehen 2019 definitiv keine Gurken-Bikes mehr in der Startaufstellung - und auch keine Gurken-Fahrer. Egal ob fahrerisch oder technisch: Das ist das höchste Niveau, das ich in dieser Klasse je gesehen habe. Bei Sepang-Test lagen teilweise 20 Piloten innerhalb einer Sekunde. Das zeigt, dass wir zurecht in Tausendstelsekunden messen - vielleicht brauchen wir bald Zehntausendstel. Das ist irre, einfach geil. Es macht Lust darauf, dass die Ampel jetzt endlich auf Grün springt, denn man kann sich vorstellen, was da für Rennen rauskommen werden!


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