MotoGP

Team, Fahrer, Strecke: So wurde Malaysia zur MotoGP-Großmacht

Malaysia machte in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung als Motorradnation durch. Motorsport-Magazin.com zeigt, wie das möglich war.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Bis zur Saison 1991 war Malaysia ein weißer Fleck auf der MotoGP-Landkarte. Dann fand erstmals ein Grand Prix in dem südostasiatischen Land statt. Damals noch auf dem in manchen Bereichen wenig WM-tauglichen Shah Alam Circuit westlich der Hauptstadt Kuala Lumpur. Doch die Strecke erfüllte ihren Zweck und die ohnehin motorradbegeisterten Malaysier - fast die Hälfte aller registrierten Kraftfahrzeuge im Land sind Zweiräder - waren fortan auch Feuer und Flamme für den Rennsport.

1996 durften die malaysischen Fans dann auch erstmals über einen Lokalmatador jubeln - Shahrol Yuzy gab mit einer Wildcard sein WM-Debüt. Von nun an kannte der MotoGP-Hype in der 32-Millionen-Einwohner-Nation keine Grenzen mehr. In Sepang wurde eine neue, hochmoderne Rennstrecke aus dem Boden gestampft. 1999 trugen sowohl die MotoGP als auch die Formel 1 dort ihr erstes Rennwochenende aus, die Königsklasse auf vier Rädern kam aber nie an die Beliebtheit der Zweiradhelden heran und verabschiedete sich 2017 wieder aus Malaysia.

Die MotoGP stellt dort unterdessen einen Zuschauerrekord nach dem anderen auf. 103.984 waren es 2018 am Sonntag, nur in Le Mans und Assen kamen minimal mehr Leute an die Strecke. 169.827 waren es über das gesamte Wochenende, was einen neuen Bestwert bedeutet. Durch den Aufstieg von Hafizh Syahrin in die Königklasse platze der Sepang International Circuit aus allen Nähten.

2019 erstmals malaysisches MotoGP-Team

2019 haben die Malaysier noch mehr Grund, ihren großen Nationalstolz im Rahmen des Rennwochenendes auszuleben. Denn dieses Mal steht mit Hafizh Syahrin nicht nur ein lokaler Fahrer in der Startaufstellung, sondern mit Petronas Yamaha SRT auch ein eigener Rennstall. Und genau dadurch zeigt sich, dass der Aufstieg Malaysias vom Rennsport-Nobody zur Großmacht auf zwei Rädern alles andere als ein Zufall ist.

In Malaysia ist Motorradsport Volkssport - Foto: LAT Images

Hier wurde ein System geschaffen, dass es jungen Motorradfahrern ermöglicht, auch ohne große finanzielle Mittel eine Karriere als professioneller Pilot einzuschlagen. Motorradsport wird hier von staatlicher Seite massiv gefördert, sei es direkt durch das Sportministerium oder über Umwege durch Unternehmen wie den Erdölkonzern Petronas oder den Sepang International Circuit.

In Sepang wurde ein hochmodernes Trainingszentrum geschaffen, in dem die jungen Fahrer neben einer rennsportlichen auch eine schulische Ausbildung erhalten und somit für ihre Zukunft abgesichert sind. Den Nachwuchstalenten stehen Trainer, Physiotherapeuten und Ernährungsberater zur Verfügung. Gecoacht werden sie von Zulfahmi Khairuddin, der in der Moto3 einst zwei Mal auf das Podium fuhr.

Förderung des eigenen Nachwuchses als Ziel

Petronas Yamaha SRT geht in seiner MotoGP-Debütsaison 2019 mit einem Italiener, Franco Morbidelli, und dem Franzosen Fabio Quartararo an den Start. Man macht aber keinen Hehl daraus, dass es das große Ziel ist, weitere Malaysier über die eigenen Teams in Moto2 und Moto3 in die Königsklasse zu bringen. Bei seiner Rede im Rahmen der Teampräsentation richtete sich Teamchef Razlan Razali direkt an Khairul Idham Pawi, der für den Rennstall 2019 in der Moto2 an den Start gehen wird: "Das ist deine Chance, der erste Malaysier in einem malaysischen MotoGP-Team zu sein." Und weiters fragte er die bei der groß aufgezogenen Veranstaltung in Kuala Lumpur anwesenden Nachwuchspiloten: "Wenn euch diese Präsentation nicht motiviert, was dann?"

Pawi soll in die Fußstapfen Morbidellis treten - Foto: Petronas Yamaha SRT

In Malaysia brennt das Feuer für die MotoGP, vom Privatleben über die Wirtschaft bis hin zur Politik. Davon kann man in vielen europäischen Staaten, einst Kernländer der Motorrad-Weltmeisterschaft, nur träumen...


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