MotoGP

Valentino Rossi, Weltmeistermacher: Bilanz seiner VR46 Academy

Valentino Rossi hat in seiner MotoGP-Karriere viel gewonnen. Längst schmiedet er selbst Weltmeister. So erfolgreich war die VR46 Academy 2018.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Valentino Rossis VR46 Riders Academy ist eine Erfolgsgeschichte. Im fünften Jahr ihres Bestehens feierten die Piloten des Förderprogramms größere Erfolge als je zuvor. Mittlerweile sind alle elf Academy-Talente in der Motorrad-WM angelangt, wo es die ersten bereits in die MotoGP geschafft haben. In der abgelaufenen Saison holten Rossis Talente 13 Siege, 34 Podestplätze und einen WM-Titel. Motorsport-Magazin.com mit einem Rückblick auf die Saison 2018 der VR46 Riders Academy:

Franco Morbidelli: MotoGP-Rookie des Jahres

Im Vorjahr war er der erste Weltmeister aus den Reihen des VR46-Förderprogramms und stieg im Winter als ebenfalls erster Academy-Rider in die MotoGP-Klasse auf. Nun ist Franco Morbidelli auch der erste Fahrer aus Rossis Talenteschmiede, der sich "Rookie des Jahres" in der Königsklasse nennen darf. 50 Punkte holte der Italiener 2018, womit er vier mehr sammelte als Hafizh Syahrin.

Dabei hatte Morbidelli keine einfache erste MotoGP-Saison. Im Frühsommer brach sein Arbeitgeber, das Marc VDS Team, unter einer Auseinandersetzung zwischen Teamchef Michael Bartholemy und Eigentümer Marc van der Straten zusammen und verlor für 2019 schließlich auch beide Startplätze.

Wenig später zog sich Morbidelli in Assen einen Mittelhandknochenbruch zu und musste sogar für zwei Rennen pausieren. Beim in Auflösung befindlichen Marc VDS Team avancierte er im letzten Saisondrittel dennoch zum Punktehamster und holte mit Rang 8 auf Phillip Island sein bestes Saisonresultat.

Francesco Bagnaia: Moto2-Champion

Die Moto2-Klasse blieb nach Morbidellis Titelgewinn im Jahr 2017 auch in der abgelaufenen Saison fest in der Hand der VR46 Riders Academy. Denn mit Francesco Bagnaia krönte sich erneut ein von Valentino Rossi gefördertes Talent zum Weltmeister. Der 21-Jährige holte acht Saisonsiege, punktete in allen 18 Rennen und fixierte seinen Titel mit einem dritten Platz in Sepang. Seinen Aufstieg in die MotoGP-Klasse hatte Bagnaia bereits vor Saisonstart fixiert: 2019 wird er für Pramac Racing eine Ducati des Jahrgangs 2018 pilotieren. Die ersten Testfahrten in Valencia und Jerez verliefen vielversprechend.

Francesco Bagnaia verteidigte den Moto2-Titel für die VR46 Academy - Foto: VR46 Riders Academy

Marco Bezzecchi: Titelkampf verloren

Vor Saisonstart 2018 hatte Marco Bezzecchi in 22 Moto3-Rennen gerade einmal einen Podestplatz geholt, doch mit seinem Premierensieg beim zweiten Saisonrennen in Argentinien stieg er plötzlich zu einem WM-Aspiranten auf. Bis Motegi folgten acht weitere Podestplätze (davon zwei Siege) und bis zu seinem Sturz auf Phillip Island hielt er das WM-Rennen gegen Jorge Martin völlig offen. Da er in den letzten drei Saisonläufen aber nur elf Punkte holte, rutschte er in der Endabrechnung letztlich auf den dritten Platz ab. Den Aufstieg in die Moto2 mit Tech 3 konnte er trotzdem bereits im August unter Dach und Fach bringen.

Luca Marini: Erster Sieg

Lange Zeit war er nur Valentino Rossis Halbbruder, doch 2018 hat sich Luca Marini selbst einen Namen gemacht. Im Team von Sky VR46 holte er am Sachsenring seinen ersten Podestplatz, in Brünn seine erste Pole Position und in Sepang schließlich den ersten Sieg. Ganze fünfmal stand er letztlich auf dem Podest und belegte in der Gesamtwertung den siebenten Rang - mit mehr als eineinhalb Mal so vielen Punkten als in den beiden vorangegangenen Jahren zusammen. In der zweiten Saisonhälfte konnte er bei einem Großteil der Rennen um die Podestplätze kämpfen, was ihn zu einem potenziellen Titelanwärter für 2019 macht.

Luca Marini trat 2018 aus dem Schatten seines Halbbruders Valentino Rossi - Foto: Tobias Linke

Lorenzo Baldassarri: Beste Saison

Auch Lorenzo Baldassarri fuhr seine bislang beste Saison und landete auf dem fünften Gesamtrang der Moto2-Klasse. Der 22-Jährige siegte in Jerez und stand vier weitere Male auf dem Podest. Seine Sturzanfälligkeit verhinderte in mehreren Rennen weitere Erfolge, doch auch ohne diese war 2018 das bislang erfolgreichste Jahr in der Weltmeisterschaft für Baldassarri. 2019 wird man mit ihm rechnen müssen.

Foggia & Vietti: Next Generation

Dennis Foggia kam 2018 als Junioren-Weltmeister in die Moto3 und kam in der zweiten Saisonhälfte bereits gut in Fahrt. In Thailand stand der 17-Jährige als Dritter zum ersten Mal auf dem Podest und ließ nur zwei Wochen später in Motegi einen vierten Platz folgen. Ausfälle in den letzten drei Rennen sorgten dafür, dass er das Duell um den "Rookie des Jahres" gegen Jaume Masia verlor.

Celestino Vietti war ursprünglich nur für Einsätze in der Junioren-WM eingeplant, doch eine Verletzung von Nicolo Bulega eröffnete dem 17-Jährigen auf der Fernost-Tour sein Debüt. Als 14. im ersten Rennen ließ er bereits in seinem zweiten Versuch einen dritten Platz beim Moto3-Rennen in Motegi folgen. In nur vier Einsätzen holte er seine ersten 24 Punkte und ließ damit sogar Bulega hinter sich, der ganze zehn Rennen mehr bestritt. Rossis Teenie-Gang mit Vietti und Foggia muss man für 2019 auf jeden Fall auf dem Zettel haben.

Dennis Foggia darf sich 2019 Chancen in der Moto3 ausrechnen - Foto: Sky Team VR46

Die Sorgenkinder

Bei all den Erfolgen der VR46 Riders gab es aber auch einige Sorgenkinder. Der 22-jährige Andrea Migno etwa holte in Le Mans seinen einzigen Podestplatz, schloss seine vierte volle Moto3-Saison mit weniger Punkten als im Vorjahr ab und flog daher wieder aus den Top-10 der Gesamtwertung. Dort fand sich auch Niccolo Antonelli wieder, der zum ersten Mal seit 2014 ohne einen Podestplatz blieb. Immerhin rehabilitierte sich der 22-Jährige nach einer Horror-Saison im Werksteam von KTM und holte unter den Fittichen von Paolo Simoncelli beinahe doppelt so viele Punkte wie 2017.

Einen völligen Einbruch erlitt hingegen Nicolo Bulega. Der ehemalige Moto3-Juniorenweltmeister punktete erst im achten Saisonrennen zum ersten Mal, holte bis Anfang Oktober nur 18 Punkte und musste danach die letzten vier Läufe wegen einer Verletzung auslassen. Bei vielen Fans stieß daher die Entscheidung auf Unverständnis, dass Rossi seinen einstigen Kronprinzen 2019 in die Moto2 hievt.

Eine zweifelhafte Ehre wurde 2018 Stefano Manzi zuteil. Der 19-Jährige versenkte seine Moto2-Suter im Jahr 2018 ganze 31 Mal im Kies und krönte sich damit zum Crash-König der Motorrad-WM. Niemand stürzte in der abgelaufenen Saison häufiger als Manzi, obwohl dieser aufgrund einer Verletzung in den letzten drei Rennen nicht antreten konnte.

Ausblick

2019 werden zum ersten Mal in der Geschichte der VR46 Riders Academy alle elf Fahrer zum Stammaufgebot in der Motorrad-WM gehören. Francesco Bagnaia und Franco Morbidelli duellieren sich direkt mit Mentor Valentino Rossi in der MotoGP-Klasse. In der Moto2 treten mit Luca Marini, Lorenzo Baldassarri, Marco Bezzecchi, Nicolo Bulega und Stefano Manzi fünf Academy-Rider gegeneinander an. In der Moto3 starten mit Andrea Migno, Niccolo Antonelli, Celestino Vietti Ramus und Dennis Foggia vier Fahrer. Um die Quelle an Talenten nicht versiegen zu lassen, wird 2019 auch ein Sky VR46 Junior Team gegründet, dem Elia Bartolini und Lorenzo Bartalesi angehören werden.

Saisonbilanz der VR46 Riders Academy

FahrerStartsSiegePodienPunkte
Franco Morbidelli (MotoGP) 16 0 0 50
Francesco Bagnaia (Moto2) 18 8 12 306
Lorenzo Baldassarri (Moto2) 18 1 5 162
Luca Marini (Moto2) 18 1 5 147
Stefano Manzi (Moto2) 15 0 0 8
Marco Bezzecchi (Moto3) 18 3 9 214
Andrea Migno (Moto3) 18 0 1 84
Niccolo Antonelli (Moto3) 17 0 0 71
Dennis Foggia (Moto3) 18 0 1 55
Celestino Vietti (Moto3) 4 0 1 24
Nicolo Bulega (Moto3) 14 0 0 18

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