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MotoGP - Analyse der Wintertests in Valencia und Jerez

Wer geht mit der besten Vorbereitung in die Winterpause? Motorsport-Magazin.com analysiert Updates, abgespulte Kilometer und Rundenzeiten der Testfahrten.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Vor der Saison 2019 hat die MotoGP erstmals bereits vor der Winterpause vier offizielle Testtage hinter sich. Zu den traditionellen zwei Tagen in Valencia kamen in dieser Woche noch zwei Tage in Jerez hinzu. Dafür werden statt den bisherigen neun Testtagen nach der Winterpause 2019 nur sechs Tage bestritten - drei in Sepang und drei in Katar, jeweils im Februar.

Somit lässt sich schon vor der Phase des Testverbots, die von nun an bis zum Sepang-Shakedown vom 1. bis 3. Februar, bereits ein erster Trend für die MotoGP-Saison 2019 erkennen. Die Analyse:

Die MotoGP-Kilometerkönige

In der Gewöhnung an die neuen Motorräder sowie bei der Beseitigung etwaiger Schwachstellen der Maschinen ist jede gefahrene Runde Gold wert. Verpasste Testkilometer sind im Laufe der Saison nur schwer wettzumachen. Am meisten aus den vier Tagen in Valencia und Jerez holte Suzuki-Pilot Alex Rins heraus. Er markiert mit 251 gefahrenen Runden den deutlichen Bestwert, spulte 15 Umläufe mehr ab als sein erster Verfolger in dieser Wertung, Yamaha-Neuling Franco Morbidelli.

Alle 21 an den Testfahrten teilnehmenden Stammpiloten für 2019 (Cal Crutchlow musste aufgrund seines auf Phillip Island erlittenen Knöchelbruchs ja aussetzen) schafften mindestens 168 Runden, mit zwei Ausnahmen. Ausgerechnet bei Aprilia, wo der Aufholbedarf ohne Zweifel am größten ist, kamen die Werkspiloten nur auf wenig Testkilometer. Andrea Iannone schaffte nur 107 Runden, Aleix Espargaro aufgrund einer Magen-Darm-Erkrankung an den Jerez-Tagen gar nur 103 Umläufe. Gleich neun Fahrer fuhren so mehr Runden als das Aprilia-Duo zusammen.

MotoGP-Wintertests: Die Rundenzeiten

Testzeiten sind immer mit großer Vorsicht zu genießen. Die Ergebnisliste hat eigentlich so gut wie keine Aussagekraft, da die Fahrer und Teams unterschiedliche Programme abarbeiten und zu anderen Tageszeiten mit ihrem schnellsten Paket unterwegs sind. Etwas mehr Aufschluss gibt da schon ein Blick auf die gesammelten Rundenzeiten der Fahrer.

Wer konstant schnelle Runden abspulen und nicht nur einen flotten Umlauf markieren kann, der hat bereits etwas Grund zur Freude. In Valencia dominierten Maverick Vinales, der 29 Runden unter 1:31 Minuten fahren konnte, und Marc Marquez, dem das 27 Mal gelang. Auch Danilo Petrucci (22) oder Alex Rins (16) waren gut mit dabei.

In Jerez wurde Ducatis Neo-Werkspilot Petrucci dann zusammen mit Marquez sogar zum konstantesten Mann im Feld. Es folgten mit geringem Abstand Vinales, Andrea Dovizioso und Rins. Von den verbleibenden Titelanwärtern lagen Valentino Rossi und Jorge Lorenzo stets deutlich zurück. Im Fall von Lorenzo, der ja erst seine ersten Runden auf der Honda drehte und immer noch nicht ganz fit ist, wohl noch kein großer Grund zur Sorge. Sehr wohl aber für Rossi, der zum Abschluss der Tests feststellte: "Wir sind nicht schnell genug."

Valentino Rossi blickt mit Sorgenfalten auf die MotoGP-Saison 2019 - Foto: Yamaha

Auf dem Papier verfügen also Marquez und Vinales aktuell über die beste Rennpace für 2019. Im Fall von Marquez dürfte das der Realität sprechen, andere Piloten wie Dovizioso können im Ernstfall traditionell deutlich zulegen. Bei Vinales hingegen könnte die Statistik über eine tatsächliche Schwäche hinwegtäuschen. Yamaha hatte in den Rennen 2018 große Probleme mit dem Reifenverschleiß. Rossi ist der Meinung, dass man dieses Problem auch mit der ersten 2019er-Version noch nicht behoben hat. Zwar werden bei den Testfahrten längere Runs gefahren, mehr als sieben flotte Runden am Stück sind aber die absolute Ausnahme. Das sind in Valencia und Jerez nicht einmal ein Drittel der Renndistanz. Gut möglich also, dass Probleme für Vinales aktuell nur kaschiert werden.

Sturzbilanz nach Jerez und Valencia

Die MotoGP-Piloten hatten sich an den bisher vier Testtagen für 2019 gut im Griff. Auf den insgesamt 4873 gefahrenen Runden passierten ihnen insgesamt nur zwölf Stürze. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ein sehr geringer Wert. Vier der zwölf Crashes gingen dabei auf das Konto von Testfahrern: Ducati-Mann Michele Pirro stürzte gleich zwei Mal, Bradley Smith auf der Aprilia und Jonas Folger auf der Yamaha je einmal.

Dovizioso und Vinales crashten ebenfalls je einmal. Mehr als einen Sturz mussten von den Stammpiloten nur zwei Umsteiger hinnehmen. KTM-Neuling Johann Zarco landete zwei Mal im Kies, Aprilias Andrea Iannone sogar drei Mal. Ihm scheint die Umstellung von Suzuki auf Aprilia noch Probleme zu bereiten.

Andrea Iannone stürzte auf Aprilia schon drei Mal - Foto: gp-photo.de/Ronny Lekl

Bemerkenswert: Nur ein Sturz ging auf das Konto der vier Rookies. Joan Mir crashte in Jerez an Tag eins. Fabio Quartararo, Pecco Bagnaia und Miguel Oliveira blieben an allen vier Tagen sitzen.

Wo stehen die Titelanwärter?

Das sind also die nackten Zahlen zu den Wintertests. Wie gut vorbereitet sind die Spitzenpiloten aber tatsächlich? Marc Marquez wird 2019 wohl erneut der Mann sein, den es zu schlagen gilt. Er ist schnell und konstant, die Honda ihm auf den Leib geschneidert. Einziges Fragezeichen: In welchem Zustand wird Marquez' lädierte Schulter nach der Operation Anfang Dezember sein?

Jorge Lorenzo machte im Laufe der vier Testtage große Fortschritte. Seine Eingewöhnung auf der Honda RC213V scheint deutlich schneller und reibungsloser zu verlaufen als vor zwei Jahren bei Ducati. Gut möglich, dass Lorenzo bereits in seiner ersten Saison für den neuen Arbeitgeber ganz vorne mitmischen kann.

Andrea Dovizioso wird bestens vorbereitet in das neue Jahr gehen. Daran besteht kein Zweifel. Ducati muss an der Maschine, die in den letzten Rennen 2018 die wohl stärkste im Feld war, keine großen Veränderungen vornehmen. Man kann sich auf Details konzentrieren - eine sehr angenehme Position.

2019 erneut Titelanwärter: Andrea Dovizioso und Ducati - Foto: gp-photo.de/Ronny Lekl

Ähnliches gilt für Alex Rins und Suzuki. Die GSX-RR gehört mittlerweile zu den besten Motorrädern der MotoGP und Rins Leistungen in der zweiten Saisonhälfte 2018 waren beeindruckend. Kann man bei Suzuki noch etwas mehr Power finden und Rins seine Performance dieses Jahres bestätigen, ist mit ihm zu rechnen.

Sorgen muss man sich einmal mehr um Yamaha machen. Valentino Rossi malt den Teufel bereits an die Wand und warnt vor einer ähnlich schwierigen Saison wie 2018. Maverick Vinales zeigt sich noch optimistisch. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass der emotionale Spanier mit seinen Prognosen weit daneben liegt.

Und der Rest? Johann Zarco hat bei KTM noch viel Arbeit vor sich. Er gab offen zu, dass die Testfahrten bislang schlechter als erwartet liefen. Von Aprilia sind aktuell ebenfalls keine großen Sprünge nach vorne zu erwarten.

Für positive Überraschungen könnten 2019 Jack Miller, der bei Pramac Racing erstmals auf aktuellem Werksmaterial unterwegs ist, und Franco Morbidelli, der bei seinen ersten Ausfahrten auf Yamaha bereits schnell und konstant war, sorgen.


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