MotoGP

MotoGP-Analyse Sepang: Darum bezwang Marquez Rossi in Malaysia

Marc Marquez hat Valentino Rossi in Sepang in einen Fehler getrieben. Wir erklären, warum der MotoGP-Weltmeister wohl auch ohne Rossi-Sturz gewonnen hätte.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Valentino Rossi gegen Marc Marquez. Die beiden Superstars der MotoGP lieferten sich einen Kampf um den Rennsieg beim Malaysia-GP in Sepang. Ein Kampf, der durch den Sturz von Rossi eingangs der viertletzten Runde vorzeitig entschieden wurde. Zuvor schloss Marquez Zehntel für Zehntel auf, ein Krimi-Finale hätte ihn wohl eher als Sieger gesehen als den Doktor, wie unsere Rennanalyse zeigt.

MotoGP Sepang: Rossi wirft weg, Marquez siegt (Analyse): (10:22 Min.)

"Wenn Vale nicht gestürzt wäre, dann hätte ich es versucht. Ich war bereit für eine Attacke ganz am Schluss, hatte aber keinerlei Reserven mehr. Wir waren beide am Limit unterwegs", erklärte Marquez in der Pressekonferenz nach dem Rennen. Doch wie kam diese Ausgangslage eigentlich zustande?

Rossi ultra-konstant an der Spitze

Rossi setzte sich am Start zunächst in Führung, während Marquez zwei Runden brauchte, um sich nach der Grid-Strafe auf Position drei nach vorne zu arbeiten. Im fünften Umlauf war auch Johann Zarco fällig. Marquez nutzte einen kleinen Fehler des Franzosen, um den zweiten Platz zu übernehmen. Von da an nahm er die Verfolgung Rossis auf. Doch das gestaltete sich zunächst schwierig. Denn Rossi konnte an der Spitze seinen Strich durchziehen. Und legte dabei eine unfassbare Konstanz in seinen Rundenzeiten an den Tag.

Zwischen den Umläufen zwei und 15 setzte Rossi stets Zeiten im Bereich zwischen 2:00,9 Minuten und 2:01,1 Minuten. 0,275 Sekunden betrug in dieser Phase die Streuung zwischen schnellster und langsamster Rundenzeit. Erst danach ließ der Doktor mit einer 2:01,3 etwas nach, in der Runde darauf dann der Sturz. Aber auch Marquez war zwischen Runde zwei und 15 konstant gut unterwegs, bei ihm lag der Abstand zwischen schnellster und langsamster Runde auch nur bei 0,409 Sekunden.

Rossis Zeit von 2:01,3 in Umlauf 16 deutet allerdings schon an: Seine Reifen waren in dieser Phase des Rennens im Begriff, nachzulassen. Hier sieht der Doktor eine Schwachstelle der Yamaha: "In den letzten Rennen hatten wir beim Reifen-Abbau mehr Probleme als Honda und Ducati." Bei Rossi scheint dieses Problem jedoch nicht so gravierend gewesen zu sein wie bei den Yamaha-Kollegen Maverick Vinales und Johann Zarco, deren Zeiten in den letzten Runden stärker nachließen.

Marquez schont Reifen in der Renn-Mitte

Vinales hat einen Verdacht, warum das so war: "Mit diesen Reifen ist es sehr wichtig, eine freie Strecke vor sich zu haben. Sobald man vorne ist, kann man eine gute Pace gehen. Heute lag ich hinter Bautista und da war es unmöglich, schneller als 2:02 zu fahren. Als ich ein Mal an ihm vorbei war, fuhr ich sofort 2:01er-Zeiten." Diese Aussage zeigt, dass gerade in einem Glutofen wie Sepang die Temperaturen in den Michelin-Reifen schnell ins Unermessliche klettern können. Passiert das, ist der optimale Grip nicht mehr gegeben und man verliert an Tempo.

Dieser Umstand scheint auch bei Marquez, der wie Rossi auf die Kombination Medium-Soft gesetzt hatte, eine Rolle gespielt zu haben. Denn das Zeiten-Diagramm weiter oben zeigt auch, dass er auf seiner Aufholjagd vier Runden in Folge langsamer als Rossi unterwegs war. "Zu Beginn habe ich mit den Reifen zu sehr gepusht. Wenn sie überhitzen, dann ist es schwer, sie wieder ins richtige Fenster zu bringen. Ich habe etwas Tempo rausgenommen, weil ich es so nicht bis ins Ziel geschafft hätte", gibt der Weltmeister zu.

Marc Marquez nahm zur Rennmitte minimal Tempo raus - Foto: Repsol

Mit dieser Taktik fuhr Marquez unterm Strich jedoch besser als Rossi, obwohl er gleichzeitig ein paar Mal seine bekannten Saves auspacken musste. Innerhalb von vier Runden halbierte der Repsol-Honda-Pilot seinen Rückstand, von 1,247 Sekunden auf 0,648 Sekunden. Der Doktor versuchte sich gegen eine finale Attacke zu wehren und übertrieb es dabei in Runde 17. "Ich wollte bis zum Schluss hart pushen. Wenn überhaupt, sollte Marc erst so spät wie möglich eine Attacke setzen können. Natürlich habe ich gesehen, dass er näher kommt", erklärt Rossi seine Taktik für das Finale, sofern er denn sitzen geblieben wäre.

Fazit

Vieles spricht zumindest dafür, dass Marc Marquez in der Schlussphase Valentino Rossi wohl auch im direkten Zweikampf geschlagen hätte. Der Schlüssel dafür wären die Reifen aus dem Hause Michelin gewesen. Einerseits geht die Honda RC213V damit immer noch schonender um als die Yamaha M1. Andererseits hatte sich Marquez durch seine Taktik, gegen Rennmitte etwas Tempo rauszunehmen, Reserven für die Schlussphase geschaffen. Dagegen anzukommen wäre für Rossi nicht leicht geworden. Doch wer weiß, welchen Ausgang ein direkter Zweikampf letztlich genommen hätte? Dass beide in solchen Situationen über sich hinauswachsen, konnte man ja zum Beispiel schon 2015 bei der Dutch TT in Assen sehen.


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