Schneefall, Windböen, Hagel, Monsunregen - die MotoGP hat in ihrer fast 70-jährigen Geschichten schon alles an Wetter-Kapriolen gesehen. Immer wieder musste man den Launen von Petrus Tribut zollen und den Zeitplan verschieben. Die größten Wetter-Kapriolen in der Übersicht:

Phillip Island 2023

Den Verantwortlichen der MotoGP schwante bereits vor dem Australien GP übles. Aufgrund der Wettervorhersage für Sonntag wurde der Grand Prix auf den Samstag vorverlegt. Stattdessen sollte am Sonntag der Sprint gefahren werden. Die Betonung liegt auf sollte, denn die Wettervorhersage behielt recht. Regen und vor allem starke Winde machten einen Start der Königsklasse unmöglich. Die Moto3 hatte ihr Rennen noch durchbringen können, doch in der Moto2 wurde nach vielen Stürzen vorzeitig abgebrochen. Die Absage des Sprint 30 Minuten vor dem geplanten Start war die logische Folge und wurde von allen Seiten im Sinne der Sicherheit begrüßt.

Silverstone 2018

Für 2018 wurde am geschichtsträchtigen Silverstone Circuit eine vollkommen neue Asphaltdecke aufgetragen. Die über die Jahre hinweg entstandenen Bodenwellen sollten so beseitigt und die Sicherheit dadurch verbessert werden. Die Asphaltierungsarbeiten wurden aber absolut mangelhaft durchgeführt, die Bodenwellen waren teilweise schlimmer als zuvor. Außerdem leitete der neue Asphalt Wasser nicht so gut ab wie zuvor. Eine Kostprobe gab es im FP4, als mehrere Fahrer stürzten und sich Tito Rabat mehrfach das rechte Bein brach, nachdem er von Franco Morbidellis Bike getroffen wurde. Kurzfristig wurde der Zeitplan für den Rennsonntag noch geändert, doch es sollte nichts bringen. Viereinhalb Stunden lang wurden die Fans vertröstet, ehe man alle Rennen ersatzlos streichen musste.

Katar 2017

Buchstäblich ins Wasser fiel der Trainingssamstag zum Katar-GP 2017. Nachdem die Wettervorhersage schon Tage zuvor auf Regen hindeutete, kam in der Nacht von Freitag auf Samstag der lange erwartete Regenschauer. Von da an hieß es "Land unter" in der Wüste. Der Samstag fiel den Kapriolen komplett zum Opfer. Zunächst sollte die MotoGP-Klasse ein zusätzliches Regen-Training abhalten, das allerdings spontan wieder gestrichen wurde. Flüsse ronnen über den Kurs und sammelten sich in regelrechte Seen in den Auslaufzonen. Nach langem Hin und Her wurden schließlich alle Samstag-Sessions gestrichen und die Startaufstellungen nach den kombinierten Zeiten-Listen bestimmt.

Phillip Island 2016

Der Trainings-Freitag auf Phillip Island fiel 2016 sprichwörtlich ins Wasser. Bereits kurz nach Start der ersten Moto3-Session öffnete der Himmel seine Schleusen. In Folge dessen sollte es nicht mehr aufhören zu regnen. An reguläre Trainings war vor allem am Nachmittag nicht mehr zu denken. So wurde schon das FP2 der MotoGP um eine dreiviertel Stunde nach hinten verlegt - nur, um nach 13 Minuten Trainingszeit ganz abgebrochen zu werden. Die Moto2-Bikes blieben am Nachmittag gleich ganz in der Garage.

Motegi 2013

Foto: Milagro
Foto: Milagro

Auch in Motegi spielte das Wetter schon häufiger nicht mit, am schlimmsten erwischte es den MotoGP-Zirkus jedoch im Jahr 2013. Nebel, Regen, Erdbeben, Tsunami-Warnungen - Mutter Erde schien sich an jenem Wochenende gegen die MotoGP verschworen zu haben. Am Freitag mussten alle Sessions abgesagt und ein Notfall-Zeitplan ausgearbeitet werden. Auch am Samstag sah es nicht viel besser aus, jedoch konnten zumindest die Qualifyings stattfinden. Am Renn-Sonntag hingegen herrschte strahlender Sonnenschein. Den Sieg holte sich Jorge Lorenzo vor dem Repsol-Honda-Duo Marc Marquez und Dani Pedrosa.

Sepang 2012

Foto: Honda
Foto: Honda

Was wäre der Malaysia-GP ohne den für ihn berüchtigten Monsun-Regen? Schon die 2009er-Ausgabe, als Valentino Rossi seinen siebten Königsklassen-Titel fixierte, wurde von Regen heimgesucht. Doch am schlimmsten traf es die MotoGP in ihrer inzwischen 17-jährigen Geschichte in Sepang im Jahr 2012. Nach dem Moto3-Rennen begann es zu regnen, in Folge wurden die Bedingungen immer schwieriger. Schon das Moto2-Rennen wurde zur Regenschlacht. Beim Lauf der Königsklasse wurde es dann so schlimm, dass das Rennen wegen höchster Aquaplaning-Gefahr nach 13 der 20 Rennrunden abgebrochen werden musste.

Silverstone 2011

Foto: Milagro
Foto: Milagro

Wenn man schon von Wetter-Kapriolen spricht, darf natürlich auch Großbritannien nicht fehlen. Am furchtbarsten waren die Verhältnisse in der jüngeren Vergangenheit bei der 2011er-Ausgabe in Silverstone. Kein Zweifel, bei Lufttemperaturen von 11 Grad Celsius und heftigem Regen (und das Mitte Juni!) darf man die Bedingungen getrost als "very british" bezeichnen. So schlecht das Wetter war, Silverstone 2011 stellte gleichzeitig einen Feiertag für den deutschen Motorradsport dar: Jonas Folger holte im 125er-Rennen seinen allerersten Grand-Prix-Erfolg, in der Moto2 entschied Stefan Bradl das Rennen für sich.

Estoril 2010

Foto: Milagro
Foto: Milagro

Konnte das Wochenende in Silverstone noch irgendwie regulär über die Bühne gehen, so bescherte ein heftiges Sturmtief 2010 in Estoril den Organisatoren Kopfzerbrechen. Im FP1 waren die Bedingungen so schlecht, dass die wenigen Fahrer auf der Strecke auch bei langsamer Fahrt nur herumrutschten. Zwar besserte sich das für das FP2 und das ausgedehnte FP3. Doch nach langem Warten mussten die Qualifyings aller drei Klassen abgesagt werden. Über die Startfaufstellung entschied daher die kombinierte Zeitenliste der drei freien Trainings. Am Renn-Sonntag dagegen herrschte wieder Sonnenschein und Jorge Lorenzo schnappte sich den Sieg.

Katar 2009

Foto: Gresini Honda
Foto: Gresini Honda

Unglaublich, aber wahr: Auch in der Wüste von Katar wurde der Zeitplan schon mal über den Haufen geworfen, da sich Mutter Erde einmischte! Im Jahr 2009 war das der Fall, es war der erst zweite Grand Prix unter Flutlicht. Während des Rennens der 125ccm-Klasse begann der Regen herunterzuprasseln und so musste schon nach vier Runden abgebrochen werden. Auch der 250er-Lauf konnte nicht in voller Länge durchgezogen werden. Danach wollte es einfach nicht mehr aufhören zu schütten, und wegen der gefährlichen Lichtreflektionen durch die Flutlicht-Anlage kam es zu einem besonderen Kuriosum: Der Auftakt zur MotoGP-Saison fand an einem Montag Abend statt! Das Rennen gewann übrigens Casey Stoner vor Valentino Rossi.

Indianapolis 2008

Foto: A. Northcott/AJRN Sports
Foto: A. Northcott/AJRN Sports

Wenn wir bei Motegi 2013 schon eine Verschwörung von Mutter Erde gegen die MotoGP wittern, so muss im selben Atemzug auch die Premiere im legendären Nudeltopf von Indianapolis erwähnt werden. Hurrikan Ike sorgte damals für widrigste Verhältnisse, die Fahrer klagten neben Asphalt und Regen auch über die heftigen Windböen. Das würfelte auch am Renn-Sonntag den Zeitplan durcheinander. Das 125er-Rennen wurde sechs Runden vor Schluss abgebrochen, der Lauf der 250er-Klasse musste sogar ganz abgesagt und ersatzlos gestrichen werden. Auch das MotoGP-Rennen wurde vorzeitig beendet.

Shanghai 2005

Foto: Gauloises Racing
Foto: Gauloises Racing

Noch eine weitere MotoGP-Premiere von miserablem Wetter heimgesucht. Die Rede ist vom China-GP, der 2005 erstmals auf dem Shanghai International Circuit ausgetragen wurde. Das Rennen wurde zu einer veritablen Regenschlacht, die Valentino Rossi am Ende knapp für sich entschied. Auf Platz zwei kam der Mann des Rennens ins Ziel: Olivier Jacque, der bei Kawasaki den an der Hand verletzten Alex Hofmann ersetzte. Jacque ging von Platz 15 aus ins Rennen und pflügte sich im Regen durchs Feld. Rossi wusste erst nach der Zieldurchfahrt, wer ihn in der Schlussphase jagte. Seine Crew bastelte ihm zwar ein Schild mit Jacques Initialen "OJ" aus Klebeband für das Pit-Board, doch Rossi wusste nicht, wer sich hinter diesem Kürzel verbergen sollte.

Salzburgring 1982

All die Regenschlachten sind jedoch nichts im Vergleich zum Österreich-GP anno 1982. Das Rennen war das zweite der damaligen Saison und wurde am ersten Mai-Wochenende ausgetragen. Trotzdem wurde der Zirkus vom Wetter überrumpelt, denn Schneefall erwartete die Motorrad-WM zum Renn-Sonntag. Das Rennen fand trotzdem statt, Franco Uncini holte auf der Suzuki seinen ersten 500er-Sieg vor dem Yamaha-Quartett Barry Sheene, Kenny Roberts, Graeme Crosby und Boet Van Dulmen.

Jetzt seid ihr gefragt, liebe MSM-User

Valencia 1999, Suzuka 2002, Le Mans 2007... Die Liste der legendären Regenschlachten in der Motorrad-Königsklasse ließe sich noch beliebig weiterführen. Welche Regenrennen oder Wetter-Kapriolen hätten eurer Meinung nach noch eine Erwähnung verdient? Oder an welches Wetter-Chaos denkt ihr gerne zurück? Lasst es uns wissen und schreibt es uns in die Kommentare, liebe Motorsport-Magazin.com-User!