MotoGP

KTM stemmt sich geschlossen gegen MotoGP-Winglets

Die MotoGP-Winglets sind 2018 endgültig zurück. Eine Rückkehr, die vor allem KTM sauer aufstößt. Dort hat man kein Verständnis für das aktuelle Reglement.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Der Umgang der MotoGP mit dem Thema Aerodynamik wurde in den vergangenen Jahren durchaus zu einer Art Schmierenkomödie. Mit Saisonende 2016 wurden die Winglets an den Motorrädern verboten - eigentlich. Der etwas vage formulierte Paragraph im Reglement ermöglichte es nämlich den Herstellern, einfach eine zweite Verkleidungsschicht über ihre Flügel zu ziehen und plötzlich entsprachen sie wieder den Regeln. 2018 trieb man es noch einmal weiter und ist nun mehr oder weniger wieder auf dem Stand von 2016 angekommen. Lediglich die spitzen Enden der Flügel werden nicht mehr zugelassen.

Diese Entwicklung sorgt vor allem im Lager von KTM für Unverständnis. "Für mich ist es absoluter Schwachsinn, dass die MotoGP in diese Richtung abdriftet", findet Motorsportchef Pit Beirer im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com deutliche Worte. "Wir in der Sportabteilung haben von KTM ja einen klaren Auftrag und der ist, cooles Marketing für Motorräder zu machen - und nicht für kleine Formelfahrzeuge. Uns gefällt das nicht, es trägt weder zur Show, noch zur Sicherheit bei und es ist kostenmäßig völliger Irrsinn."

KTM: MotoGP-Einstieg nur unter gewissen Vorzeichen

KTM hatte ja vor seinem Einstieg stets klargestellt, nur unter gewissen Rahmenbedingungen ein MotoGP-Projekt umzusetzen. Dazu zählte, dass Kostentreiber wie die Elektronik reglementiert werden, was durch die Einführung der Einheits-ECU 2016 passierte. Nun hat man mit dem Aerodynamikwettrennen aber ein weiteres Feld geöffnet, auf dem Geld im großen Stil verbrannt wird. "Wir waren schon letztes Jahr dagegen. Damals hat uns aber jeder ausgelacht, weil sie geglaubt haben, dass wir nur dagegen sind weil wir selbst keine derartige Verkleidung haben. Jetzt haben wir sie, halten es aber immer noch für Schwachsinn", führt Beirer weiter aus.

REPLAY: KTM's MotoGP-Launch 2018: (46:55 Min.)

Während Beirer die Winglets in erster Linie aus finanzieller und marketingtechnischer Sicht Sorgen machen, hat Sebastian Risse, KTMs technischer Leiter in der MotoGP, noch ganz andere Bedenken: "Ich glaube, dass unser Sport besser dran wäre, wenn von vornherein klar ist, was erlaubt ist und was nicht. So etwas soll keine Verhandlungssache sein." Aktuell ist ja nicht fix vorgegeben, was die Hersteller an Flügeln an ihre Motorräder bauen dürfen. Die Entscheidung ob eine Verkleidung legal ist oder nicht, liegt immer bei Danny Aldridge, dem technischen Direktor der MotoGP. "Was wir bei den Wintertestfahrten an teils abenteuerlichen Lösungen gesehen hat, entspricht nicht wirklich dem Sinn des Reglements. Im Rennsport versucht man natürlich immer, die Grenzen auszuloten und wenn das Reglement in einer gewissen Art und Weise geschrieben ist, gibt es natürlich auch eine Möglichkeit, es zu umgehen. Mit der aktuellen Formulierung sind wir nicht besonders glücklich."

Leidet MotoGP-Racing unter Flügeln?

Mit immer radikaleren Aerodynamiklösungen, die für immer größere Luftverwirbelungen sorgen, könnte am Ende sogar das aktuell so großartige Racing in der MotoGP leiden. "2016 haben ja immer wieder Fahrer berichtet, wie schwierig es ist, hinter einer Ducati herzufahren", erinnert sich Risse. "Man konnte sie nur schwer ausbremsen, weil das eigene Motorrad beim direkten Hinterherfahren kaum mehr zu beherrschen war. Das fördert weder den Rennsport noch die Sicherheit. Mit den 2018er-Modellen haben wir diese extremen Eindrücke im Moment noch nicht, aber es wird natürlich immer weiterentwickelt. Die Gefahr besteht also auf jeden Fall."

Die 2016er-Ducati sorgte bei hinterherfahrenden Bikes für Probleme - Foto: Ducati

KTMs Teamchef Mike Leitner befürchtet auch, dass die Technik durch den Aero-Wettstreit zu stark in den Vordergrund tritt: "Die Show in der MotoGP ist aktuell gut, da muss man es nicht künstlich teurer und technischer zu machen. Andere Rennserien haben vorgezeigt, dass das nicht der richtige Weg ist. Es ist ohnehin schon viel Technik in diesem Sport. Man sollte die Winglets wieder verbieten, denn ohne die gab es vor 2015 auch guten Sport."

KTM lobbyiert für Verbot von MotoGP-Winglets

Deshalb wird sich KTM nun auch für ein endgültiges Verbot der Winglets einsetzen. Im Rahmen des Saisonauftakts in Katar gibt es ein erstes Meeting, in dem die Hersteller über die Regeln für 2019 beraten. Dort baut man bei KTM auf die Unterstützung von Promoter Dorna und der Teamvereinigung IRTA, die ebenfalls wenig begeistert von den neuen Verkleidungen sind. Auch der ein oder andere japanische Hersteller könnte sich auf die Seite KTMs schlagen, Widerstand wird auf jeden Fall von Ducati kommen. Motorsportchef Beirer will sich jedenfalls keine allzu großen Hoffnungen machen: "Wir sind das jüngste Mitglied hier und können daher nicht die Regeln machen. Wir müssen nach den Regeln spielen, die vorhanden sind."


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