MotoGP

Marc Marquez gibt zu: War unsicher, fehlerhaft, ängstlich

Marc Marquez holte in Valencia seinen vierten MotoGP-Titel. Sein Rennen war aber eine einzige Aneinanderreihung von Patzern, wie er gesteht.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Nach außen hin ist Marc Marquez die Coolness in Person. Egal ob schlechte Ergebnisse, technische Defekte oder Stürze - nichts scheint ihn aus der Ruhe bringen zu können. Im letzten MotoGP-Saisonrennen in Valencia, in dem er bei einem Sturz und gleichzeitigem Sieg von Andrea Dovizioso den Titel noch an seinen WM-Rivalen verlieren hätte können, spielten die Nerven des nun vierfachen MotoGP-Weltmeisters aber verrückt.

Dabei lief bis zum Rennstart eigentlich alles nach Plan. Marquez hatte seine Honda im Qualifying souverän auf Startplatz eins gestellt, Dovizioso ging nur von Reihe drei aus ins Rennen. Auch im sonntäglichen Warm Up gab Marquez die Pace vor. "Es war alles unter Kontrolle. Am Start war ich wirklich entspannt und sicher, dass ich den Titel holen werde", erklärt Marquez.

Im Rennen wendete sich das Blatt aber schnell. Marquez befand sich hinter dem Führenden Johann Zarco eigentlich in einer komfortablen Position. Immerhin fuhr mit Dani Pedrosa sein Teamkollege als Geleitschutz auf Rang drei, erst auf P5 folgte WM-Rivalen Dovizioso. Marquez entschied sich deshalb dazu, trotz deutlich besserer Pace hinter Zarco herzufahren: "Das war das Problem. Ich bin so viel langsamer gefahren, als ich es gekonnt hätte und habe deshalb völlig die Konzentration verloren."

MotoGP-Weltmeister 2017: Marc Marquez verteidigt Titel: (01:10 Min.)

Marquez attackiert, und verliert beinahe

Also entschloss sich Marquez dazu, nicht mehr länger hinter Zarco nachzufahren, sondern selbst das Heft in die Hand zu nehmen. In Runde 23 von 30 übernahm er in der letzten Kurve die Führung vom französischen Tech3-Piloten. Nur eine Kurve leistete sich Marquez aber einen Fehler, der ihm beinahe noch den Weltmeistertitel gekostet hätte. Er bremste in Turn 1 viel zu spät, verlor die Kontrolle über das Vorderrad und konnte nur in der für ihn typischen Manier mit Knie und Ellenbogen seine Honda RC213V noch vor einem Sturz bewahren. Er raste durch das Kiesbett an der Kurvenaußenseite und kehrte als Fünfter auf die Strecke zurück. "Ich habe gespürt, dass Johann dicht hinter mir ist, also habe ich versucht, besonders spät zu bremsen, denn ich wusste, dass er sonst einen Angriff probieren würde. Davor hatte ich Angst", beschreibt Marquez seinen Gedankengang.

Selbst für den 'König der Saves' war das nach diesem Fehler unausweichliche Rettungsmanöver in höchster Not ein echter Kraftakt: "Ich habe das Vorderrad verloren, aber am Hinterrad hatte ich noch Grip. Ich weiß, dass ich bei dieser Konstellation das Motorrad noch abfangen kann. Ich habe mir dann einfach geschworen, das Bike nicht loszulassen, vollkommen egal ob wir zusammen im Kies landen oder sogar in die Mauer einschlagen. Dann habe ich mit voller Kraft Ellbogen und Knie eingesetzt. Ich glaube aber, dass mir dieser Save nur gelungen ist, weil ich heute aufgrund der Wichtigkeit des Rennens diese besondere Spannung in mir hatte."

Ich habe mir geschworen, das Bike nicht loszulassen, vollkommen egal ob wir zusammen im Kies landen oder sogar in die Mauer einschlagen.
Marc Marquez

In der folgenden Runde stürzten mit Jorge Lorenzo und vor allem Andrea Dovizioso beide Ducati-Piloten innerhalb weniger Kurven aus dem Rennen. Marquez war somit fix Weltmeister und konnte eigentlich wieder befreit fahren, sein Valencia-GP blieb aber ein Chaos. Noch einmal kam er in Kurve eins von der Strecke ab und musste in die Auslaufzone. "Ich habe versucht, Dani und Johann noch einzuholen, mich dabei aber ständig verschalten und die Scheitelpunkte nicht getroffen."

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Erfrischend ehrliche Worte vom vielleicht besten Motorradpiloten der Geschichte! Man kann zu Marc Marquez stehen, wie man will, am Sonntag in Valencia zeigte er aber, warum er für die MotoGP Gold wert ist. Zum einen, weil wohl kein anderer Pilot auf diesem Planeten in seiner Situation ein solch spektakuläres Rennen gefahren wäre. Zum anderen, weil er diese dramatischen Momente auf eine lockere und lustige Art schildern kann, wie es nur ganz wenigen anderen Fahrern gelingt. Und vor allem, weil er und auch Andrea Dovizioso sich in dieser Saison mit großartigem Respekt begegneten. Harte Fights auf der Strecke und ein guter Umgang abseits davon. So gehört sich das für zwei Fahrer, die den MotoGP-Weltmeistertitel 2017 beide absolut verdient hätten. Gratulation an Marc Marquez, 'Hut ab' an Andrea Dovizioso und ein großer Dank an Beide für eine geniale Saison! (Markus Zörweg)


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