MotoGP

Andrea Dovizioso: Mit Psycho-Guru zum MotoGP-Seriensieger

In der MotoGP-Saison 2017 erleben wir einen völlig neuen Andrea Dovizioso. Großen Anteil daran hat der Mentalcoach des Ducati-Piloten: Amedeo Maffei.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Eine Leistungsexplosion im hohen Rennfahreralter, wie man sie in der jüngsten Vergangenheit von Andrea Dovizioso, ist eine absolute Ausnahme. Von seinen ersten 158 Rennen in der MotoGP gewann Dovizioso exakt eines, 2009 in Donington. In den letzten 17 Grands Prix der Königsklasse stand er hingegen gleich sechs Mal ganz oben auf dem Siegerpodest, fünf Mal davon in der laufenden Saison.

Wie ist ein derartiger Befreiungsschlag zu erklären? Natürlich, Dovizioso hat bei Ducati aktuell zum ersten Mal seit Jahren siegfähiges Material zur Verfügung. Die größte Veränderung machte aber wohl er selbst durch. Und das gelang ihm nicht alleine, sondern durch die tatkräftige Unterstützung eines Mannes: Amedeo Maffei.

Maffei gehört zu den angesehensten Mentalcoaches überhaupt und arbeitet seit Mitte des vergangenen Jahres mit Dovizioso, also ziemlich genau seit dem Moment, ab dem die Leistungskurve des mittlerweile 31-Jährigen steil nach oben zeigt. Maffei coachte bereits Geschäftsleute, Spitzenpolitiker, Kardinäle und sogar Gefängnisinsassen auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft.

Wir sind alle geboren, um zu siegen. Wir wissen es nur nicht.
Amedeo Maffei

"Wir sind alle geboren, um zu siegen. Wir wissen es nur nicht", erklärt er gegenüber Cycleworld. "Die gute Nachricht aber ist, dass die menschliche Psyche in der Lage ist, die dafür nötigen Fähigkeiten wieder zu erwecken. Vorhanden sind sie nämlich bereits. Sie werden lediglich von Ängsten und Hemmungen zurückgedrängt. Diese zu lösen, ist der Schlüssel zum Erfolg."

Tatsächlich war Dovizioso Talent stets unbestritten. Er war 2004 Weltmeister in der 125ccm-Klasse, musste sich bei den in der 250ccm-Gesamtwertung 2006 und 2007 nur seinem jetzigen Ducati-Teamkollegen Jorge Lorenzo geschlagen geben. Und auch in der MotoGP überzeugte Dovizioso durchaus. 2011 musste er etwa als WM-Dritter bei Repsol Honda seine Koffer packen und fuhr im Folgejahr auf der Kunden-Yamaha bei Tech3 zu Gesamtplatz vier.

Trotz WM-Rang drei musste Dovizioso seinen Platz bei Repsol Honda räumen - Foto: Repsol Honda

Seine Siegermentalität schien Dovizioso aber verloren zu haben, mit Hilfe von Amedeo Maffei hat er sie wieder gefunden. "Für einen Fahrer geht es nicht darum, Rennen zu fahren, um seine Gegner zu schlagen. Er muss Rennen fahren, um zu gewinnen", beschreibt Maffei, wie er Doviziosos Herangehensweise an den Motorradsport veränderte.

Viele Sportler denken schon vor einem Wettkampf darüber nach, wo die Grenzen liegen könnten. Wenn man das macht, existieren diese Grenzen auch tatsächlich!
Andrea Dovizioso

Dovizioso selbst streicht heraus, wie wichtig das mentale Training für ihn ist: "Es macht so viel aus, wenn man die Dinge mit einer positive Einstellung angeht. Es geht darum, wie man im Vorhinein über etwas denkt. Viele Sportler denken schon vor einem Wettkampf darüber nach, wo die Grenzen liegen könnten. Wenn man das macht, existieren diese Grenzen auch tatsächlich!"

Ein Fehler, den Dovizioso selbst lange Zeit machte. Der legendäre MotoGP-Arzt Dr. Costa teilte die Fahrer immer in schwarze und weiße Pferde ein, wobei die schwarzen irrational und die weißen rational fuhren. "Zu mir hat er immer gesagt, dass ich viel zu rational bin, zu viel nachdenke und zu wenig nach Gefühl handle. Und er hatte damit völlig recht", weiß Dovizioso heute. "In diesem Jahr bin ich öfter ein schwarzes Pferd und die Resultate sprechen für sich."

Dovizioso trainiert mit revolutionärem Gerät

Maffei unterstützt Dovizioso jedoch nicht nur im psychischen, sondern auch im körperlichen Bereich. Dabei nutzt er das von ihm entwickelte Keope-System. Diese Maschine aktiviert die wichtigsten Mechanorezeptoren im Körper, also Sinneszellen, die mechanische Kräfte in Nervenerregung umwandeln. Das soll das Gleichgewichtsgefühl der behandelten Person stärken und gleichzeitig durch einen schnelleren Abbau von Laktat die Regenerationszeit verringern.


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