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MotoGP

MotoGP Phillip Island: Blick auf die Australien-GP der letzten Jahre

Eine Verbindung wie die zwischen Casey Stoner und dem Kurs auf Phillip Island gibt es nur ganz selten. Sechs Mal in Folge siegte Stoner beim Heimrennen.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Phillip Island ist bekannt für seine flüssige, schnelle Strecke mit traumhaftem Panorama, schließlich ist die Küste nur wenige Meter vom Kurs entfernt. Die Charakteristik kam in der Vergangenheit vor allem Casey Stoner zugute, er war der große Dominator auf seiner Hausstrecke. Unmittelbar vor seinem Rücktritt wurde Stoner sogar die Ehre einer eigenen Kurve zuteil. Seine Siegesfahrten und die Rennen der letzten Jahre im Rückblick:

Phillip Island 2016: Crutchlow holt zweiten Sieg, Marquez crasht

Marc Marquez stürzt 2016 - Cal Crutchlow fährt danach zum Sieg - Foto: Repsol

Wetterchaos dominiert das Wochenende auf Phillip Island 2016. Erst am Rennsonntag herrscht zum ersten Mal Kaiserwetter. Trotzdem steht Marc Marquez auf Pole - und setzt sich gleich zu Beginn vom Feld ab. In der Verfolgergruppe mit beiden Espargaro-Brüdern und Andrea Dovizioso setzt sich Cal Crutchlow in Runde sieben durch, auch Valentino Rossi rauscht nach Aufholjagd von Startplatz 15 heran. Der Doktor macht kurzen Prozess und übernimmt in Runde zehn P3. Augenblicke später crasht Marquez und scheidet damit aus. In der Folge jagt Rossi Crutchlow im Kampf um den Sieg. Doch der Brite erweist sich an diesem Tag einfach als zu stark. Crutchlow erringt seinen zweiten MotoGP-Sieg vor Rossi. Im Dreikampf um P3 stürzt Aleix Espargaro fünf Runden vor Schluss und macht so den Weg frei für Teamkollege Maverick Vinales. Dovizioso wird Vierter. Marquez steht bereits als Weltmeister fest und hält nach 16 Rennen bei 273 Punkten, gefolgt von Rossi (216) und Lorenzo (192).

Phillip Island 2015: #TheIslandBattle schreibt Geschichte

Rad an Rad bei Highspeed ging es 2015 über alle 27 Runden - Foto: Yamaha

Der Australien-GP 2015 geht als eines der besten Rennen der Dekade in die Geschichte ein. Jorge Lorenzo vs. Valentino Rossi vs. Marc Marquez vs. Andrea Iannone - dieser Vierkampf um den Sieg riss alle vom Hocker, die dieses Rennen gesehen haben. Unzählige Male wechseln zwischen diesem Quartett die Positionen, besonders erwähnen sollte man hier das Doppel-Überholmanöver von Iannone gegen Rossi und Marquez drei Runden vor Schluss. Als erstem Fahrer des Spitzenquartetts gelingt es Lorenzo, sich ab Runde sechs ein kleines Polster heraus zu fahren, doch zehn Runden vor Schluss übernimmt Marquez erstmals die Führung. Lorenzo kontert wenige Umläufe darauf wieder und setzt sich wiederum etwas ab - bis zur allerletzten Runde. Dort dreht Marquez nochmals richtig auf und holt dank der schnellsten Rennrunde fast eine ganze Sekunde Rückstand auf. Am Ende hat so Marquez die Nase vorn, vor Lorenzo, Iannone und Rossi. Durch diesen Rennausgang spitzt sich auch der WM-Kampf zwischen Rossi und Lorenzo immer weiter zu. Nach 16 Rennen steht es nun nach Punkten 296:285 für den Doktor, Marquez hält als Dritter bei 222 Zählern.

Phillip Island 2014: Rossi spielt beim Sturzfestival seine Routine aus

Unbändige Freude: Rossi feiert seinen zweiten Saisonsieg 2014 standesgemäß - Foto: Milagro

Marc Marquez dominiert das Rennen auf der Insel. Er fährt den beiden Yamahas von Valentino Rossi und Jorge Lorenzo davon und führt schon mit vier Sekunden Vorsprung, ehe er in Runde 18 nach einem Sturz einen Nuller hinnehmen muss. Das Sieg-Duell der Yamahas entscheidet Rossi für sich. Lorenzo wird in der Schlussphase mit abbauenden Reifen immer langsamer, rettet aber Platz zwei, weil Pol Espargaro drei Runden vor Schluss und Cal Crutchlow in der allerletzten Runde crashen. Crutchlow war schon vorbei am Mallorquiner, während Espargaro Lorenzo immer näher kam. Auf Rang drei landet Bradley Smith, der in der spektakulären Verfolgergruppe das glücklichste Händchen hat. Andrea Iannone schießt nämlich Dani Pedrosa ab und Stefan Bradl befördert sich selbst und Aleix Espargaro aus dem Rennen. Vierter wird so Andrea Dovizioso vor Überraschungsmann Hector Barbera. Marquez verpasst seinen zwölften Saisonsieg, liegt aber nach 16 Rennen mit 312 Zählern unerreichbar vorne, während Rossi (255) den Grundstein für WM-Platz zwei gegen Lorenzo (247) gelegt hat.

Phillip Island 2013: Bridgestone sorgt für ein Chaosrennen

Verpokert: Marquez wechselte 2013 zu spät das Bike - Foto: Milagro

Bereits nach einer halben Stunde ist das Spektakel zu Ende. Wieso? Wegen der Reifen. Weil die Strecke einen neuen Asphalt verpasst bekommen hat und Bridgestone nur für maximal zehn Runden die Sicherheit der Reifen garantieren kann, wird die Renndistanz von 27 auf 19 Runden verkürzt, mit obligatorischem Pflichtboxenstopp zum Ende der neunten oder zehnten Runde. Eigentlich eine exakte Vorgabe – sollte man meinen. Denn Marc Marquez und seine Crew verpokern sich und wechselen eine Runde zu spät. Die Folge: Marquez wird disqualifiziert, während Lorenzo sich den Sieg vor Pedrosa schnappt und damit in der WM wieder deutlich aufholt.

Marquez, Pedrosa und Lorenzo fahren auch in Australien von Anfang an in ihrer eigenen Liga. Pedrosa eröffnet den Boxenstopp-Reigen in Runde neun und setzt damit seine Konkurrenten unter Druck. Eine Runde später kommt Lorenzo zum Service, während Marquez draußen bleibt – zur großen Verwunderung aller. In der elften Runde dann der Stopp von ihm, und bei der Ausfahrt berühren sich seine Honda und Lorenzos Yamaha bei fast 200 km/h. Keiner will nachgeben, doch Marquez fällt mit kalten Reifen in der zweiten Kurve noch hinter Pedrosa zurück. Diese Position muss Pedrosa wieder abtreten, weil er in der Boxeneinfahrt eine Begrenzungslinie überfahren hat, bekommt sie aber durch die schwarze Flagge für Marquez wieder zurück. Damit sind die ersten zwei Positionen bezogen. Den dritten Platz sichert sich Rossi erst im Fotofinish vor Crutchlow und Bautista. Marquez verpasst durch seinen Fehler die Vorentscheidung. Mit 298 Zählern liegt er nach 16 Rennen nur noch 18 Punkte vor Lorenzo und 34 vor Pedrosa.

Phillip Island 2012: Stoner holt sich den Sieg, Lorenzo die Meisterschaft

Machs noch einmal, Casey: Auf dem Weg zum Heimsieg 2012 - Foto: Honda

Bereits zu Beginn fallen die wichtigsten Entscheidungen des Tages. Pedrosa übernimmt nach wenigen Kurven das Kommando vor Stoner und Lorenzo in dem Wissen, alles geben zu müssen um die Chance auf den Titel aufrecht zu erhalten. Ein Ausfall nach Vorderradrutscher in Runde zwei beendet aber die Sieg- und Titelambitionen Pedrosas. Von da an ist Stoner wieder der überlegene Mann auf Phillip Island und fährt souverän vor Lorenzo zu seinem sechsten Heimsieg in Folge. Lorenzo reicht die zweite Position zum Gewinn des zweiten Titels. Auch der letzte Podestplatz ist bereits nach wenigen Runden vergeben, denn Cal Crutchlow setzte sich von der Verfolgergruppe ebenfalls ab. Um Platz vier kämpfen dagegen Dovizioso, Bautista und Stefan Bradl. Der Deutsche scheint hier dank seiner Reifenwahl auf der Siegerstraße zu sein, wird in den Schlussrunden von seinen beiden Kontrahenten aber wieder passiert und damit Sechster. Den zweiten Titel macht Lorenzo mit 350 Zählern nach 17 Stationen klar. Pedrosa (307) bleibt nur der Vizetitel vor Stoner (238).

Phillip Island 2011: 5. Heimsieg und 2. Titel für Stoner

Der 16. Oktober 2011: Für Stoner der perfekte Tag - Foto: Milagro

Ein Tag, an dem einfach alles für Casey Stoner angerichtet ist. Sein letzter verbliebener Titelkonkurrent Lorenzo crasht im Warm Up und muss verletzt aussetzen. Auf seiner Hausstrecke erreicht Stoner zudem an seinem 26. Geburtstag seinen fünften Australien-Sieg in Folge und sichert sich damit seinen zweiten MotoGP-Titel. Wie so oft kann sich Stoner auf Phillip Island trotz zwischenzeitlichen Schauers nur selbst schlagen, den restlichen nur 13 gestarteten Fahrern bleibt die Statistenrolle. Nach dem Start liegt Hayden auf Platz zwei, diesen ist er aber schnell an die restliche Honda-Meute (Simoncelli, Dovizioso, Pedrosa) los. Simoncelli liegt sicher auf der zweiten Position, bis der Regen einsetzt und es Dovizioso wieder erlaubt aufzuschließen. Die Positionen ändern sich nach harten Duellen aber nicht mehr. Der Regen in den Schlussrunden spült Alvaro Bautista auf Platz fünf liegend ebenso ins Aus wie Hiroshi Aoyama und Cal Crutchlow. Die WM hat Stoner nun mit 325 Punkten aus 16 Rennen sicher. Lorenzo ist noch Zweiter (260) vor Dovizioso (212).

Phillip Island 2010: Stoner erringt den für lange Zeit letzten Ducati-Sieg

Lange Zeit letzter Ducati-Sieg: Stoner 2010 - Foto: Milagro

Der 17. Oktober 2010 stellt ein historisches Datum dar: Stoner fährt den vorerst letzten Sieg eines Ducati-Fahrers in der MotoGP ein, erst im August 2016 beendet Andrea Iannone die rote Durststrecke. In eindrucksvoller Manier legt Stoner einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg hin und lässt zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Zweifel an seinem vierten Heimsieg aufkommen. Lorenzo entledigt sich dahinter auch rasch der Verfolgergruppe und fährt die zweite Position nach Hause. Um den letzten Podestplatz streiten sich Ben Spies, Hayden, Marco Simoncelli und Rossi. Rossi übernimmt nach einigen Runden die Spitze in dieser Gruppe, kann sich aber nicht von Hayden absetzen, während Spies und Simoncelli zurückfallen. Der dritte Platz geht erst im letzten Umlauf an Rossi. Drei Runden vor Schluss kann Hayden den Doktor überholen, wird aber trotz defensiver Fahrweise nochmal passiert. Im Zielsprint fehlen ihm nur wenige Tausendstel. Die WM hat Lorenzo schon für sich entschieden und liegt nach 16 Läufen bei 333 Punkten. Pedrosa (228) ist verletzt nicht an den Start gegangen und bleibt Gesamtzweiter vor Stoner (205).

Phillip Island 2009: WM-Vorentscheidung und Stoner-Hattrick

Stoner war für Rossi 2009 etwas zu schnell - Foto: Bridgestone

Pünktlich zu Casey Stoners drittem Heimsieg in Folge packt Ducati eine Sonderlackierung aus, die den Australier scheinbar beflügelt. Valentino Rossi bleibt zwar das ganze Rennen Stoner an den Fersen, schindet bei ihm aber nicht wirklich Eindruck. Eine Vorentscheidung im WM-Duell mit Jorge Lorenzo fällt ohnehin schon in der ersten Kurve zugunsten Rossis: Lorenzo touchiert bei der Anfahrt Nicky Haydens Hinterrad, woraufhin der Mallorquiner abfliegt und aufgeben muss. Hinter Stoner und Rossi, die einen einsamen Paarlauf an der Spitze hinlegen, fährt Dani Pedrosa ohne Gegner zu Platz drei. Der Blitzstarter hat zu Beginn zwar die Führung übernommen, musse aber schon in der zweiten Runde Stoner und Rossi, die deutlich schneller unterwegs sind, passieren lassen. Hinter Pedrosa fahren auch Alex De Angelis, Colin Edwards und Andrea Dovizioso ziemlich alleine auf den Plätzen vier bis sechs ins Ziel. Für Rossi sind die 20 Punkte für Platz zwei Gold wert. Nach 15 von 17 Rennen führt er mit 270:232 Punkten gegen Lorenzo, Stoner rückt mit nun 195 Zählern wieder auf Rang drei vor.

Phillip Island 2008: Stoner schüttelt alle ab

Auch Nicky Hayden konnte 2008 nicht lange mit Casey Stoner mithalten - Foto: Sutton

Eine Vorentscheidung fällt in diesem Rennen schon in der ersten Runde. Denn nach den ersten 4,5km haben sich Stoner und Hayden einen großen Vorsprung auf die Konkurrenz herausgefahren. Die Beiden umrunden die Insel in den ersten zehn Runden im Formationsflug, doch dann muss Hayden abreißen lassen. Stoner kommt so ungefährdet zu seinem zweiten Heimsieg in Folge. Rossi kämpft sich in den Anfangsrunden nach einer verpatzten Quali von Startplatz zwölf aus in die Verfolgergruppe vor. Doch der Doktor hat Mühe, sich an James Toseland vorbei auf Rang drei zu kämpfen. Gegen Mitte des Rennens hat es Rossi geschafft. Im letzten Renndrittel brechen Haydens Reifen dramatisch ein. Rossi holt immer mehr auf den Amerikaner auf und überholt ihn noch in der letzten Runde für Platz zwei. Hinter Hayden fällt die Entscheidung pro Lorenzo und gegen Shinya Nakano, Toseland und Dovizioso ebenfalls erst ganz zum Schluss. Nach dem 16. Lauf des Jahres führt Weltmeister Rossi mit 332 Punkten weit vor seinen Verfolgern Stoner (245) und Pedrosa (209).


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