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Verkleidungs-Verwirrung in der MotoGP: Was ist 2017 nun erlaubt, was verboten?

Flügel-Verbot, innenliegende Winglets, begrenzte Updates, Vorjahresmodelle - die Verkleidungsregeln der MotoGP sind 2017 ziemlich kompliziert. Wir klären auf.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP startet 2017 in eine neue Ära. Die optisch wenig ansprechenden und potenziell auch gefährlichen Flügel an den Außenseiten der Maschinen sind ab dieser Saison verboten. Die aerodynamische Entwicklung ist damit aber auf keinen Fall eingedämmt, denn auch das neue Reglement gesteht den Herstellern der Königsklasse trotz aller Einschränkungen und Verbote eine Menge Spielraum zu. Was nun wirklich erlaubt und verboten ist, darüber waren sich selbst die Konstrukteure zunächst nicht ganz einig. Mittlerweile sind die Spielregeln aber klar und mit unserer Übersicht behaltet ihr den vollen Durchblick:

Wie muss eine MotoGP-Verkleidung 2017 aussehen?

Die wichtigste Veränderung im neuen Reglement gegenüber den Vorjahren findet sich in Punkt 2.4.4.7.8 des MotoGP-Regelwerks: "Teile oder Formen, die aus der Verkleidung hervorstehen und nicht in die Stromlinienform integriert sind (z.B. Flügel, Finnen usw.) und einen aerodynamischen Effekt (z.B. Anpressdruck o.ä.) generieren, sind nicht erlaubt." Somit sind die Winglets in der MotoGP also Geschichte.

Yamahas neue Verkleidung entspricht dem Reglement - Foto: gp-photo.de

Sind Flügel an der Innenseite einer Verkleidung erlaubt?

Grundsätzlich: Ja! Aerodynamische Elemente innerhalb der Verkleidung sind erlaubt, allerdings dürfen sie nicht dazu führen, dass die Carbonhülle an dieser Stelle eine scharfe Ausbuchtung erhält. Was erlaubt ist und was nicht, entscheidet schlussendlich einzig und allein Danny Aldridge, der technische Direktor der MotoGP. Die Hersteller haben die Möglichkeit, Aldridge entweder detaillierte Pläne ihrer Verkleidungen, oder Prototypen dieser zu übermitteln. Auf Basis dieser Informationen entscheidet der technische Direktor dann, ob das Modell eingesetzt werden darf.

Wie viele Updates sind erlaubt?

Bisher durften die MotoGP-Hersteller ihre Verkleidungen so oft ändern, wie sie das wollten. Um die Entwicklungskosten für Aerodynamik zumindest etwas einzudämmen, wurde dem nun ein Riegel vorgeschoben. Von 2017 an ist nur noch ein Update pro Saison erlaubt. Dieses Update gilt pro Fahrer, nicht pro Hersteller. Außerdem werden der vordere Kotflügel und die restliche Verkleidung als zwei getrennte Komponenten gesehen, können also zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Saison verändert werden. Von 2018 an darf jeder Fahrer nur mit einer Verkleidungsversion in die Saison starten und dann das Update ziehen, als kleines Zugeständnis im ersten Jahr des neuen Reglements dürfen die Piloten 2017 aber mit einem Vorjahresmodell und einer neuen Version in die Saison gehen.

Die homologierten Verkleidungsteile dürfen beliebig gemischt werden - Foto: Repsol Media

Konkret bedeutet das: Jeder Fahrer wird beim Saisonauftakt in Katar zwei Verkleidungsversionen zur Verfügung haben. Die neue Version, die vor dem ersten Rennwochenende homologiert werden muss, und ein Modell aus dem Vorjahr, das vor dem Saisonende 2016 erstmals homologiert wurde. Er darf dann im Laufe der Saison 2017 je einen neuen vorderen Kotflügel und eine neue, restliche Verkleidung bringen. Wenn das geschieht, muss aber eine der beiden ursprünglich homologierten Versionen - also die 2017er-Ursprungsvariante oder das Vorjahresmodell - zurückgezogen werden. Einzelne Komponenten, also etwa der 2016er-Kotflügel und die upgedatete 2017er-Verkleidung, dürfen vermischt werden. Außerdem ist jegliche Art von Materialentfernung, also etwa das Abtrennen von Teilen oder das Bohren von Löchern erlaubt, ohne die Homologation zu beeinflussen. Es darf aber kein Material hinzugefügt werden.

Fahren alle Hersteller unter dem gleichen Reglement?

Nein. Während die Piloten Honda, Yamaha, Ducati, Suzuki und Aprilia wie oben bereits erklärt nur je ein Update am Kotflügel und der restlichen Verkleidung einsetzen dürfen, wurde den Neueinsteigern von KTM vollste Entwicklungsfreiheit zugestanden. Die Österreicher müssen sich also nur an die grundlegenden Bestimmungen handeln, können innerhalb dieser aber beliebig viele Updates für ihre beiden Piloten Pol Espargaro und Bradley Smith bringen.

KTM MotoGP Launch 2017: (04:35 Min.)


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