MotoGP

Jorge Lorenzo: Formel 1 und MotoGP können voneinander lernen

Sie sind die Königsklasse in ihrer Disziplin: F1 und MotoGP. Doch beide Serien haben Nachbesserungs-Bedarf. Jorge Lorenzo meint: Beide können voneinander lernen
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP boomt, die Formel 1 dagegen steckt seit Jahren in der Krise. Da liegt der Schluss nahe, dass MotoGP-Promoter Dorna alles richtig macht, und sich die Formel 1 mit unglücklichen Entscheidungen immer wieder selbst ins Knie schießt. Doch der dreifache MotoGP-Weltmeister Jorge Lorenzo betonte nun jüngst im Gespräch mit Crash.net: "Einfach gesagt: die Formel 1 kann auf der Strecke von der MotoGP lernen, die MotoGP dafür neben der Strecke von der Formel 1." In den Augen vieler Fans wohl eine steile These, die Lorenzo da aufstellt. Motorsport-Magazin.com nimmt das zum Anlass für eine Gegenüberstellung:

Lorenzo: Das kann die Formel 1 von der MotoGP lernen

  • Action auf der Strecke: Egal, in welchen Internet-Foren man unterwegs ist. Der einhellige Tenor lautet meist: "Formel 1 ist eine Schnarchveranstaltung bei der sowieso immer dasselbe Team gewinnt. Schaut doch MotoGP, das ist noch richtiges Racing!" Eine Stimmung, die auch Lorenzo aufgreift: "Ich denke, MotoGP ist momentan die größte Show im Motorsport. Sie ist viel spektakulärer und macht mehr Spaß als die Formel 1." Eine Mitschuld an diesem Phänomen trägt jedoch auch die grundlegende Charakteristik des modernen Zwei- und Vierrad-Sport.

    MotoGP trifft F1: Impressionen von Jorge Lorenzos Mercedes-Test: (03:59 Min.)

    Motorradfahrern sieht man den Kampf mit ihren Maschinen immer mehr an, je stärker man sich dem Limit annähert. Die Formel 1 dagegen wirkt durch den enormen Abtrieb, die gute Traktion und das notwendige Reifen- und Benzin-Management mittlerweile wie eine gemütliche Sonntags-Spazierfahrt. Keinen Gefallen tut sich die Formel 1 zudem durch die teilweise überhastete und oftmals intransparente Strafen-Aussprechung, während in der MotoGP lediglich das Überschreiten der Track Limits beanstandet wird.

  • Social-Media-Auftritt: Einen Punkt jedoch hat Lorenzo in seinen Ausführungen völlig außer Acht gelassen. In der Gegenwart ist TV-Präsenz allein nicht mehr alles. Viele Fans verfolgen den Sport über einen Second Screen, daher ist auch eine gute Versorgung über die Sozialen Netzwerke notwendig. Lange Zeit wurde diese Möglichkeit, Fans für sich zu gewinnen und mit Fans zu interagieren, von der Vierrad-Königsklasse geradezu stiefmütterlich behandelt.

    Erst in den letzten ein, zwei Jahren ist die F1 verstärkt bei Facebook, Twitter, YouTube und Co. engagiert. Unter den neuen Eignern von Liberty Media soll die Online-Präsenz nun gründlich überarbeitet werden. Die MotoGP dagegen wusste Soziale Medien von Anfang an für sich zu nutzen und präsentierte sich 2016 in der Motorsport-Landschaft auch als kreativer Pionier in Sachen Hashtags. Für den zweiten Moto2-Titelgewinn von Johann Zarco erfand man beispielsweise den Hashtag #2arco. Für Andrea Doviziosos Sieg in Malaysia schuf man den Hashtag #DoviOnCloud9.

Lorenzo: Das kann die MotoGP von der Formel 1 lernen

  • Exklusiver Kreis im Paddock: Valentino Rossi musste es erst jüngst beim Valencia-GP am eigenen Leib erfahren: Aktuell tummeln sich in den meisten MotoGP-Paddocks zu viele Menschen. Nach Rossis Zusammenprall mit einem unachtsamen Fan und der daraufhin abgewiesenen Klage gegen den Doktor stellt Lorenzo klar: "Ich kann keine Minute da draußen verbringen, denn es ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Man kann sich keinen Meter bewegen, ohne dass ein Fan ein Foto mit dir machen möchte."

    Im F1-Paddock geht es übersichtlicher zu - Foto: Sutton

    Formel-1-Stars können sich im Vergleich dazu frei im Fahrerlager bewegen, auch wenn sie natürlich gerne von Fans aufgehalten und um Fotos und/oder Autogramme gebeten werden. Doch die Formel 1 muss sich auch immer wieder Vorwürfe gefallen lassen, man wäre eine isolierte Welt in der wenig Wert auf Fan-Nähe gelegt wird. Für die MotoGP gilt es in dieser Hinsicht, ein gesundes Mittelmaß zu finden. Die Nähe zum Fan muss gewährleistet bleiben, dennoch sollte man seinen Stars nicht leichtfertig irgendwelchen Gefahren aussetzen, wenn es schon auf der Rennstrecke gefährlich genug zugeht.

  • Bessere Sponsoren-Akquise: Lorenzo argumentiert zudem, dass es der Formel 1 leichter fällt, hochkarätigere und zahlungskräftigere Sponsoren zu gewinnen als die MotoGP. "Bei den Sponsoren ist die Formel 1 auch professioneller. Sie sind anders und hochrangiger als in der MotoGP", meint Lorenzo. Damit mag Lorenzo zwar Recht haben, doch man muss auch bedenken: Die Formel 1 hat weltweit immer noch eine größere Reichweite als die MotoGP und ist ergo lukrativer für Sponsoren.

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