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MotoGP

Schon wieder zu aggressiv? - Honda droht 2016 nächstes Motorendebakel

Hondas Motor für die abgelaufene Saison war ein völliger Rohrkrepierer. Für das kommende Jahr sieht es aktuell aber nicht viel besser aus.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Unfahrbar. So einfach lässt sich die Honda RC213V des Jahrgangs 2015 in einem Wort beschreiben. Sechs Stürze von Marc Marquez in 18 Rennen sprechen eine deutliche Sprache. Die Rückkehr zum Chassis aus seiner überragenden Saison 2014 brachte zwar eine leichte Besserung, wirklich gelöst werden konnten die Probleme damit aber nicht. Sie lagen zum überwiegenden Teil nämlich in einem anderen Bereich - dem Motor. Der durfte aber aufgrund des Reglements während der Saison nicht verändert werden, bei Honda musste man also mit dem vorhandenen Triebwerk leben.

Nun ist die Saison 2015 aber vorüber. Neues Jahr, neues Glück für Honda also. Bei den Testfahrten in Valencia waren Marquez und auch Repsol-Teamkollege Dani Pedrosa erstmals mit dem neuen Motor für 2016 unterwegs. In den zwei Testtagen nach dem Saisonfinale hielten sich aufschlussreiche Erkenntnisse noch in Grenzen, zu groß war die Umstellung auf die neuen Michelin-Reifen und die Einheitselektronik.

Der Motor ist im niedrigen Drehzahlbereich ziemlich aggressiv.
Marc Marquez

Bei den Testfahrten in dieser Woche in Jerez sah das aber schon anders aus. Man weiß bei Honda mittlerweile einigermaßen, wo man in puncto Reifen und Elektronik steht und kann so auch das Verhalten des Motors besser einschätzen. Die Hiobsbotschaft für Honda: Marquez' und Pedrosas erste Kommentare klingen ziemlich ähnlich wie das, was man auch in diesem Jahr oft von ihnen gehört hat. "Der Motor ist im niedrigen Drehzahlbereich ziemlich aggressiv", erläuterte Marc Marquez und zog direkt Parallelen zum Vorgängermodell. "In diesem Jahr war der Motor oben raus zu aggressiv, da ist er jetzt sanfter. Dafür haben wir eben das Problem am anderen Ende der Drehzahlpalette." Marquez gesteht, dass er und die Ingenieure bisher kein Mittel finden konnte, um diesem Problem Herr zu werden: "Wir wissen noch nicht, wie wir das extreme Drehmoment auf den Asphalt bringen sollen."

Vor allem am Kurvenausgang hat Marquez Probleme - Foto: HRC

Renndistanz als Sorgenkind

Das sorgt bei Marquez für extreme Wheelies und Traktionsprobleme am Kurvenausgang. Hier zeigt sich eine weitere gemeinsame Schwäche mit dem 2015er-Bike, das im Qualifying Marquez zwar Fabelzeiten ermöglichte, ihn im Rennen aber regelmäßig abwarf. Über eine Runde stellen nämlich auch die aktuellen Zicken der Honda kein allzu großes Problem dar, doch über eine Renndistanz wird Marquez damit ziemlich sicher Probleme bekommen. "Mit neuen Reifen kann man sich daran noch anpassen, aber in den nächsten Runden wird das Fahrverhalten dann immer unterschiedlicher. Manchmal gibt es mehr Wheelies, manchmal weniger, aber es ist nie konstant", bestätigt Marquez.

Es ist definitiv keine einfach Situation.
Dani Pedrosa

Dani Pedrosas Einschätzung des neuen Motors fiel etwas zurückhaltender aus, überzeugt klang aber auch er nicht: "Es ist definitiv keine einfache Situation. Wir wollen nicht wieder den gleichen Fehler wie in diesem Jahr machen. Wenn das Gefühl für einen neuen Motor gleich gut ist, sind die folgenden Entscheidungen einfach, aber jetzt ist es immer ein Für und Wieder. Wir müssen uns genau überlegen, in welche Richtung wir nun gehen, denn während der Saison können wir ja nichts mehr ändern."

Honda hat noch bis zur Versiegelung der Motoren direkt vor dem Saisonauftakt in Katar Zeit, Veränderungen vorzunehmen. Von da an sind sämtliche Updates verboten.


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