MotoGP

Ride-Through-Strafe für Rossi die bessere Lösung? - Rossi bestraft: Die Alternativen der Rennleitung

Eine Ride-Through-Strafe für Rossi in Sepang hätte auf den ersten Blick härter gewirkt als die Rückversetzung in Valencia. Doch ist dem wirklich so?
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Eines vorweg: Valentino Rossi wird in Valencia definitiv vom letzten Startplatz ins Rennen gehen. Die Entscheidung der Rennleitung wurde auch nach dem Einspruch durch Yamaha bestätigt und ist somit endgültig in Stein gemeißelt. Sämtliche Petitionen für eine Aufhebung der Strafe Rossis sind ein schönes Zeichen der Unterstützung für den Bestraften, aber eben auch kein bisschen mehr. Neben der Vergabe von drei Strafpunkten an Rossi hätte die Rennleitung aber auch noch zahlreiche andere Möglichkeiten gehabt, ihn für sein Verhalten zu bestrafen. Hier alle möglichen Schritte laut Paragraph 1.21.2 des sportlichen Reglements, von denen jeweils nur einer angewandt werden darf:

Ride-Through-Penalty

Diese Strafe wurde von vielen Experten bereits während des Rennens gefordert. Nicht zuletzt auch, weil Marco Simoncelli 2011 in Le Mans, nachdem er Dani Pedrosa vom Motorrad geholt hatte, mit genau solch einer Ride-Through-Penalty belegt wurde. Eine gewisse Analogie ist also festzustellen. Das Problem hierbei wäre gewesen, dass eine Entscheidung während des Rennens fallen hätte müssen. Anhand der Komplexität der Situation und der bis heute auseinander gehenden Meinung wäre das aber wohl nicht möglich gewesen. Dennoch ist die Frage interessant, ob diese Strafe für Rossi härter oder milder gewesen wäre als die Rückversetzung für Valencia.

Sein Startritual muss Rossi in Valencia am Ende des Feldes durchgehen - Foto: Milagro

Eine Ride-Through-Penalty kostet in Sepang rund 27 Sekunden. So viel hat zumindest Anthony West bei seiner Strafe im Rennen von 2007 verloren. Damit hätte Rossi am Sonntag gegen Danilo Petrucci um Rang sechs kämpfen können. Man darf davon ausgehen, dass er dieses Duell gewonnen hätte. Als Sechster hätte er somit zehn Punkte in der Weltmeisterschaft gesammelt und würde mit einem Punkt Vorsprung nach Valencia kommen, hätte die Entscheidung also absolut selbst in der Hand.

Disqualifikation

Die Rennleitung hätte natürlich auch die Möglichkeit gehabt, Rossi vom Rennen auszuschließen. Eine sofortige Disqualifikation mittels schwarzer Flagge wurde an der Strecke von einigen Beobachtern, darunter Ex-Simoncelli-Manager Carlo Pernat, lautstark gefordert. Auch hier hätte die Rennleitung aber freilich während des Rennens eine sehr schnelle und in diesem Fall wohl auch sehr harte Entscheidung treffen müssen.

Abzug von Weltmeisterschaftspunkten

Nachdem sie Rossi nicht vorzeitig aus dem Rennen genommen hatte, gab es für die Rennleitung immer noch die Möglichkeit, ihm von seinen 16 errungenen Punkten für Rang drei einige abzuziehen. Wie viele, liegt hierbei im Ermessen der Rennleitung. Diese Strafe findet aber ohnehin nur äußert selten Anwendung.

Die Kollision hätte Rossi im Nachhinein noch Punkte kosten können - Foto: Milagro

Sperre

Die Höchststrafe für Rossi! Bei einer Sperre für das Finale in Valencia hätte er den Titel Jorge Lorenzo praktisch kampflos überlassen müssen. Eine solch harte Strafe wird aber in der Regel nur ausgesprochen, wenn sich ein Fahrer mehrere schwere Vergehen in kurzer Zeit zuschulden kommen lässt. Mit Ausnahme der Blockade von Jorge Lorenzo im Qualifying von Misano, die noch dazu nicht unbedingt beabsichtigt wirkte, hatte sich Rossi in jüngster Vergangenheit ja durchwegs sauber verhalten.

Rückversetzung in der Startaufstellung

Rossi wurde zwar für Valencia auf den letzten Startplatz versetzt, das war aber lediglich eine Folge der Vergabe von drei Strafpunkten. Er hätte auch ohne diese Penalty Points rückversetzt werden können. Während er durch insgesamt vier Strafpunkte definitiv ans Ende des Feldes muss, wäre bei einer gewöhnlichen Rückversetzung jede Anzahl an Startplätzen möglich gewesen.

Positionstausch oder Zeitstrafe

Diese Strafe wäre zwar möglich gewesen, für ein Manöver wie das von Rossi aber eher untypisch. Ein Positionstausch, also für gewöhnlich das Zurückfallen lassen um eine Position, wird eher beim Missachten von Streckenlimits oder ähnlichen Vergehen angewandt. Selbiges gilt für eine Zeitstrafe, die bei derartigen Situationen meist nach dem Rennen ausgesprochen wird.

Geldstrafe

Mit dieser Strafe hätte sich die Rennleitung wohl etwas lächerlich gemacht. Ein paar tausend Euro weniger auf dem Bankkonto mögen vielleicht einem 16-jährigen Moto3-Piloten schmerzen. Für Multimillionär Rossi, der jahrelang bestverdienender Sportler Italiens war, ist das aber wohl noch nicht einmal der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.


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