Der Sturz im regnerischen Silverstone kostete Marc Marquez endgültig den Weltmeister-Titel. Es wäre der Dritte in Folge gewesen, seit seiner Rookie-Saison in der MotoGP 2013. Sicher eine herbe Enttäuschung für den 22-Jährigen, der in dieser Saison schon vier Stürze auf seinem Konto hat. Und auch, wenn er in die WM nicht mehr eingreifen kann, bleibt es laut ihm im Kampf um den Titel trotzdem spannend.

Nach dem Silverstone-GP konnte sich auch Marquez nicht entscheiden, ob nun Jorge Lorenzo oder Valentino Rossi der wahrscheinlichere Titelanwärter ist. "Es sieht interessant aus, denn wenn man nach dem reinen Speed geht, sieht es so aus, als ob Jorge der Schnellere wäre. Valentino ist aber unfassbar konstant und kann von jedem Problem von Jorge profitieren", sagt Marquez, jedoch nicht, ohne fortzufahren. "Wir werden aber versuchen, ab jetzt in jedem Rennen mitzureden."

Der Titelkampf zwischen Lorenzo und Rossi bleibt weiterhin offen -
Der Titelkampf zwischen Lorenzo und Rossi bleibt weiterhin offen -Foto: Yamaha

Nicht zu schlagen

Marquezs Ungewissheit über den Ausgang der aktuellen WM ist nur zu gut verständlich. Kein Fan und auch kein Experte können den genauen Verlauf der Weltmeisterschaft erahnen, denn beide Yamaha-Werkspiloten sind in der Form ihres Lebens. Statistisch gesehen hat Lorenzo mit seinen fünf Siegen zwar einen mehr eingefahren als Teamkollege Rossi, dieser war dafür aber in jedem Rennen auf dem Podium. Es vermag wohl niemand zu beurteilen, was die größere Leistung ist. Beides zeigt, dass der Titelkampf zwischen Lorenzo und Rossi nicht durch Überlegenheit entschieden wird.

Das Glück scheint eher auf Seiten des neunfachen Weltmeisters zu sein, der nach einer fantastischen Leistung im Regen von Silverstone das vierte Mal siegen konnte. Lorenzo hingegen hatte auf britischem Boden in dieser Saison erneut mit Visier-Problemen zu kämpfen. Nachdem er mit dem vierten Platz in der Tasche zurück in die Box kam, war die einzige Geste, die er seinem Team zukommen ließ, ein Fingerzeig auf sein komplett beschlagenes Visier. Zuvor hatte sich beim Saisonauftakt in Katar die Polsterung seines Helmes gelöst und vereitelte so Lorenzos Jagd nach dem ersten Sieg, den sich zu allem Überfluss auch noch der Teamkollege schnappte.

Entscheidende Kleinigkeiten

In einem so engen Titelkampf sind es eben Kleinigkeiten, auf die es ankommt. Genau die Probleme, auf die Marquez am letzten Rennsonntag in Silverstone hinwies. Kämpft Lorenzo mit etwas, ist Rossi Fuchs genug, daraus seine Vorteile zu ziehen. Ein ähnliches Unglück ist dem Doktor in dieser Saison noch nicht passiert. Überhaupt scheint das Glück von Anfang an auf Rossis Seite gewesen zu sein. Ausfälle oder Stürze in der Königsklasse? Bis auf ein paar Ausnahmen Fehlanzeige.

Nach dem Großbritannien-GP trennen nun zwölf Punkte die beiden Yamaha-Fahrer. Bei weitem kein Polster, auf dem der Führende Rossi sich ausruhen könnte. Denn sollte Lorenzo in den noch folgenden Rennen wieder eine derart konstante Leistung wie in Brünn abliefern, wird es für den Italiener ein hartes Stück Arbeit, an dem Mallorquiner vorbei zu kommen. Doch letztendlich ist es genau das, was die Fans und Zuschauer sehen wollen und was die diesjährige MotoGP-Saison zu einer der spannendsten in der Geschichte macht.