MotoGP und Moto3 waren 2025 zweifelsfrei One-Man-Shows. Marc Marquez dominierte die Königsklasse auf dem Weg zu seinem neunten WM-Titel nach Belieben und bei den Kleinsten fuhr Jose Antonio Rueda Kreise um seine Rivalen. Auf einen dramatischen WM-Kampf müssen Fans der Motorrad-Weltmeisterschaft 2025 deswegen aber keinesfalls verzichten. Denn in der Moto2 deutet alles auf ein packendes Finale in Valencia hin, nachdem der Malaysia-GP vor anderthalb Wochen die nächste dramatische Wendung im Titelkampf gebracht hatte.

Sturz in Sepang: Manuel Gonzalez wirft WM-Führung weg

Was passiert war? Im Angesicht des inzwischen glücklicherweise gut ausgegangenen Moto3-Kollisionsdrama um den Schweizer Noah Dettwiler etwas untergegangen, hatte sich der bisherige Moto2-WM-Leader Manuel Gonzalez in Sepang einen dicken Patzer erlaubt. Drei Runden vor Schluss lag er auf Platz fünf und somit direkt vor Titelrivale Diogo Moreira. Seinen Vorsprung von zwei Punkten hätte er damit minimal ausbauen können, doch dann der große Schock: Gonzalez stürzte in der Schlusskurve T15 und verlor damit nicht nur elf essentielle WM-Punkte, sondern auch die Führung in der Weltmeisterschaft, die er seit seinem Heimsieg in Jerez inne gehabt hatte.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände, wie sich später herausstellen sollte. Nach einem Sturz von Joe Roberts musste das Moto2-Rennen nämlich abgebrochen und über eine verkürzte Distanz neu gestartet werden. Die Pause nutzte man bei Intact GP aber nur, um einen frischen Hinterreifen aufzuziehen, der Vorderreifen blieb unangetastet. Rückblickend vielleicht ein Fehler, denn "wir hatten unsere Probleme mit frischen Reifen während des Wochenendes zwar gelöst, sind dafür aber scheinbar auf alten Reifen schlechter geworden."

Die ohnehin schon instabile Front der Kalex-Maschine wurde in den letzten Runden des Malaysia-GPs dadurch noch anfälliger. Doch Gonzalez war auch gewarnt, wäre er in der letzten Kurve des Sepang International Circuits doch schon am Freitag fast gestürzt. Einzig ein starker Save verhinderte seinen Abflug damals. "Ich war in den letzten Runden deswegen besonders vorsichtig, weil ich wusste, dass ich nicht mehr viel [Gummi, Anm.] übrig hatte. Ich war vorsichtig am Kurveneingang und habe meinen Fahrstil angepasst, damit genau das [der Sturz, Anm.] nicht passiert", berichtete der 23-Jährige aus Madrid im Interview mit den spanischen TV-Kollegen von 'DAZN'. Doch der Sturz passierte halt trotzdem. "Das ist sehr ärgerlich" , haderte er angefressen.

Manuel Gonzalez: Seit der MotoGP-Sommerpause im Formtief

Für Gonzalez und Intact GP setzte sich in Malaysia damit eine alarmierende Entwicklung fort. Seit Ende der Sommerpause kam die Startnummer 18 lediglich beim Katalonien-GP Anfang September vor WM-Rivale Moreira ins Ziel, zog zuletzt fünfmal in Folge den Kürzeren. Nur einmal schnitt Gonzalez in den letzten sechs Grands Prix besser als Platz vier ab, ausgerechnet diesen zweiten Rang im Indonesien-GP verlor er rückwirkend allerdings aufgrund einer unverschuldeten Disqualifikation. Aus 60 Punkten Vorsprung auf Moreira nach dem Tschechien-GP Mitte Juli sind so dreieinhalb Monate später neun Punkte Rückstand geworden.

Das Momentum im Moto2-Titelkampf liegt also klar auf Seiten Moreiras, der mit seinem geglückten MotoGP-Aufstieg zur kommenden Saison auch abseits der Strecke einen empfindlichen Punktsieg gegen den bei Intact GP in der Moto2 bleibenden Gonzalez gelandet hatte. Geschlagen geben will sich der Spanier deswegen aber noch lange nicht. "Es stehen noch zwei Rennen aus, es gibt noch 50 Punkte. Wir werden bis zum Schluss kämpfen", lautet die klare Botschaft. Von einem mentalen Loch will Gonzalez nichts wissen: "Der Sturz ist ärgerlich, aber ich habe alles gegeben. Darüber freue ich mich, und so werde ich auch weitermachen. Ich werde bis zum Ende der Weltmeisterschaft 100 Prozent geben."

Auf dem Papier ist schließlich auch noch alles möglich. Bei neun Punkten Rückstand kann Gonzalez mit zwei Siegen in Portimao und Valencia sogar noch aus eigener Kraft Weltmeister werden. Einziges Problem: Ausgerechnet das Siegen klappte in letzter Zeit überhaupt nicht mehr, zuletzt stand der Intact-Pilot beim Italien-GP in Mugello ganz oben auf dem Podest. "Unsere Moral ist hoch, Portimao und Valencia sind gute Strecken für mich", bleibt Gonzalez jedoch kämpferisch. Dass er jetzt nichts mehr zu verlieren hat, könnte sich vielleicht als der dringend benötigte Brustlöser entpuppen. Die Kampfansage an Moreira fällt jedenfalls eindeutig aus: "Wir werden bis zum Tod kämpfen. Nicht mehr und nicht weniger."

Manuel Gonzalez und Diogo Moreira gaben es sich 2025 schon mehrfach, etwa in Ungarn, Foto: Intact GP, Ronny Lekl
Manuel Gonzalez und Diogo Moreira gaben es sich 2025 schon mehrfach, etwa in Ungarn, Foto: Intact GP, Ronny Lekl

Die Reise nach Portugal tritt Manuel Gonzalez also hochmotiviert an - so, wie auch das Honda-Werksteam in der MotoGP. Die Truppe um Joan Mir und Luca Marini kann mit einem guten Wochenende in der Algarve den Aufstieg in Concession-Rang C schaffen. Wie das gelingen kann, erfahrt ihr hier: