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BMWs Marquardt: GT3-Racing mit Werkseinsätzen nicht nachhaltig

Wie sieht die Zukunft des GT3-Sports aus? Insider sehen mittelfristig das Ende kommen. Einen Warnschuss gibt es jetzt auch von BMW-Boss Jens Marquardt:
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Die Rennen der GT3-Fahrzeuge sind, egal in welcher Serie, bei welchem Event und auf welcher Strecke, ein Leckerbissen für alle Motorsport-Fans. Die Autos sehen spektakulär und bullig aus, haben (im Gegensatz etwa zur LMP1-Klasse) Serienanleihen und verfügen und ein relativ freizügiges technisches Reglement. Die Leistung der Rennwagen wird dann wieder über die Balance of Performance angeglichen - zugegeben der einzige, dafür aber umso heftigere Zankapfel in der GT3-Kategorie in den letzten Jahren. Unterm Strich steht dann spannendes und ausgeglichenes Racing auf der Rennstrecke.

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Doch die Entwicklung, die die GT3-Kategorie in den letzten Jahren genommen hat, wird unter Insidern mit Skepsis gesehen. Die Werke engagieren sich immer stärker, entsprechend schnellen die Kosten in die Höhe. Um bei Rennen wie den 24h von Spa oder den 12h von Bathurst eine reelle Siegchance zu haben, ist Werks-Unterstützung mit reinen Profi-Fahrerbesetzungen zwingend notwendig. Damit konterkariert man die ursprüngliche Idee, mit der GT3 reinen Kundensport zu betreiben, so wie es bei der Einführung 2006 gedacht war.

Marquardt zur GT3-Entwicklung: Nicht BMWs Ansatz

Das ist eine Marketing-Aktivität eines Herstellers, und dann hört man nach zwei Jahren damit auf. Was sollen die Kunden dann tun?
Jens Marquardt

Diese Entwicklung verteufelt man auch bei BMW, wo sich 'Sportscar365' mit Motorsport-Direktor Jens Marquardt über dieses Thema unterhalten hat. Daher gehen die Münchner anders an die Sache heran: "Für mich ist es auf diesem Level nicht nachhaltig, würde ich sagen. Das ist eine Marketing-Aktivität eines Herstellers, und dann hört man nach zwei Jahren damit auf. Was sollen die Kunden dann tun? Das ist mit Sicherheit nicht der BMW-Ansatz. Wir helfen mit Fahrern oder technischem Support dort aus, wo wir können. So helfen wir den Teams dabei, das volle Potenzial des Autos auszuschöpfen, aber das war es dann auch", so Marquardt.

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Seit einiger Zeit gibt es daher Stimmen, die der GT3 das baldige Ende voraussagen. Doch noch ist es nicht so weit, das Racing mit den Fahrzeugen dieser Kategorie erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Dabei hieß es doch, die GT4-Klasse würde die GT3 mittelfristig ablösen - argumentiert wurde vor allem mit dem wesentlich enger gestrickten Reglement. Die GT4-Klasse ist auf der technischen Seite wesentlich seriennäher gehalten als die GT3, zudem sind hier Werks-Einsätze und Profi-Fahrer strikt verboten.

Diese Serien und Rennen kann man mit GT3-Autos gewinnen

Doch bis es zur endgültigen Ablösung kommt, wird wohl noch einiges an Zeit vergehen. Fest steht: Hinter den Kulissen werden diese Diskussionen schon lange geführt. Dass die involvierten Hersteller in die GT3-Klasse investieren, ist auf der anderen Seite auch verständlich. Schließlich kann man in dieser Kategorie weltweit einige der prestigeträchtigsten Serien und Rennen gewinnen. Dazu zählen unter anderem:

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  • Blancpain GT Serie
  • Intercontinental GT Challenge
  • 24h Series
  • ADAC GT Masters / weitere nationale GT-Serien weltweit
  • VLN
  • 24 Stunden von Dubai
  • 12 Stunden von Bathurst
  • 24 Stunden vom Nürburgring
  • 24 Stunden von Spa-Francorchamps
  • FIA GT Weltcup in Macau

Es geht also um sehr viel im GT3-Sport. Diese Gemengelage plus die Attraktivität dieser Fahrzeuge für die Fans sorgt dafür, dass es der GT3-Klasse auch im 13. Jahr ihres Bestehens noch sehr gut geht. Damit hat die GT3 schon länger als die meisten Fahrzeugklassen, etwa die Gruppe C oder die Supertourenwagen, überlebt. Dennoch schickt BMWs Motorsport-Direktor Jens Marquardt jetzt schon ein erstes Warnsignal aus.


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