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LMP1-Klasse, GT3-Modelle und Co.: Sportwagen-Brennpunkte 2018

Die Zukunft der LMP1-Klasse, die Veränderungen im GT3-Sport und vieles mehr. Auf diesen Brennpunkten in der Sportwagen-Welt liegt 2018 besonderer Fokus:
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - In der Sportwagen-Welt ist 2018 wieder einmal vieles neu - und zwar quer durch alle Disziplinen und Serien. Seien es die LMP1-Klasse in der WEC und in Le Mans, die DPi-Prototypen in der IMSA oder die neuen GT3-Fahrzeuge und die dazugehörigen BoP-Diskussionen - diese Brennpunkte kommen in der Saison 2018 auf uns zu:

LMP1-Klasse: Wie klappt die Angleichung Hybride vs. Private?

2018 startet mit Toyota nur noch ein Hersteller in der LMP1-Klasse. Dafür haben es die Regelhüter von FIA und ACO geschafft, die privaten Teams mit neuen Regeln zu stärken. Rebellion Racing, Manor, DragonSpeed und SMP Racing wagen im kommenden Jahr den Schritt in die Königsklasse der WEC und füllen somit das Feld wieder auf. Auch ByKolles dürfte in der WEC-Saison 2018/19 wieder in der LMP1-Klasse starten.

ByKolles und Co. sollen 2018/19 auf ähnlichem Niveau wie Toyota fahren - Foto: Speedpictures

Als man Anfang September in Mexiko die neuen Regeln verabschiedet hat, verkündeten die Regelhüter, dass die Privatteams auf das Niveau der Werksteams gehoben werden sollen. Damit hat man sich einer Herkulesaufgabe verschrieben - schon allein wegen der verschiedenen Fahrzeug-Konzepte und -Philosophien. Wie diese Angleichung gelingen soll, und wie nahe die Privatteams dann an Toyota dran sind, wird spannend zu beobachten sein. Immerhin: Die Berechnungs-Grundlage für die Angleichung wurde im Dezember festgesetzt.

LMP1-Zukunft: Wie sieht es mit Regeln und Herstellern aus?

Die Ausstiege von Audi und Porsche haben die Regelhüter in Le Mans kalt erwischt. Anders lassen sich all die neuen Regeln, die seitdem verabschiedet wurden, nicht erklären. Wer spricht heute noch von den Zugeständnissen für interessierte Hersteller, die im Dezember 2016 bekannt gegeben wurden? Auch die 2017 in Le Mans verkündeten Regeln sind schon wieder obsolet geworden, Stichwort Plug-in Hybrid. An einem neuen Regelwerk ab der Saison 2020/21 arbeitet man bereits - im Dialog mit interessierten Marken, wie es heißt.

Porsche und Audi haben sich verabschiedet - Foto: Porsche

Als Interessenten werden dabei McLaren und Ford genannt. Man ist sich einig, dass der Hybrid oder eine andere zukunftsträchtige Technologie in irgendeiner Form bleiben soll. Wie die Klasse dann genau aussehen soll, und ob sich tatsächlich Einsteiger finden, darüber gibt 2018 womöglich schon Aufschluss. Gehandelt werden als Optionen unter anderem die Implementierung der DPi-Regeln aus der IMSA. Auch ein Konzept, nach dem Rennwagen auf Basis von Hypercars in der Klasse starten könnten, steht im Raum.

Oreca beleidigt: Wie löscht man den LMP2-Brandherd?

In der LMP2-Klasse haben die Regelhüter dagegen gute Arbeit geleistet. Die neuen Regeln mit dem starken Gibson-Einheitsmotor und den vier verfügbaren Chassis (von Oreca, Ligier/Onroak, Multimatic/Riley und Dallara) kamen gut an. Zudem war die Klasse so schnell wie noch nie unterwegs, knackte in Le Mans locker die 3:30-Minuten-Marke. Alex Lynn wäre mit seiner Pole-Zeit von 3:25.352 im Jahr 2011 gar auf der Gesamt-Pole gestanden.

In der LMP2-Klasse knisterte es zuletzt - Foto: Speedpictures

Doch auch bei den kleinen Prototypen ist nicht alles Gold, was glänzt. Da der ACO einzig Oreca verboten hat, sein Auto für 2018 weiterzuentwickeln, ist hier ein Brandherd entstanden. Oreca sehe sich unfair bestraft, so Firmeneigner Hugues De Chaunac in einer entsprechenden Pressemitteilung. Dazu warf man dem ACO gar Wortbruch vor. Im Dezember hat man mit der Einführung einer BoP für die LMP2 reagiert. Doch ob das wirklich der Weisheit letzter Schluss ist? Die Saison 2018/19 wird in dieser Frage Aufschluss geben.

IMSA: Wie schlägt sich Rückkehrer Penske mit dem Acura-DPi?

Seit Mitte Juli wissen wir: Penske ist 2018 wieder zurück im Sportwagen-Segment! Roger Penskes Team startet im nächsten Jahr in der IMSA-Serie und wird dabei den Werkseinsatz von Honda-Tochter Acura in der DPi-Klasse abwickeln. Acura ist damit der vierte Hersteller in der Top-Prototypenklasse. Die Besonderheit: Alle vier Marken haben sich für einen jeweils anderen LMP2-Boliden als Basis entschieden. Fahrertechnisch befördert Penske einige Stars in die IMSA, unter anderem Juan Pablo Montoya und Helio Castroneves.

Penske setzt 2018 den Acura DPi ein - Foto: Acura

Beide starteten bisher für Penske in der IndyCar-Serie. Die Penske-Acura muss man auf jeden Fall auf der Rechnung haben. Beim Petit Le Mans im Oktober ging Penske erstmals an den Start, wenn auch mit einem Oreca-LMP2, auf dem der Acura DPi ja basiert. Und man hinterließ sofort eine Duftmarke: Montoya/Castroneves wurden zusammen mit Simon Pagenaud auf Anhieb Dritte. Angesichts der Modifizierungen der restlichen LMP2-Wagen darf man gespannt sein, wie sich das Kräfteverhältnis in der DPi-Klasse 2018 darstellt.

GT3-Klasse: Was kann man von den neuen Autos erwarten?

Gleich drei Hersteller haben für die Saison 2018 brandneue GT3-Rennautos entwickelt: Bentley, Honda und Nissan. Dazu kommen neue Teile für den BMW M6 GT3 und den Porsche 911 GT3 R. Die Einführung neuer Modellgenerationen oder gar brandneuer Fahrzeuge wird immer mit Spannung erwartet - einerseits von den Fans, die gespannt sind wie sich die neuen Autos schlagen werden, andererseits von den Verantwortlichen, die für die neuen GT3-Autos eine anständige Balance of Performance hinbekommen müssen.

2017 schon im (Test-)Einsatz gewesen: Der Nissan GT-R NISMO GT3 - Foto: VLN

Die Hersteller selbst schicken ihre Fahrzeuge nicht ohne Ambitionen ins Rennen. Nissan und Bentley etwa fuhren mit ihren vorherigen GT3-Autos Meisterschaften in der Blancpain GT Serie ein, BMW siegte mit dem M6 GT3 unter anderem beim 24-Stunden-Rennen von Spa 2016. Für die ausländischen Hersteller geht es außerdem in der GT3-Klasse auch immer ein Stück weit darum, den deutschen Marken Paroli bieten zu können. Die meisten Rennen und Titel im GT3-Sport gehen immer noch an Audi, BMW, Mercedes-AMG und Porsche.

Nürburgring: Wie klappt der "neue" BoP-Prozess?

Das leidige Thema Balance of Performance wird 2018 am Nürburgring neu angegangen. Ende November wurden neue Maßnahmen verabschiedet, mit denen man für alle Hersteller fairere Rahmenbedingungen schaffen möchte. Dazu zählen ein Runder Tisch mit allen beteiligten Marken, ein externer Datenexperte zum Auswerten und verpflichtende Rennstarts für alle Hersteller, die beim 24h-Rennen ein Fahrzeug in der GT3-Klasse SP9 an den Start bringen.

24h Nürburgring 2017: Die Highlights des Rennens: (06:05 Min.)

Die Maßnahmen zeigen den guten Willen der Organisatoren, faire Voraussetzungen für alle Hersteller zu schaffen - doch das erreicht man auch nur dann, wenn alle mit offenen Karten spielen. Das war in der Vergangenheit kaum der Fall, jede Partei war auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Negativer Höhepunkt: Die Ausgabe 2016, als Mercedes-AMG auch dank günstiger BoP-Einstufung alles in Grund und Boden fuhr. Auch mit den neuen Maßnahmen ist man nicht vor Tricksereien gefeit. Noch gibt es die Möglichkeit, Performance bewusst zu verschleiern.


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