06:33:25 Stunden - Die 24 Stunden von Daytona 2026 erlebten die längste Full-Course-Yellow-Phase in ihrer über 60-jährigen Geschichte. Wegen starken Nebels bummelten die Autos nach Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden am Sonntag 120 Runden lang hinter dem Safety Car her, also mehr als ein Viertel der kompletten Renndauer.

Die Rennleitung machte keine Anstalten, das Rennen mit roten Flaggen zu unterbrechen und erst bei besserer Sicht fortzusetzen. Um 07:18 Uhr am Morgen nach Sonnenaufgang - zwei Stunden früher als zunächst angenommen - konnten die verbliebenen Autos wieder angasen und bis zur Zieleinfahrt um 13:40 Uhr am Mittag um die Siege in den Klassen kämpfen.

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Hätten die 24 Stunden von Daytona unterbrochen werden sollen?

Rückblickend stellt sich die Frage: Wäre es sinnvoller gewesen, die 24 Stunden von Daytona zwischenzeitlich zu unterbrechen und die Autos in die Boxengasse zu beordern? So wird es etwa beim 24h-Rennen Nürburgring gehandhabt, das mehrfach und zuletzt 2024 wegen starken Nebels für 14 Stunden unterbrochen und später sogar vorzeitig - erstmalig in seiner Geschichte - abgebrochen wurde. Dazu sei angemerkt: Beim Eifel-Klassiker gibt es im Rennen keine Safety Cars, stattdessen sorgen Code-60-Phasen und Flaggen bei Vorfällen für Sicherheit.

Einerseits könnte man argumentieren, dass die Piloten und Autos bei einem 24-Stunden-Rennen trotz jeglicher Witterungsbedingungen für die komplette Renndauer auf der Strecke fahren sollen - selbst im Bummeltempo. Das ist nicht nur in Daytona der Fall, sondern auch bei den 24 Stunden von Le Mans, wo zuletzt 2024 wegen starker Regenfälle in der Nacht knapp vier Stunden hinter dem Safety Car absolviert wurden. Uns ist nicht bekannt, dass der Langstrecken-Klassiker in Frankreich jemals aufgrund des Wetters unterbrochen wurde.

Winward-Mercedes-Teamchef: "Es war eine Quälerei"

Andererseits gibt es ebenso gute Argumente für eine Unterbrechung, wenn das Wetter kein sicheres Rennfahren mehr zulässt. "Aus Teamsicht wäre es mir lieber gewesen, wenn das Rennen unterbrochen worden wäre", sagte Winward-Teamchef Christian Hohenadel nach dem dritten GTD-Klassensieg des Teams in Daytona seit 2021 zu Motorsport-Magazin.com. "Für das gesamte Team - die Fahrer, Mechaniker und Ingenieure - war es eine Quälerei."

Was Hohenadel, dessen Winward-Team dieses Jahr auch am Nürburgring an den Start geht - womöglich mit Max Verstappen am Steuer einer der Mercedes-AMG GT3 - damit meinte: Durch die stundenlange Safety-Car-Phase war es schwierig für alle Beteiligten, den Fokus permanent aufrecht zu erhalten. Eine wirkliche Entspannung war für die Crews aber auch nicht möglich, weil die Autos trotz langsamer Fahrt jederzeit überprüft werden mussten, Boxenstopps anstanden und auch die Fahrer fokussiert bleiben mussten.

Nebel bei den 24 Stunden von Daytona 2026
Kaum Sicht in der Nacht bei den 24 Stunden von Daytona, Foto: IMAGO/Icon Sportswire

"In Daytona ist es nicht nur das 24-Stunden-Rennen", erklärte der frühere Rennfahrer Hohenadel. "Das Team ist zwei Wochen lang hier, hat wenig Schlaf und einen großen Aufwand. Wenn das Rennen dann startet, ist man schon ziemlich kaputt. Und was hält einen im Rennen am Leben? Ziemlich häufig die Anspannung, die dich auch im Kopf wachhält. Die war aber wegen der Full-Course-Yellow komplett weg."

Deshalb, so Hohenadel weiter, "hätte ich mir gewünscht, dass man einen Cut macht wie am Nürburgring. Dann hätte sich jeder mental auf den Re-Start einstellen können. So war man auf der einen Seite entspannt, aber gleichzeitig auch voll fokussiert, um keinen Fehler zu machen. Man hat ja gesehen, wie viele Strafen in dieser Zeit ausgesprochen wurden, weil Fahrer in der Boxengasse zu schnell waren oder die Boxenstopps nicht ordentlich abgewickelt wurden".

Nebel bei den 24 Stunden von Daytona 2026
Dichte Nebelschwaden über den Daytona International Speedway, Foto: IMAGO/PsnewZ

Cadillac-Youngster Zilisch: "Da hätte auch meine Mutter fahren können"

Unter anderem erwischte es in der Nacht den #31 Cadillac von Action Express Racing, als NASCAR-Supertalent Connor Zilisch die rote Ampel bei der Boxenausfahrt missachtete und seinem Team damit eine 60-Sekunden-Boxenstopp-Strafe einbrockte. Teamkollege Fred Vesti musste die Strafe nach dem Re-Start absitzen. Der Cadillac belegte am Ende mit 1,5 Sekunden Rückstand den zweiten Platz hinter dem siegreichen #7 Porsche 963 um Felipe Nasr, Laurin Heinrich und Julien Andlauer.

Der 19-Jährige Zilisch beschrieb die Bummelfahrt in der Nacht aus Fahrerperspektive so: "Es war absolut langweilig und mit die schlimmsten Stunden, die ich jemals in einem Rennauto verbracht habe. Das war kein Spaß. Ich habe zwischendurch auf die Uhr geschaut und dachte, dass eine halbe Stunde vergangen sei - dabei waren es nur sechs Minuten! Ich habe während der Fahrt versucht, mich ein bisschen zu stretchen, weil ich kein Adrenalin mehr hatte. Ganz ehrlich, meine Mutter hätte während der Full Course Yellow auch fahren können."

Was muss dann erst der LMP2-Pilot Kyffin Simpson gedacht haben, der geschlagene 3:56 Stunden im Tower-Motorsports-Prototypen hinter dem Safety Car herumfuhr? Hier reagierte das Team immerhin hellwach und beorderte Simpson gerade rechtzeitig zum Fahrerwechsel an die Box, weil ein Pilot in der IMSA-Serie innerhalb von sechs Stunden maximal vier davon am Steuer sitzen darf. Bei Überschreitung wird das Team disqualifiziert.

Porsche nutzt Safety-Car-Phase für Boxenstopp-Orgie

Zumindest dem Porsche-Werksteam wurde es in der Nacht nicht langweilig: Das zu diesem Zeitpunkt führende #6 Auto um Kevin Estre, Laurens Vanthoor und Matt Campbell - später Platz vier - kam in der Nacht mehrfach an die Box, um den lädierten Unterboden reparieren zu lassen. Beim Schwesterauto wurde unterdessen die Frontpartie getauscht.

"Dadurch hatten wir die Gelegenheit, die Rennautos für das Ende scharf zu machen", sagte Penske-Technikdirektor Travis Law. "Aber hinter dem Safety Car hinterherzufahren, erzeugt bei den Fahrern einen Stress, den sich die meisten nicht vorstellen können. Die sind es ja gewohnt, ständig zu pushen. Hier haben sie sich am Funk wie Kinder verhalten: 'Sind wir schon da?' Wir haben versucht, sie per Teamradio zu unterhalten. Die Mechaniker konnten eine kurze Pause einlegen, wenn es zeitlich möglich war, damit sie zum Rennende fit sind."