2022 noch Porsche-Junior, heute schon ein gefeierter Daytona-Gesamtsieger: Laurin Heinrich hat mit seinem Triumph beim diesjährigen 24-Stunden-Klassiker in Florida ein Stück Geschichte geschrieben. Der gebürtige Würzburger ist der erste Gesamtsieger aus Deutschland seit Mike Rockenfeller, der anno 2010 - vor geschlagenen 16 Jahren - eine der begehrten Rolex-Daytona-Uhren nach Hause brachte.
Fast schon ein modernes Motorsport-Märchen: Heinrich gelang der Daytona-Coup bei seinem ersten IMSA-Einsatz im Prototypen! Porsche hatte den 24-Jährigen etwas überraschend als dritten Fahrer neben den Stammpiloten Felipe Nasr und Julien Andlauer nominiert, obwohl Heinrich zuvor nur ein einziges Rennen im Prototypen bestritten hatte - beim letztjährigen WEC-Finale in Bahrain, dem vorerst letzten Auftritt der Zuffenhausener in der Langstrecken-WM.
Laurin Heinrich: Im Eiltempo zum Daytona-Sieg
"Es war ein No-Brainer, Laurin als Werksfahrer zu wählen und ihm einen Platz im 963 zu geben", sagte Porsches LMDh-Werksleiter Urs Kuratle nach dem Sieg des Autos mit der Startnummer #7, in dem sich Schlussfahrer Nasr erfolgreich gegen den heranstürmenden #31 Cadillac mit Jack Aitken am Steuer zur Wehr setzte - und den Zielstrich nach 705 Runden mit nur 1,5 Sekunden Vorsprung überquerte.
"Auf Laurin lastete großer Druck, aber er hat ein tadelloses Rennen abgeliefert", lobte Kuratle den frischgebackenen Porsche-Werksfahrer, dessen Aufstieg im Eiltempo verlaufen ist. 2022 Porsche-Juniorfahrer und Meister im Porsche Carrera Cup Deutschland, 2023 das erste DTM-Podest in Timo Bernhards Team, 2024 der GTD-Pro-Titelgewinn in der IMSA-Serie samt Klassenpodest in Daytona, 2025 der Kurzzeit-Aufstieg in den LMDh-Porsche, ein Podium in Macau und schließlich die Beförderung zum Werkspiloten.
"Das war ein schneller Aufstieg", meinte Heinrich nach dem Daytona-Sieg zu Motorsport-Magazin.com. "Aber ich freue mich, die Gelegenheit bekommen zu haben, beweisen zu können, dass ich hierher gehöre. Ich bin eineinhalb Stunden entfernt von Flacht geboren, wollte immer Werksfahrer werden. Dass es jetzt so ausgegangen ist, finde ich unglaublich, damit hätte ich nicht gerechnet."

Laurin Heinrich: Zwölfter deutscher Sieger bei 24h Daytona
Heinrich reiht sich ein in eine überschaubare Liste deutscher Rennfahrer, die die erstmals im Jahr 1966 ausgetragenen 24 Stunden von Daytona gewinnen konnten. Faktisch ist er der erst zwölfte Deutsche, dem dieses Kunststück gelungen ist. Seine Vorgänger waren Größen wie der vierfache Gesamtsieger Rolf Stommelen, Hans Hermann, Frank Jelinski, Jörg Bergmeister, Timo Bernhard oder zuletzt Mike Rockenfeller.
24h Daytona: Alle deutschen Gesamtsieger der Geschichte
| Jahr | Fahrer | Auto | Teamkollegen |
|---|---|---|---|
| 1968 | Rolf Stommelen, Hans Herrmann, Jochen Neerpasch | Porsche 907LH | Vic Elford, Jo Siffert |
| 1978 | Rolf Stommelen | Porsche 935 | Peter Gregg, Toine Hezemans |
| 1980 | Rolf Stommelen, Reinhold Joest, Volkert Merl | Porsche 935 | - |
| 1982 | Rolf Stommelen | Porsche 935 | John Paul Sr., John Paul Jr. |
| 1991 | "John Winter", Frank Jelinski | Porsche 962 | Hurley Haywood, Henri Pescarolo, Bob Wollek |
| 1995 | Jürgen Lässig, Marco Werner | Kremer K8 Spyder (Porsche) | Christophe Bouchut, Giovanni Lavaggi |
| 2003 | Jörg Bergmeister, Timo Bernhard | Porsche 911 GT3-RS | Kevin Buckler, Michael Schrom |
| 2010 | Mike Rockenfeller | Riley MkXI-Porsche | João Barbosa, Terry Borcheller, Ryan Dalziel |
| 2026 | Laurin Heinrich | Porsche 963 | Felipe Nasr, Julien Andlauer |
Was sie alle über die Jahrzehnte hinweg einte: Stets diente ein Porsche oder zumindest ein von einem Porsche-Motor angetriebenes Fahrzeug als Mittel zum Zweck. Dieses Jahr errang der Sportwagenbauer seinen 21. Gesamtsieg auf dem berühmten Trioval-Kurs und baute die Rekordbilanz munter aus. Heinrichs Teamkollege, der frühere Formel-1-Fahrer Nasr aus Brasilien, führte Porsche 2024, 2025 und 2026 mit unterschiedlichen Teamkollegen zu drei Gesamtsiegen in Folge.
"Für mich als Deutschen für eine deutsche Marke wie Porsche im Werksteam zu fahren, macht mich sehr stolz", sagte Heinrich. "In meinem ersten Jahr im Automobilsport (2017 in der Deutschen Formel 4) bin ich im Familienteam gefahren, weil wir kein Geld für einen Platz bei einem Profi-Team hatten. Wie ich damals gefahren bin und was ich heute bei Porsche vorfinde, das ist schon Wahnsinn."
Heinrichs IMSA-Debüt im Porsche 963: "Herzschlag über 200!"
Dass Nasr der große Star im Team des #7 Porsche war und 42 Prozent (293 Runden) aller Runden am Steuer des rund 680 PS starken Prototypen saß, störte weder Heinrich noch Teamkollege Andlauer ("Wir haben alle unser Ego zurückgeschraubt"). Ganz im Gegenteil, wie Heinrich mit einer Portion Ehrfurcht beschrieb: "Felipe ist einer der besten Fahrer, die ich jemals gesehen habe. Dass ich mir das Auto mit ihm geteilt habe und wusste, dass er am Ende drin sitzt, ließ mich viel entspannter sein. Es stand nie zur Debatte, dass er den Schluss fährt."
Heinrich selbst legte im um sechseinhalb Stunden durch Nebel eingebremsten Rennen 170 Runden zurück und ließ sich nichts zu Schulden kommen. Im Gegenteil: Von außen betrachtet erhielt man nicht den Eindruck, dass dieser junge Kerl sein erst zweites Rennen im komplexen Prototypen bestreitet.

Es begann mit einem Ausrutscher
Ganz so abgezockt, wie es den Eindruck erweckte, war es dann aber doch nicht. Heinrich ehrlich: "Wenn man den ersten Stint geschafft hat, kann man aufatmen. Aber meiner Herzschlagrate lag bei über 200 - einfach, weil ich so gespannt war! Als ich dann den ersten Stint hinter mir hatte, ist eine gewisse Last abgefallen. Ich habe gesehen, dass ich das Potenzial habe und es ein guter Tag werden kann."
Also alles perfekt und glatt gelaufen? Nicht ganz, wie Heinrich später verriet und den internationalen Medienvertretern ein herzliches Lachen entlockte: "Ich weiß nicht, ob man es im Fernsehen sehen konnte. Als ich versucht habe, ins Cockpit zu steigen, bin ich rausgerutscht! Zum Glück hat man mich direkt ins Auto reingedrückt, sonst wäre ich auf dem Boden gelandet." Selbst für einen Daytona-Sieger gilt: Aller Anfang ist schwer.
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