Sekunden-Thriller im Oval! Der #7 Porsche (Nasr, Andlauer, Heinrich) hat die 24 Stunden von Daytona 2026 gewonnen und den Zuffenhausenern den dritten Sieg in Folge beim Langstrecken-Klassiker in Florida beschert. Damit baute der Sportwagenbauer seine Rekordmarke auf 21 Gesamtsiege aus.

Schlussfahrer Felipe Nasr überquerte den Zielstrich mit nur 1,5 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Jack Aitken im #31 Action-Express-Cadillac (Aitken, Bamber, Vesti, Zilisch). Nasrs Teamkollege, das Nachwuchstalent Laurin Heinrich, feierte den ersten Gesamtsieg eines deutschen Fahrers seit 2010 (Mike Rockenfeller) - und das bei seinem GTP-Debüt in der IMSA-Meisterschaft. Der #24 BMW (D. Vanthoor, S. van der Linde, Frijns, Rast), dessen Schluss-Stint Dries Vanthoor übernahm, komplettierte das Podium als Dritter.

NLS-Rennen für Verstappen verlegt! Porsche-Thriller in Daytona (14:53 Min.)

24h Daytona: Porsche und Cadillac in eigener Liga

"Das Wetter am Ende hat viele Autos überrascht", sagte Nasr. "Die Strecke bot sehr wenig Grip. So etwas hatten wir zuvor in den Trainings nicht erlebt. Es war ein großer Test, das Auto auf der Strecke zu halten - nicht nur für uns, auch für Cadillac. Ich bin einfach mit ganzem Herzen gefahren und habe meine Erfahrung genutzt." Heinrich, der erst 2022 als Junior-Fahrer zu Porsche gestoßen war, jubelte: "Als Deutscher für ein Porsche-Werksteam zu fahren und diesen historischen Sieg zu holen - das ist unglaublich!"

Das Rennen lief wegen starken Nebels nach Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden am Sonntag für sechseinhalb Stunden hinter dem Safety Car. Nach dem Re-Start war die Hölle los beim siebenstündigen Schluss-Sprint auf dem Tri-Oval des Daytona International Speedway. Der frühere Formel-1-Fahrer Nasr und Caddy-Konkurrent Aitken machten den Sieg nach den letzten Boxenstopps komplett unter sich aus und fuhren in einer eigenen Liga; BMW-Ass Vanthoor hatte beim Zieleinlauf 21 Sekunden Rückstand.

IMSA, 24h Daytona, #7, Porsche, Nasr, Andlauer, Heinrich
Porsches Gesamtsieger 2026: Laurin Heinrich, Felipe Nasr und Julien Andlauer, Foto: Porsche AG

Cadillac-Werkspilot Aitken griff Nasr in der Schlussphase, die mehr als zwei Stunden unter grünen Bedingungen ausgetragen wurde, mehrfach beherzt an. Der Brasilianer wusste sich jedoch stets zu verteidigen und holte damit seinen dritten Daytona-Sieg in Folge mit Porsche. Dieses Kunststück war zuvor nur seinem Landsmann Helio Castroneves sowie Peter Gregg gelungen.

"Wir hatten ein hartes Rennen mit einigen Rückschlägen", sagte Ex-DTM-Fahrer Aitken aus Großbritannien. "Wir haben uns fantastisch zurückgemeldet, aber die Porsche waren sehr stark. Ich kam ein paar Male knapp dran, aber nicht nah genug für ein Manöver. Das ist herzzerreißend, aber wir können trotzdem stolz sein."

Porsche feiert dritten Daytona-Sieg in Serie

Porsche wurde für eine weitere bockstarke Vorstellung bei den 24 Stunden von Daytona belohnt. Die beiden von Penske eingesetzten Werks-Wagen bestimmten die Pace zu jeder Zeit und etablierten früh im Rennen eine Doppelführung. Das änderte sich auch nicht nach ausgiebigen Reparatur-Boxenstopps beider Autos unter Gelb während der Nacht. Der #6 Porsche (L. Vanthoor, Estre, Campbell) musste nach einem Kontakt in der Startphase schon früh einen ungeplanten Stopp einlegen, während das #7 Schwesterauto fast problemlos über die Distanz kam.

Nach dem Nebel-Restart deutete zunächst vieles auf einen Doppelsieg der Zuffenhausener hin, doch das #6 Auto mit Schlussfahrer Kevin Estre konnte den Speed am Ende nicht mitgehen und fuhr zu Platz vier. Auf den Positionen fünf bis acht landeten der #93 Polesetter-Acura von Meyer Shank Racing (van der Zande, Yelloly, Palou, Ohta), der #40 WTR-Cadillac (J. Taylor, Deletraz, Herta), der private JDC-Miller-Motorspors-Porsche und der zweite BMW beim IMSA-Einsatzdebüt des WRT-Teams.

Neun der elf GTP-Prototypen beendeten das Rennen in der Führungsrunde mit einem Abstand von 1:22 Minuten. Vorzeitig Feierabend war für den #10 Cadillac von Wayne Taylor Racing, nachdem der Wagen am Sonntagvormittag Feuer fing und in der Boxengasse gelöscht werden musste. Der Aston Martin Valkyrie, das einzige LMH-Hypercar im Reigen der LMDh-Autos, sah nach mehreren Elektrik-Aussetzern in der Nacht und am Sonntagmittag ebenfalls nicht die Zielflagge.

Längste Safety-Car-Phase in der Geschichte der 24h Daytona

Die 64. Auflage der 24h Daytona wird einen Platz in den Geschichtsbüchern des Daytona International Speedway einnehmen: Das Rennen erlebte nach Mitternacht eine sechseinhalb Stunden andauernde Safety-Car-Phase und damit die längste in der Geschichte des Rennens.

Dichter Nebel hüllte den berühmten Trioval-Kurs ab den Abendstunden immer mehr ein, bis die Rennleitung um 00:45 Uhr in der Nacht auf Sonntag die Reißleine ziehen und das Safety Car auf die Strecke beordern musste. Derartige Witterungsbedingungen ist man eher vom Nürburgring gewohnt, wo das Rennen gegebenenfalls allerdings mit roten Flaggen unterbrochen wird.

In Daytona erlebten die Fahrer stattdessen eine stundenlange Bummelfahrt unter Gelb. "Komplett langweilig, das waren die schlimmsten Stunden, die ich jemals im Rennauto erlebt habe. Da hätte auch meine Mutter im Auto sitzen können", sagte NASCAR-Nachwuchsstar und Cadillac-Fahrer Conor Zilisch stellvertretend für seine Fahrerkollegen. Erst am Sonntagmorgen um 07:19 Uhr Ortszeit - nach exakt 06:33 Stunden - konnte das Rennen mit grünen Flaggen fortgesetzt werden.

IMSA, 24h Daytona, #6, Porsche, L. Vanthoor, Estre, Campbell
Porsche ist Rekordsieger bei den 24h Daytona, Foto: IMAGO/PsnewZ

Chaotischer Start in Daytona - Porsche-Fahrer im Krankenhaus

Das Rennen erlebte zehn Full-Course-Yellow-Phasen. Besonders in den Anfangsstunden ging es wild zur Sache; bis zum Ende der dritten Stunde war das Safety Car bereits viermal ausgerückt. Von einer LMP2-Karambolage bis hin zu zwei schweren Unfällen in der GTD-Klasse war alles dabei. Der US-Amerikaner Adam Adelson aus dem Porsche-Team Wright Motorsports musste zwischenzeitlich ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Für die letzte Unterbrechung des Rennens mehr als zwei Stunden vor Schluss sorgte der frühere DTM-Champion Mike Rockenfeller, der mit seinem in der GTD-Pro eingeschriebenen #64 Ford Mustang GT3 Evo auf der Strecke ausrollte.

24h Daytona: Klassensiege für BMW und Mercedes-AMG

In der GTD-Pro-Klasse kam es zum Siegkampf der deutschen Hersteller BMW und Mercedes-AMG - mit dem besseren Ausgang für den Autobauer aus München. Der #1 BMW M4 GT3 Evo von Paul Mille Racing (Verhagen, De Phillippi, Hesse, Harper) um den deutschen Werksfahrer Max Hesse setzte sich nach 662 Runden in der höchsten GT3-Klasse durch.

Schlussfahrer Dan Harper überquerte den Zielstrich mit 2,2 Sekunden vor dem 75 Express Mercedes-AMG GT3 (Habul, Engel, Power, Mostert) um Maro Engel. Das deutsche Team Winward-Mercedes (Noble, Hart, Martin, Stolz) mit AMG-Werksfahrer Luca Stolz erreichte den dritten Platz auf dem Podium.

Mercedes-AMG setzte sich dafür in der GTD-Kategorie durch - nach einem wahnsinnigen Finish zwischen Philip Ellis im #57 Winward-Mercedes (Ward, Ellis, Dontje, Auer) und dem Magnus-Aston-Martin Vantage von Nicki Thiim. 1,3 Sekunden trennten die beiden Kontrahenten, deren Zweikampf inklusive Kontakten die Zuschauer jubeln ließ. In der LMP2-Klasse ging der Sieg an das Team Crowdstrike Racing (Kurtz, Quinn, Sowery, Jakobsen).