Das Qualifying zum Sonntagsrennen der Formel E in Shanghai entwickelte sich zu einer echten Nervenschlacht. Wegen Dauerregens musste der Beginn der Zeitenjagd - die ohnehin schon zwei Stunden vorgezogen worden war - immer wieder verschoben werden. Um 09:45 Uhr Ortszeit, 45 Minuten nach dem eigentlich geplanten Start, rutschten schließlich die ersten Autos über die Strecke.

Danach hatte es lange Zeit nicht ausgesehen, nachdem bereits das Freie Training am Morgen um 07:00 Uhr Ortszeit nach nur 7 Minuten abgesagt werden musste. Auf den Allwetterreifen von Hankook machte dann Nick Cassidy die beste Arbeit. Der Jaguar-Pilot erzielte in der Qualifying-Gruppe A die schnellste Rundenzeit in 1:31.305 Minuten. Weil in der Gruppe B keinem Fahrer eine bessere Zeit gelang, nimmt der Neuseeländer heute die Pole Position ein.

Regen in Shanghai: Keine Duelle im Qualifying

Wegen des starken Regens hatte die Rennleitung frühzeitig angekündigt, dass es keine Duell-Phase nach den beiden Gruppen zu je zwölf Fahrern geben wird. Zur Erinnerung: In den Duellen dürfen die Top-8 der Gruppenphase die vollen 350 kW Leistung nutzen anstelle von 300 kW - daran war unter diesen schwierigen Bedingungen allerdings nicht zu denken.

Laut dem Sportlichen Reglement nimmt in diesem Fall der Gruppen-Schnellste (Cassidy in Gruppe A) den ersten Startplatz ein. Der Schnellste aus der anderen Gruppe (Antonio Felix da Costa) steht auf Startplatz zwei. Dahinter werden die weiteren Fahrer anhand der Gruppen jeweils abwechselnd auf den geraden (Gruppe A) und ungeraden Startplätzen (Gruppe B) aufgereiht, um für möglichst große Fairness zu sorgen.

Bedeutet konkret: Hinter Gruppe-A-Spitzenreiter Cassidy (P1) folgt Porsche-Weltmeister Pacsal Wehrlein als zweitschnellster Fahrer der Gruppe A auf P3. Dazwischen platziert sich Antonio Felix Da Costa als Schnellster der Gruppe B, während Lucas di Grassi (Zweitschnellster der Gruppe B) auf Startplatz 4 steht.

Formel E in Shanghai: Die Startaufstellung

Die Top-10 der Startaufstellung lauten demnach: 1. Nick Cassidy (Jaguar), 2. Antonio Felix da Costa (Porsche), 3. Pascal Wehrlein (Porsche), 4. Lucas di Grassi (Abt-Lola-Yamaha), 5. Jake Hughes (McLaren-Nissan), 6. Jean-Eric Vergne (DS Penske), 7. Nyck de Vries (Mahindra), 8. Stoffel Vandoorne (Maserati-DS), 9. Maximilian Günther (DS Penske), 10. Nico Müller (Andretti-Porsche).

Während das 12-minütige Qualifying der Gruppe A zwar rutschig, aber ohne größere Zwischenfälle über die Bühne ging, verschlechterten sich die Bedingungen in der nachfolgenden Gruppe B. Mehrere Fahrer drehten sich auf der regennassen Piste, vor allem in der rutschigen Kurve 5, bis die Rennleitung 1:36 Minuten vor dem Ende vorzeitig mit roten Flaggen unterbrach.

Kann das Rennen heute wirklich starten?

Ob das Rennen heute (11:00 Uhr MEZ, live im Free-TV auf DF1 und ServusTV) wirklich gestartet werden kann, steht aktuell in den Sternen. Eine Verbesserung der Bedingungen war zunächst nicht in Sicht, für den Rest des Sonntags ist konstanter Regen vorhergesagt. Im morgendlichen Training und auch im Qualifying kämpften die Piloten mit Aquaplaning auf der Strecke.

Porsche-Pilot Felix da Costa hoffte als Zweitplatzierter natürlich, dass das elfte Saisonrennen über die Bühne gehen kann: "Das wird ein kniffliges Rennen. Es steht viel Wasser auf der Strecke und es hört einfach nicht auf zu regnen. Das könnte lustig werden... Das wird unglaublich hart und es wird eine Menge passieren. Ich will so schnell wie möglich nach vorne, um freie Sicht zu haben. Das wird der Schlüssel sein."

Teamkollege Wehrlein, der am Samstag wie Felix da Costa ohne Punkte blieb, erhofft sich von P3 - sollte das Rennen tatsächlich gestartet werden können - einen versöhnlichen Abschluss eines bislang schwierigen Wochenendes. Das Porsche-Werksteam kämpft auf dem chinesischen Formel-1-Kurs mit starkem Graining an den Reifen. Bei nassen Bedingungen könnte das natürlich ganz anders aussehen.

Maximilian Günther, Sieger des Rennens am Samstag mit einem gigantischen Vorsprung von 7 Sekunden, rechnet sich von P9 sicherlich auch einiges aus. "Wir sind bei diesen Verhältnissen ziemlich gut und hatten zuletzt einige gute Sessions im Nassen", sagte der gebürtige Allgäuer am Samstag zu Motorsport-Magazin.com. WM-Spitzenreiter Oliver Rowland (Nissan) startet nur von P17, kann sich angesichts des riesengroßen Vorsprungs in der Gesamtwertung (171 Punkte, 86 vor Taylor Barnard) aber sogar einen 'Ausrutscher' leisten.

Update: Nach zahlreichen Verschiebungen entschieden die Verantwortlichen, das Rennen um 14:34 Uhr Ortszeit (08:19 Uhr deutscher Zeit) hinter dem Safety Car aufzunehmen.

FIA mahnt: "Sicherheit hat höchste Priorität"

Bei der FIA gab man sich am Morgen zurückhaltend, ob der Regen einen Rennstart zulassen wird. "Ich habe keine Kristallkugel", meinte Renndirektor Marek Hanaczewski. "Es ist unser aller Ziel, das Rennen zu fahren. Aber wir müssen die Sicherheit berücksichtigen, das hat Priorität."

In der Formel E gibt es im Gegensatz zu anderen Rennserien keine Slick- und Regenreifen, sondern aus Gründen der Nachhaltigkeit/Kosten nur eine Allwetter-Mischung von Hankook. Die Reifen wurden zu dieser Saison überarbeitet, um eine bessere Performance auf den neuen Gen3-Evo-Autos zu liefern. "Letztes Jahr waren die Reifen im Regen etwas besser", sagte Cupra-Kiro-Pilot Dan Ticktum. "Diesmal hat man sich mehr auf die Performance im Trockenen konzentriert. Aber es ist schwierig, einen Reifen zu entwickeln, der in beiden Bedingungen (trocken und nass) besser ist. Reifenwärmer würden uns helfen."

Regen ist für die Formel-E-Autos und ihre Allwetterreifen eigentlich kein größeres Problem, wie die Vergangenheit mehrfach gezeigt hat. Zuletzt wurde das Sonntagsrennen in Monaco auf nasser Piste ausgetragen. Zuvor musste das Qualifying in Tokio wegen des schlechten Wetters allerdings abgesagt werden. "Hankook liefert einen Reifen für trockene und nasse Bedingungen, da muss man irgendwas opfern", meinte McLaren-Pilot Sam Bird. "Leider gilt das vor allem für den Regen. Deshalb sind solche Bedingungen echt hart."