Es dauert noch rund eineinhalb Jahre, bis die Formel E mit der Gen4 ihre nächste technologische Ära einleiten wird, aber die Erwartungshaltung an das künftige Rennauto ist schon jetzt riesengroß. Zur Erinnerung: Die Leistung des Gen4-Boliden soll bis zu 600 kW betragen, was rund 816 PS entspricht. Das wären etwa 70 Prozent mehr Leistung als beim aktuellen Gen3-Evo, der es auf bis zu 350 kW (476 PS) bringt.
"Gen4 wird ein massiver Fortschritt", ist Formel-E-CEO Jeff Dodds im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com am Rande des Rennwochenendes in Shanghai überzeugt. Und der Brite nennt sogar Zahlen zum größtenteils noch streng geheimen Projekt: "Ich tippe darauf, dass wir in Monaco fünf Sekunden schneller sein werden als aktuell."
Neues Formel-E-Auto auf Rundenzeiten-Niveau der Formel 2
Fünf Sekunden sind zweifelsohne eine Ansage auf dem Kurs, auf dem sowohl die Formel E als auch die Formel 1 mit ihren Nachwuchsserien gastieren. Betrachtet man die aktuellen Rundenzeiten, läge das auf dem Niveau der FIA Formel 2. In der Nachwuchs-Formel erzielte Alex Dunne zuletzt die schnellste Rennrunde in 1:22.531 Minuten. Zuvor beim Formel-E-Rennen an gleicher Stelle fuhr Jaguar-Pilot Nick Cassidy die schnellste Runde in 1:27.846 Minuten. Nur zum Vergleich: Lando Norris benötigte zuletzt 1:13.221 Minuten mit seinem Formel-1-McLaren im Fürstentum.
Die technischen Rahmendaten zum Gen4-Rennauto, das ab der Saison 2026/27 zum Einsatz kommen wird, sind seit der FIA-Ausschreibung von 2023 größtenteils bekannt: 816 PS Leistung, Allradantrieb und bis zu 700 kW Energierückgewinnung. Ein großes Geheimnis macht die Formel E bislang aus dem Design: Wie das Gen4-Auto aussehen wird, weiß nur die Führungsetage der Formel E.

Formel-E-CEO verrät exklusiv: Gen4-Auto bekommt Heckflügel
In Shanghai, wo die Formel E an diesem Wochenende ihre Saisonrennen Nummer 10 und 11 (ab 09:00 Uhr MEZ auf DF1 im Free-TV) austrägt, ist Geschäftsführer Dodds allerdings in 'Plauderlaune'. Auf die Frage von Motorsport-Magazin.com, ob das Gen4-Auto einen echten Heckflügel bekommen wird, antwortet der Brite nach kurzer Bedenkzeit: "Eigentlich haben wir ja noch nichts dazu verraten, aber... Ja."
Ein Heckflügel wäre tatsächlich ein Novum an einem Formel-E-Auto der Neuzeit, das seinen Abtrieb vorrangig über den Heck-Diffusor und den Unterboden erzeugt. Auch das aktuelle Gen3-Evo-Fahrzeug verzichtet auf das im Motorsport ansonsten übliche Flügelblatt quer über dem Heck, behilft sich stattdessen mit zwei 'Flügelchen'-Elementen an den hinteren Außenseiten.

Künftiges Formel-E-Auto soll endlich auf Slick-Reifen fahren
Und Dodds hat noch weitere Neuigkeiten im Gepäck: Die Formel-E-Autos könnten im Laufe ihres voraussichtlich vierjährigen Zyklus endlich Slick-Reifen spendiert bekommen, die die Fahrer schon seit Jahren fordern.
"Nicht zum Beginn", sagt Dodds zwar, verrät uns dann aber exklusiv: "Irgendwann werden wir Slick-Reifen einführen. Wir haben so viele andere positive Veränderungen mit Blick auf die Nachhaltigkeit erreicht. Aber die Gen4-Autos werden einen Punkt erreichen, an dem wir die Performance der Fahrzeuge vollständig zeigen wollen. Das ist einer dieser Bereiche, in denen wir kleine Kompromisse eingehen können und uns stattdessen in anderen Bereichen verbessern."
Zur Erinnerung: Die Formel E setzt seit ihren Anfängen aus Gründen der Nachhaltigkeit auf Allwetter-Reifen. Slick-Reifen widersprächen dem grünen Gedanken der Formel E, bekräftigen die Bosse um Seriengründer Alejandro Agag seit einem Jahrzehnt gebetsartig. In der Gen3-Ära ist der koreanische Hersteller Hankook der exklusive Lieferant der Formel E. Mit dem Beginn der Gen4-Ära übernimmt erstmals Bridgestone.

Gen4: Hersteller-Tests ab Ende 2025
Im Geheimen laufen schon jetzt Strecken-Testfahrten mit dem Gen4-Boliden, um sich ordentlich vorbereiten zu können. Ein Lerneffekt, nachdem man mit der aktuellen Gen3-Generation aus unterschiedlichen Gründen viel zu spät dran war. Zum Ende dieses Jahres sollen auch die Hersteller ihre ersten Strecken-Tests absolvieren.
"Die Konzeptarbeit hat sehr früh begonnen, die Teile sind schon im Zulauf", berichtet Porsche-Gesamtprojektleiter Florian Modlinger im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Die Einheitskomponenten (u.a. Chassis, Batterie) werden schon auf der Strecke erprobt. Und unsere eigenen Komponenten gehen zeitnah auf den Prüfstand. Wir befinden uns voll im Zeitplan. Wir sind diesmal ein halbes Jahr früher dran als mit der Gen3-Entwicklung, das stimmt uns positiv."



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