Nach einem in der Schlussphase wilden Rennen der Formel E in Madrid, das durch eine Untersuchung noch stundenlang auf einen offiziellen Sieger warten musste, ging es für die zehn Teams der FIA-Weltmeisterschaft heute auf dem Circuito del Jarama ruhiger zu. Auf dem permanenten Kurs nahe der spanischen Hauptstadt stand am Sonntag der in den Vorjahren regelmäßig in Berlin ausgetragene Rookie-Test an. Bei diesem durften 20 Fahrer teilnehmen, die bislang noch kein Formel-E-Rennen absolviert hatten.
In zwei dreistündigen Sessions zwischen 09:00 und 12:00 Uhr sowie zwischen 14:00 und 17:00 Uhr erhielten die Piloten die Möglichkeit, sich mit den noch in dieser Saison zum Einsatz kommenden Gen3-Evo-Boliden vertraut zu machen. Traditionell ist der Rookie-Test auch immer für den ein oder anderen prominenten Gastauftritt aus der Motorsport-Welt gut. Wie im Vorjahr waren so unter anderem der ehemalige Formel-1-Pilot Daniil Kvyat (DS Penske) und Ex-Formel-2-Champion Theo Pourchaire (Citroen-DS) mit von der Partie. Besonders Letzterer soll dabei den Vernehmen nach aber zunehmend nach einem Stammcockpit für die kommende Saison Ausschau halten.
DTM-Champion Ayhancan Güven mit Porsche am Start
Selbiges gilt für den amtierenden DTM-Champion Ayhancan Güven, der in dieser Saison mit Auftritten auf der Langstrecke die nötigen FIA-Superlizenzpunkte für den Einstieg mit Porsches ab 2026/27 neuem zweiten Werksteam sammeln soll. Güven hatte sich bei seinem starken Formel-E-Debüt im Vorjahr erstmals ins Gespräch um ein Formel-E-Engagement gebracht und machte auch in diesem Jahr einen guten Eindruck. Letztendlich stand Platz neun für den Türken zu Buche.
Güven zeigte sich bereits vor dem eigentlichen Einsatz im Auto begeistert von der Atmosphäre in Madrid, die besonders am Renntag im gesamten Fahrerlager für Gespräche gesorgt hatte. „Das ist das vierte Formel-E-Event bei dem ich dabei war und muss sagen, dass es mit Abstand das Beste ist“, so Güven zu Motorsport-Magazin.com. „Die Strecke ist perfekt, aber auch das Interesse der Fans, mit dem Verkehr, den ich auf dem Weg zur Strecke gesehen habe. Und auch die Strecke selbst ist wirklich cool. Ich glaube sie passt auch gut zur Gen4.“
Mahindra-Pilot holt Bestzeit, Daniil Kvyat in den Top-5
Die Bestzeit ging unterdessen an Theophile Nael im Mahindra. Der Franzose benötigte für seine schnellste Runde auf dem 3,934 Kilometer langen Kurs, dem längsten jemals in der Formel-E-Historie, 1:29.216 Minuten. Diese Zeit, die der Franzose bereits am Vormittag fuhr, war sogar um 0,187 Sekunden schneller als jegliche im Wochenendverlauf gefahrene Zeit der Stammpiloten. Bis auf das erste Freie Training am Freitag fanden jedoch auch sämtliche Sessions in nassen Bedingungen statt. Nael geht in diesem Jahr für Campos in der Formel 3 an den Start.
Platz zwei ging mit nur 0,034 Sekunden Rückstand an Nikita Bedrin im DS Penske, der direkt vor Alpines Formel-1-Reserve Kush Maini landete, der wie Nael für den indischen Autobauer Mahindra an den Start ging. Victor Martins (Nissan) und Kvyat schlossen die Top-5 ab.
Für Kvyat begann der Rookie-Test sogleich kurios: Wenige Minuten nach dem Start war der Russe auf die Strecke gefahren, bekam aber sogleich die Schwarze Flagge mit orangenem Punkt gezeigt und musste an die Box zurückkehren. Grund war ein Verstoß seiner DS-Penske-Mannschaft in Zusammenhang mit dem minimalen Reifendruck. An Kvyat ging diese Tatsache allerdings völlig vorbei. „Ich wusste nicht, dass diese Meldung kam. Ich habe einfach gestoppt“, berichtete Kvyat gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Zahlreiche Rote Flaggen bei Porsche-Crash
Neun Minuten nach dem Start kam schließlich Cian Shields im Cupra-Kiro zum Stehen und löste eine Rot-Phase aus. Im Anschluss verschwand der Bolide des Formel-2-Boliden lange Zeit in der Garage. Erst kurz vor dem Ende der Vormittags-Session setzte der Brite seine erste gezeitete Runde. Auf Anfrage von Motorsport-Magazin.com machte das Team einen Defekt mit dem Porsche-Antriebsstrang für die Zwangspause verantwortlich, der jedoch behoben werden konnte.
Nicht wie erhofft verlief die Session auch für den erst 16-jährigen Elia Weiss, der neben Güven im zweiten Werks-Porsche antrat. Zur Halbzeit der Vormittags-Sitzung kam der Youngster in Kurve 1 nach einem Verbremser ins Kiesbett ab und blieb stecken. Der Vorfall löste eine weitere Rote Flagge aus.
Nur rund eine Minute vor dem Ende der Vormittags-Session landete der Sohn von Claudia Hürtgen seinen Boliden dann schließlich im Kiesbett von Kurve 4, wobei er die Mauer berührte, und sorgte erneut für eine Rot-Unterbrechung. „Ich wollte ein bisschen zu viel und bin zu schnell in die Kurve reingefahren“, erklärte Weiss in der Mittagspause auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. „Ansonsten war der Morgen bis auf den Ausrutscher okay.“ Glück im Unglück: Weiss berührte die Barrieren nur leicht und konnte so rund eine Stunde und 15 Minuten vor dem Ende der Nachmittags-Session wieder auf die Strecke zurückkehren. Letztlich belegte Weiss den 16. Platz.
Steine sorgen für Unterbrechung, 4 Frauen am Start
Ein weiteres Mal war die Session schließlich nach rund einer Stunde am Nachmittag unterbrochen, nachdem Shields in Folge eines Ausflugs ins Kiesbett eine große Menge an Kies zurück auf die Strecke gebracht hatte. Rund fünf Minuten später konnte der Test allerdings wieder aufgenommen werden.
Wie beim Vorjahrestest in Berlin waren auch in diesem Jahr vier Frauen im Feld des Rookie-Tests vertreten. Ebenso wie 2025 griff Abbi Pulling für das Nissan-Werksteam ans Lenkrad, während Bianca Bustamante für das Porsche-Kundenteam Cupra-Kiro an den Start ging. Ella Lloyd kam nach dem Ausstieg ihres ehemaligen Teams McLaren in diesem Jahr beim Jaguar-Kunden Envision unter. Neu dabei war Juju Noda für das Jaguar-Werksteam, für das sie bereits beim eigens einberufenen Rookie-Test exklusiv für Frauen am Rande der Testfahrten in Valencia im Oktober 2025 gefahren war. Die beste Platzierung von ihnen erreichte schlussendlich Pulling auf P11.
Formel E 2026: So geht es weiter
Nach dem Rookie-Test geht es für die Formel-E-Teams nun endgültig in eine längere Pause, bis am 02. und 03. Mai der Double-Header in Berlin ansteht und die Elektrorennserie die Saisonhalbzeit erreicht. Auch in der Zwischenzeit wird es aber zumindest für die Hersteller auf der Strecke zur Sache gehen. Für die ab der nächsten Saison neuen Gen4-Autos wird im April im französischen Le Castellet stattfinden. Mit dabei ist auch der deutsche Autobauer Opel, der am Freitag seinen Einstieg in die Formel E bekanntgegeben hatte. Die Details könnt Ihr hier nachlesen:
Formel E Madrid Rookie Test 2026: Ergebnis
| Pos. | Fahrer | Team | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Theophile Nael | Mahindra | 1:29.216 |
| 2 | Nikita Bedrin | DS Penske | 1:29.250 |
| 3 | Kush Maini | Mahindra | 1:29.330 |
| 4 | Victor Martins | Nissan | 1:29.888 |
| 5 | Daniil Kvyat | DS Penske | 1:29.956 |
| 6 | Zak O'Sullivan | Envision-Jaguar | 1:30.025 |
| 7 | Theo Pourchaire | Citroen-DS | 1:30.175 |
| 8 | Freddie Slater | Andretti-Porsche | 1:30.390 |
| 9 | Ayhancan Güven | Porsche | 1:30.398 |
| 10 | Callum Voisin | Andretti-Porsche | 1:30.526 |
| 11 | Abbi Pulling | Nissan | 1:30.708 |
| 12 | Joshua Dürksen | Citroen-DS | 1:30.756 |
| 13 | Richard Verschoor | Lola Yamaha Abt | 1:31.015 |
| 14 | Hugh Barter | Lola Yamaha Abt | 1:31.266 |
| 15 | Cian Shields | Kiro-Porsche | 1:31.519 |
| 16 | Elia Weiss | Porsche | 1:31.993 |
| 17 | Brye Aron | Jaguar | 1:32.108 |
| 18 | Bianca Bustamante | Kiro-Porsche | 1:32.467 |
| 19 | Ella Lloyd | Envision-Jaguar | 1:33.133 |
| 20 | Juju Noda | Jaguar | 1:33.194 |


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