Spektakel in Jarama: Antonio Felix da Costa hat das Spanien-Comeback der Formel E auf dem Circuito del Jarama gewonnen. Für den Portugiesen ist der Sieg beim Madrid ePrix der 14. Triumph in der Elektroweltmeisterschaft und der zweite in Folge. „Das war großartig“, freute sich Felix da Costa im Anschluss.
Der von Platz drei gestartete Felix da Costa setzte sich in einem wilden Vierkampf um den Sieg schlussendlich hauchdünn gegen seinen Jaguar-Teamkollegen Mitch Evans um 0,386 Sekunden durch, der sich von Startplatz 16 nach vorne gearbeitet hatte und sich im Anschluss alles andere als zufrieden mit der Strategie seines Jaguar-Teams zeigte. „Ich bin enttäuscht und hätte das Rennen gewinnen sollen“, so der Neuseeländer im Anschluss mit versteinerter Miene. „Das Team hat das Ergebnis bekommen, das es wollte.“ Den zuletzt zunehmend aufkommenden Abschiedsgerüchten rund um Evans, der seine zehnte Saison für Jaguar bestreitet, dürfte dies keinen Abbruch tun.
Für beide Jaguar-Piloten drohte das teaminterne Drama jedoch noch für schlechtere Nachrichten in den Hintergrund zu rücken. Denn beide Fahrer wurden aufgrund eines möglichen Verstoßes beim Pit-Boost-Nachladeboxenstop von der Rennleitung untersucht. Konkret ging es darum, dass ein Mechaniker noch während das Kabel zum Nachladen eingesteckt war, die Trennline der garagennahen Seite des Autos vom näheren Bereich zur Fast Lane überschritt, was aus Sicherheitsgründen eigentlich nicht vorgesehen ist. Die Stewards hielten aber fest, dass sich der Mechaniker trotz dieses Überquerens "zu jedem Zeitpunkt auf der Garagen-Seite des Autos befand."
Pascal Wehrlein holt Podium in irrem Fotofinish
Dahinter musste sich Porsche-Werksfahrer Pascal Wehrlein trotz langen Kampfes mit Felix da Costa letztlich mit dem letzten Podestplatz begnügen, den er aber immerhin in einem irren Fotofinish noch Dan Ticktum (Kiro-Porsche) entriss. Nachdem Ticktum in der finalen Schikane noch einen letzten Anlauf auf Rang zwei gegen Evans gestartet hatte, konnte Wehrlein die Lücke nutzen und sich P3 schließlich um nur 0,186 Sekunden sichern. Wehrlein behält damit die Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft.
Dabei hatte Wehrleins Rennen schwierig begonnen. Schon in den Auftaktrunden wurde er von Nyck de Vries (Mahindra) am Heck getroffen, woraufhin er sich Beschädigungen an seinem Boliden zuzog und de Vries seinen Frontflügel verlor. „Der Heckflügel ist das restliche Rennen herumgeflattert und hat den Reifen berührt. Wer weiß, was möglich gewesen wäre, wenn das Auto unbeschädigt geblieben wäre“, meinte Wehrlein im Anschluss. Nur ein kleiner Trost: De Vries erhielt für die Aktion eine 5-Sekunden-Zeitstrafe und kam nach einem schwierigen Rennen nur auf Platz 18 ins Ziel.
Hinter dem Viertplatzierten Ticktum sicherte sich Edoardo Mortara im zweiten Mahindra den fünften Rang. Sebastien Buemi (Envision-Jaguar), Jake Dennis (Andretti-Porsche) und Nico Müller im zweiten Werksporsche belegten die Plätze sechs bis acht, wobei Müller auch den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde in den Top-10 erhielt. Buemi erhielt allerdings im Nachgang des Rennens noch eine 1,9-Sekunden-Zeitstrafe, da er Dennis abgedrängt hatte und fiel so hinter den Briten auf P7 zurück. Lokalmatador Pepe Marti (Kiro-Porsche), der zwischenzeitlich unter großem Jubel der Fans in Madrid das Rennen angeführt hatte, wurde schlussendlich Neunter. Joel Eriksson im zweiten Envision schloss die Punkteränge ab.
Wehrleins WM-Konkurrenz strauchelt: Keine Punkte für Cassidy und Rowland
Ein enttäuschendes Rennen erlebte derweil Pole-Setter Nick Cassidy im Citroen-Boliden. Der Neuseeländer kam nach einem schwierigen Nachmittag und einer verkorksten Strategie seiner Mannschaft nur auf dem 17. Rang ins Ziel. Auch der Allgäuer Maximilian Günther verpasste auf P13 die Punkteränge, nachdem er dieses in der 16. von 23 Rennrunden noch kurzzeitig angeführt hatte. Doch nach einer zu aggressiven Energie-Strategie wurde Günther im weiteren Rennverlauf durchgereicht.
Auch für den amtierenden Weltmeister Oliver Rowland verkam das Rennen zu einer bitteren Angelegenheit. Schon nach wenigen Runden erhielt der Brite eine Durchfahrtsstrafe, da er am Start mehr als die erlaubte Leistung verwendet hatte. Es ist nicht das erste Mal, dass ein derartiger Verstoß Nissan passiert. Schon beim Saisonauftakt der vergangenen Saison in Sao Paulo traf dieses Schicksal den japanischen Hersteller – damals sogar beide Boliden. Rowland fiel bis auf Rang 19 zurück und konnte auch im Ziel nur P16 erreichen.
Abt verpasst Punkte knapp
Lola Yamaha Abt rund um das deutsche Team Abt Sportsline verpasste zwar ebenso erneut die Punkteränge und wartet weiterhin seit dem Saisonauftakt auf ein zählbares Resultat, kann sich mit P12 für Veteran Lucas Di Grassi aber dennoch zufrieden zeigen. Di Grassi verpasste den zehnten Rang schlussendlich um 3,640 Sekunden.
Für Di Grassis Teamkollegen Zane Maloney begann das Rennen nach einem starken Qualifying (P10) gleich bitter. Aufgrund eines technischen Verstoßes an seinem Boliden musste der Mann aus Barbados schon kurz nach dem Start eine Durchfahrtsstrafe absolvieren, die ihn auf den letzten Platz zurückwarf. Auf diesem beendete Maloney schließlich auch das Rennen.
Pit Boost überraschend im Einsatz: Das steckt dahinter
Beim Rennen in Madrid kam auch zum ersten Mal bei einem Nicht-Double-Header-Rennen der Pit Boost zum Einsatz. Bei diesem erhalten die Fahrer bei 34 Sekunden Mindeststandzeit 3,85 Kilowattstunden zusätzliche Energie, was etwa zehn Prozent eines vollen Akkus entspricht. Bei dem durchaus überraschenden Schachzug spielte wohl der Charakter der energieintensiven Strecke in Madrid, die zugleich die längste jemals gefahrene Strecke in der Formel E ist, eine nicht unbedeutende Rolle.
Gerade weil der Madrid ePrix das erste Formel-E-Rennen in Spanien seit 2021 war und ein signifikanter Teil der Führungsriege der Rennserie aus Spanien stammt, wollte die Formel E zudem den spanischen Fans die maximale Performance der Gen3-Evo-Boliden präsentieren. Darauf deuteten auch die Aussagen von Formel-E-Mitgründer Alberto Longo gegenüber Motorsport-Magazin.com hin: „Es ist an einem neuen Austragungsort wichtig, das Maximum herauszuholen. Man hat nur einmal die Chance, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Wir wollten uns nicht erlauben, in einem so wichtigen Markt wie Spanien zu scheitern.“
Formel E 2026: So geht es weiter
Nachdem die Formel E schon vor dem Rennen in Madrid mehr als einen Monat Pause eingelegt hatte, steht nun eine weitere derartige Pause an. Das nächste Rennwochenende findet erst Anfang Mai statt. Dann findet am 02./03. Mai der Double-Header in Berlin statt. 2026 stehen insgesamt 17 Saisonrennen an 11 Austragungsorten an.


diese Formel E Rennbericht