Opel steigt in die Formel E ein. Das steht seit dem gestrigen Freitag fest. Doch was steckt hinter dem Engagement der Traditionsmarke in der Elektroweltmeisterschaft? Immerhin stellt dieses den ersten Werkseinsatz im Motorsport seit mehr als 20 Jahren dar. Warum also fiel die Wahl ausgerechnet auf die Formel E? Dieser Frage stellte sich Opel-CEO im Anschluss an den Launch am Rande des Madrid ePrix in einer Medienrunde, an der auch Motorsport-Magazin.com teilnahm.
„Opel hat mehr als 100 Jahre Motorsport-Geschichte“, holte Huettl aus. „Den nächsten Schritt zu gehen, ist für uns relativ logisch, wenn man die Entwicklungen der letzten Jahre betrachtet. Zudem war Opel immer ein Pionier, hat immer neue Territorien erkundet. Zuletzt war Opel einer der ersten Hersteller in Europa, die sich entschieden haben, die Elektromobilität voll anzunehmen.“ Tatsächlich war Opel der erste deutsche Autohersteller, der alle Modelle auch mit vollelektrischem Antrieb anbot.
Opel-CEO Huettl: Darum Formel E statt Formel 1
“Die Formel E ist in Anbetracht dessen ein perfektes Match“, so Huettl weiter. „Auf der einen Seite führt es das weiter, was wir lange Jahre gemacht haben. Auf der anderen Seite verkörpert es den Pioniergeist und den Willen zur Innovation, den wir in der Formel E in den letzten Jahren gesehen haben.“ Letztlich habe auch der Zeitpunkt gestimmt. „Nach fünf Jahren Erfahrung mit unserem Electric Rally Cup ist es die richtige Entscheidung, dass nächste Kapitel zu öffnen.“
Die zunehmende Elektrifizierung der Formel 1 sorgte dabei bei Opel nicht für Bedenken. „Wir gehen die Dinge vollelektrisch an“, sagte Huettl auf Nachfrage. „Und für uns ist die Formel E die richtige Formel. Was sehr gut zu uns passt, ist dass die Formel E nahe an den Leuten dran ist. Das Rennen in Berlin, worauf wir uns sehr freuen, findet zum Beispiel mitten in der Stadt statt.“

Opel stellt klar: Echtes Werksteam, kein Etikettenschwindel
Huettl ließ dabei durchblicken: Die Tatsache, dass es für Opel möglich war, durch die verfügbare zwölfte Startlizenz tatsächlich ein eigenes Werksteam aus Deutschland heraus aufzubauen, anstatt lediglich die Markenaufkleber von Schwesterkonzern DS an der Seite eines Einsatzteams zu ersetzen, dürfte eine entscheidende Rolle bei der Einstiegsentscheidung gespielt haben. Etwaige Vorwürfe wies Huettl klar zurück: „Über irgendwelche anderen Marken innerhalb des Konzerns zu sprechen, würde dem nicht gerecht werden, was wir hier tun. Wir hatten immer die Ansicht, ein tatsächliches Werksteam zu haben. So haben wir immer unsere Motorsport-Aktivitäten betrieben.“
Der Antriebsstrang kommt zwar unverändert von den langjährigen DS-Anlagen aus Frankreich. Doch zeitgleich wird in der Konzernzentrale Opels in Rüsselsheim eine Werksmannschaft in Eigenregie entstehen, anstatt wie bislang im Stellantis-Konzern einzig auf bestehende Partnerteams zu setzen. Motorsport-Magazin.com weiß: Diese Eigenständigkeit war fundamental für Opels Formel-E-Engagement. So war etwa auch ein Zusammenspannen mit dem deutschen Team Abt Sportsline, das nach der Trennung vom aktuellen Hersteller-Partner Lola Yamaha zumindest theoretisch zur Verfügung gestanden hätte, nie eine ernsthafte Überlegung.
Zugleich macht Mutterkonzern Stellantis kein Geheimnis aus der Tatsache, dass das Austauschen von DS durch Opel selbstverständlich auch mit der weiteren Strategie des Automobilkonglomerats zusammenhängt, das 2021 aus der Fusion von Fiat Chrysler von der PSA-Gruppe entstanden war. „Es ist eine Marketing-Entscheidung“, sagte Stellantis-Motorsportchef Olivier Jansonnie bei einer Medienrunde in Madrid auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. Klar ist aber: Abgesehen von Kollaborationen bei der Hardware der Stellantis-Power-Unit wird es keine weitere große Zusammenarbeit mit Schwestermarke Citroen geben, die auch in Gen4 mit Partnerteam Monaco Sports Group (ehemals Venturi) antreten wird.
Elektro-Rennsport statt Verbrenner-DTM: Kann Opel die Fans abholen?
Eine der entscheidenden Fragen für den Erfolg von Opels Engagement im deutschen Heimatmarkt wird zweifelsohne sein, inwiefern es dem Konzern gelingen wird, die in der Vergangenheit so loyalen Fans auch für Formel-E-Werkssport zu begeistern. Darauf von Motorsport-Magazin.com angesprochen gab sich Huettl aber optimistisch. „Wir haben es durch unsere Motorsport-Aktivitäten immer geschafft, unsere Leute emotional zu ergreifen“, so der 49-Jährige. „Wir sind absolut überzeugt, dass diese Ankündigung heute viele Emotionen auslösen wird. Denn wir kennen unsere Fanbase und sehen sie bei unserem E-Rally-Cup. Wir werden diese Gelegenheit nutzen, um unsere Fans und Leute mit uns auf diese Reise zu nehmen.“
“Die Formel E ist nicht die DTM“, gab Huettl gleichzeitig zu, aber: „Beide Rennserien teilen viele Bestandteile. Den Wettbewerb, die High-Tech-Komponente, die Nähe zu den Leuten. Es gibt viele Dinge, die mich hoffnungsvoll stimmen, dass unsere Fans uns auf dieser Reise begleiten werden.“ Auch weitere Verantwortungsträger der neuen Opel-Mannschaft zeigten sich in Nachgang der Präsentation klar zuversichtlich, dass die besondere Opel-Fanbasis auch den Weg mit zur Formel E gehen wird.
Porsche gegen Opel: Rückkehr des deutschen Duells
Klar ist: Opel will für den Erfolg bei der eigenen Fanbasis auch die grundsätzliche Formel-E-Reichweite in Deutschland vergrößern. Hauptthema bleibt dabei die nach wie vor für die Verantwortlichen nur wenig zufriedenstellende TV-Situation. „Wir sind definitiv der Überzeugung, dass die Rennserie mehr und eine größere Sichtbarkeit braucht“, stellte Huettl klar. „Wir können das zusammen schaffen (mit der Formel E; d. Red.). Wir schauen uns jetzt schon Möglichkeiten an, wie wir die Formel E in Deutschland näher zu den Leuten bringen und sichtbarer machen können.“

Mit dem Opel-Einstieg wird die Formel E auch zum ersten Mal seit dem Mercedes-Ausstieg Ende 2022 wieder über zwei deutsche Automobilhersteller verfügen. Bei der zukünftigen Konkurrenz von Porsche blickt man jedenfalls mit Vorfreude auf das Duell auf der Strecke. „Opel hat im Motorsport eine große Historie. Ich kann mich selbst noch daran erinnern, wie ich sie als Kind in der DTM verfolgt habe“, so Porsche-Teamchef Florian Modlinger zu Motorsport-Magazin.com. „Es ist ein schöner Schritt und wir freuen uns auf den Kampf."


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