Was bereits seit dem vergangenen Jahr kolportiert wurde, ist jetzt offiziell: Opel steigt zum Start der Gen4-Ära in die Formel E ein, die zur Saison 2026/27 beginnt. Das gab der Autobauer aus Rüsselsheim am Rande des Formel-E-Rennwochenendes in Madrid (Rennen am Samstag, 21. März, ab 15 Uhr) bekannt. Die Formel E verfügt damit mit Porsche und Opel zum ersten Mal seit dem Mercedes-Ausstieg 2022 wieder über zwei deutsche Hersteller.
Opel bekennt sich dabei mit dem Einstieg zur gesamten vierjährigen Gen4-Ära, die bis zur Saison 2029/30 andauern wird. Als Teamchef des neuen Werksteams wird der langjährige Opel-Motorsportchef Jörg Schrott fungieren. „Die Teilnahme an der Formel E markiert einen neuen Meilenstein für Opel auf dem Weg in eine elektrische Zukunft“, wurde Opel-CEO Florian Huettl in einer Pressemitteilung zitiert. „Der Start von Gen-4-Rennwagen in der Formel E ist für uns genau der richtige Zeitpunkt, um in diesem spannenden vollelektrischen Rennzirkus einzusteigen. Unser Team wird zeigen, wofür unsere Marke steht: deutsche Ingenieurskunst, mutiges Design und eine elektrisierende Performance.“

Mit dem Formel-E-Einstieg tritt Opel mehr als 40 Jahre nach dem Ausstieg aus der Rallye-Weltmeisterschaft erstmals wieder auf WM-Niveau an. Zudem ist es Opels erster Werkseinsatz im Motorsport seit dem DTM-Ausstieg Ende 2005. Der erste Versuch in Sachen Elektromotorsport ist es aber nicht: Auf deutlich kleinerem Level wird seit 2021 der ADAC Opel Electric Rally Cup ausgetragen. Das Gen4-Auto der Formel E verspricht dabei beeindruckende Leistungsdaten mit angestrebten 816 PS Leistung, einem permanenten Allradantrieb und bis zu 700 kW Energierückgewinnung.
"Das ist ein großer Schritt", zeigte sich Formel-E-CEO Jeff Dodds im exklusiven Gespräch mit Motorsport-Magazin.com erfreut über den Opel-Einstieg. "Deutschland ist ein Schlüsselmarkt für uns. Mit Porsche und Opel jetzt zwei deutsche Marken in der Meisterschaft zu haben ist eine gute Sache für uns. Es ist ein starkes Signal für den Zustand der Meisterschaft."
"Es gab in der Vergangenheit bereits einige Gespräche mit Opel", sagte Formel-E-Mitgründer Alberto Longo zu Motorsport-Magazin.com. "Sie kamen seit einigen Jahren zu den Rennen, zuerst noch in geheimer Mission. Sie zeigten sich sehr interessiert an einem Einstieg, und wir haben sie mit offenen Armen willkommen geheißen.

Die Ankunft von Opel in der Formel E bedeutet gleichzeitig das Ende von Stellantis-Konzernschwester DS Automobiles in der Elektroweltmeisterschaft. Der Ausstieg der Franzosen war am gestrigen Donnerstag bekanntgegeben worden. DS war zuvor über elf Jahre lang eine Konstante in der Formel E. In dieser Zeit feierte die Marke zahlreiche Erfolge. Höhepunkt der DS-Zeit in der Formel E bleiben zweifelsohne zwei Meisterschafts-Gewinne mit Jean-Eric Vergne und Antonio Felix da Costa in den Jahren 2019 und 2020. In diesen beiden Saisons gewann DS gemeinsam mit Partnerteam Techeetah zudem zwei Team-Titel.
Stellantis macht damit seine 180-Grad-Wende in der Formel E perfekt. Schon zu dieser Saison hatte mit Citroen eine Marke des niederländischen Automobilkonglomerats, das 2021 aus dem Zusammenschluss von Fiat Chrysler und der PSA-Gruppe entstanden war, die Schwestermarke Maserati als Partner des Teams MSG Racing ersetzt. Nun muss auch DS zugunsten von Opel die Segel streichen. „Es gab einmal Diskussionen, ob Stellantis drei Marken in der Meisterschaft haben würde“, kommentierte Dodds den DS-Ausstieg. „Aber sie haben ihre Entscheidung getroffen und natürlich haben wir jetzt den Vorteil eines neuen Herstellers mit einem richtigen Werksteam.“
Zugleich bedeutet der Opel-Einstieg auch neues Territorium für den Stellantis-Konzern. Bislang spannten die Stellantis-Marken nur mit bereits bestehenden Teams entweder als reiner Titelsponsor oder technischer Partner zusammen. Aktuell besitzt so etwa MSG Racing die Rennlizenz des Citroen-Teams während Penske die Lizenz der Partnerschaft mit DS besitzt. Opel übernimmt jedoch nun die bislang ungenutzte zwölfte Rennlizenz und übernimmt somit erstmals ein Team für Stellantis in Eigenregie.
Während sich dabei auf Power-Unit-Seite nur wenig ändert und diese wie bislang von Stellantis in Frankreich entwickelt wird, steht Opel nun vor der Aufgabe, ein eigenes Einsatzteam an den Start zu bringen anstatt auf ein etabliertes Einsatzteam zu setzen. Dieses soll dabei hauptsächlich in Deutschland in der Konzernzentrale in Rüsselsheim aufgebaut werden.
Der Zeitpunkt der Einstiegsverkündigung kann durchaus als Überraschung bezeichnet werden. Weithin war zuletzt erwartet worden, Opel würde den Einstieg beim Heimrennen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof Anfang Mai bekanntgeben. Der Grund für die nun frühere Veröffentlichung soll mit dem anstehenden Gen4-Test der Hersteller im französischen Le Castellet zusammenhängen, bei dem Opel seinen ersten offiziellen Auftritt mit einem Formel-E-Boliden haben wird.


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