Immer wieder Mexiko: Zwischen Pascal Wehrlein und dem fünftgrößten Staat auf dem amerikanischen Doppelkontinent ist in der Formel E so etwas wie eine Hassliebe entstanden. Am heutigen Samstag sackte der Porsche-Pilot in Mexiko-City seine insgesamt dritte Pole Position ein und hält die Hoffnungen auf seinen ersten sowie den ersten Sieg der Zuffenhausener in der Elektro-Rennserie hoch.

Durchaus kurios: Bei bisher 35 Qualifyings hat Wehrlein all seine Poles auf mexikanischem Boden erobert: 2019 in Mexiko-City, damals noch für den indischen Rennstall Mahindra. Das Rennen führte er bis wenige Meter vor dem Zieleinlauf an, als ihm die Energie ausging. Dann im vergangenen Jahr in Puebla, als die Formel E wegen der Corona-Pandemie aus dem Autodromo Hermanos Rodriguez auf die permanente Rennstrecke im Hinterland umziehen musste.

Und jetzt wieder bei der Rückkehr auf den Formel-1-Kurs mit seinen frenetischen Fans. Klappt es im dritten Rennen der Saison 2022 heute (ab 23:00 Uhr deutscher Zeit im Live-Ticker auf Motorsport-Magazin.com und im TV bei ProSieben) endlich mit dem ersten Sieg? In den Trainings und Qualifyings präsentierten sich die beiden Porsche mit Wehrlein und Teamkollege Andre Lotterer schon einmal bärenstark.

Auch Lotterer, der Porsche 2020 - natürlich in Mexiko - die erste Pole Position nach dem Werkseinstieg bescherte, kann sich vom dritten Startplatz gute Hoffnungen auf seinen ebenfalls ersten Sieg in der Formel E ausrechnen. Dreimal stand der dreimalige Le-Mans-Sieger für den Sportwagenbauer bereits auf dem Podium, während Wehrlein in seiner Debütsaison 2021 nur in Rom auf dem Podest landete.

Wehrlein verliert ersten Sieg in Mexiko

Dabei hätten Wehrlein und Porsche den ersten Formel-E-Sieg eigentlich schon längst in der Tasche haben sollen. Immer wieder Mexiko: 2021 in Puebla war das Werksteam so dicht dran wie nie zuvor. Der frühere DTM-Champion und Formel-1-Fahrer überquerte die Ziellinie damals als Erster, wurde aber im Nachgang disqualifiziert. Wegen eines falsch registrierten Reifens! Noch heute kann man Formel-E-Gründer Alejandro Agag fluchen hören so wie im vergangenen Jahr, als er sich furchtbar über die durchaus korrekte Entscheidung aufregte.

Der umtriebige Geschäftsmann aus Spanien weiß um den Wert eines Porsche-Werksteams in der eigenen Rennserie. Mit einem Sieg würde das Engagement des Sportwagenbauers in der Formel E auf ein ganz neues Level gehoben werden. In der eigenwilligen E-Rennserie zu triumphieren, ist kein Kinderspiel. Und auch beim ambitionierten Porsche-Team ist der Druck nicht zuletzt wegen des üppigen jährlichen Etats zu spüren.

Porsche: Zwei Formel-E-Jahre ohne Sieg

Nach zwei Saisons ohne nennenswerte Erfolge muss es langsam klappen für das Team mit Sitz in Weissach, das sich bereits zur nächsten technologischen Ära mit dem Gen3-Auto ab 2023 eingeschrieben hat. Die ersten Testfahrten sind in diesem Sommer geplant, aber ohne einen Sieg soll der aktuelle Gen2-Bolide keineswegs in den Ruhestand geschickt werden.

In den vergangenen Wochen und Monaten ging es hinter den Kulissen mächtig rund bei Porsche. Mit Thomas Laudenbach folgte ein neuer Motorsportchef auf den erfolgreichen Fritz Enzinger. Wenig später verabschiedete sich Gesamtprojektleiter Pascal Zurlinden überraschend in Richtung des Dienstleisters Multimatic nach Großbritannien.

Auf den deutschsprachigen Franzosen folgte mit Florian Modlinger ein Mann, der sich ebenfalls bestens mit der Materie Formel E auskennt. Bei Porsche fand er nach dem Werksausstieg von Audi, mit dem sich auch Gründungsmitglied Abt Sportsline nach sieben Jahren aus der Serie verabschieden musste, eine neue sportliche Heimat.

Von Abt Sportsline zu Porsche: Florian Modlinger -
Von Abt Sportsline zu Porsche: Florian Modlinger -Foto: Porsche AG

Modlinger erhält weitere Funktion bei Porsche

Zuletzt nach dem mittelmäßigen Saisonauftakt in Saudi-Arabien erhielt Modlinger zusätzliche Kompetenzen, nachdem der Neuseeländer Amiel Lindesay seinen Posten als Formel-E-Einsatzleiter abtrat und das Team nur noch aus Weissach unterstützt.

"Ich habe Mitte Januar in Weissach bei Porsche begonnen", sagte Modlinger in Mexiko bei ProSieben. "Ich habe versucht, so schnell wie möglich die Strukturen kennenzulernen. In Riad habe ich zum ersten Mal gesehen, wie das Team an der Strecke arbeitet. Ich habe mich schnell wohl gefühlt, muss aber noch dran arbeiten, das Team besser kennenzulernen."

Porsche: Kein leichter Saisonstart 2022

Ein leichter Start sei es nicht gewesen in Saudi-Arabien, räumte Modlinger ein. Lotterer wurde im ersten Rennen von Platz vier bis auf P13 durchgereicht, Wehrlein kam nicht über den elften Platz hinaus. Im zweiten Lauf ließ Lotterer das Potenzial des Autos mit Platz vier aufleuchten, während Wehrlein als Neunter immerhin zwei Punkte sammelte.

Modlinger: "Im ersten Rennen hatten wir mit beiden Autos Schwierigkeiten. Bis zum Rennen war alles gut, dann gab es Probleme mit dem Energie-Management in drei, vier kleinen Punkten. Von außen sah es natürlich dramatischer aus. Im zweiten Rennen haben wir eine deutlich verbesserte Performance gesehen, das stimmt mich positiv."

Auch in Mexiko-City lief es bislang wie am Schnürchen für die beiden Porsche. Springt jetzt endlich auch der erste und 'echte' Sieg heraus für das Team, das nach den Ausstiegen von Audi und BMW zusammen mit Mercedes (komplett ins britische Brackley abgewandert) die deutsche Flagge in der Formel E hochhält?