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Formel E: Porsche akzeptiert Wehrlein-Disqualifikation

Porsche geht nicht gegen die Disqualifikation des vermeintlichen Rennsiegers Pascal Wehrlein beim Formel-E-Rennen in Puebla vor. Das sind die Gründe.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Porsche verzichtet auf einen Einspruch gegen die Disqualifikation von Pascal Wehrlein und Andre Lotterer beim Samstagsrennen der Formel E in Puebla. Das hat Motorsport-Magazin.com aus gut informierter Quelle erfahren, nachdem die 96-stündige Frist, in der der Autobauer aus Stuttgart seinen Einspruch hätte schriftlich begründen müssen, am frühen Donnerstagmorgen deutscher Zeit (24.06.2021) abgelaufen war.

Porsche hat die Meldung am Montagmorgen dieser Woche gegenüber Motorsport-Magazin.com offiziell bestätigt. Es sei nicht im Sinne des Herstellers, "einen langwierigen Prozess zu führen und damit der Formel E und dem dazugehörigen Umfeld Schaden zuzufügen".

Weiter teilte Porsche mit: "Wir sind weiterhin fest davon überzeugt, dass Strafe und Vergehen in keinem Verhältnis stehen und es schmerzt unendlich, dass wir unseren ersten Formel-E-Sieg beim Puebla E-Prix aberkannt bekommen haben. Gleichzeitig arbeiten wir als Team weiterhin hart daran, dass wir aus Fehlern lernen und immer besser werden. Den gleichen Ansatz erwarten wir von der FIA und der Formel E. Für Porsche ist es wichtig, weiteres Potenzial der Meisterschaft zu erkennen und die Formel E mit dem Ziel zu unterstützen, tollen Rennsport zu liefern - vor allem für die Fans."

Porsche und Wehrlein müssen warten

Durch den selbstverschuldeten Fehler müssen sowohl Wehrlein als auch Porsche weiter auf ihre ersten Siege in der Formel E warten. Der frühere Formel-1-Fahrer und DTM-Champion hatte am Samstag die Ziellinie als Erster überquert, wurde wegen eines "administrativen Fehlers", wie es der Sportwagenbauer bezeichnete, allerdings aus der Wertung genommen. Das gleiche galt für Teamkollege Lotterer. Den Sieg 'erbte' Lucas di Grassi vor seinem Audi-Teamkollegen Rene Rast.

Effektiv hatte es Porsche vor dem Rennstart versäumt, die Haken bei der Registrierung der Reifen im Computersystem korrekt zu setzen. Laut Entscheidung der Rennleitung konnte Reifenpartner Michelin die "notwendigen Messungen der Reifendrücke nicht vornehmen", weil seitens Porsche keine Angaben im Wagenpass über die Nutzung der Reifen im Rennen gemacht wurden.

Nissan verzichtete auf Einspruch

Es handelt sich um einen technischen Aspekt und effektiv einen Verstoß gegen das Sportliche Reglement, das wörtlich besagt, dass die Identifikationsnummern der Reifen, die an allen Autos eingesetzt werden, bis zehn Minuten vor dem Rennstart per Computer dem Technischen Delegierten der FIA übermittelt werden müssen. Das haben Porsche und auch das Team Nissan e.dams versäumt, wobei die Japaner auf die Ankündigung eines Einspruches verzichteten.

"Der Einspruch richtet sich gegen die Entscheidung der FIA unsere Fahrer aufgrund eines administrativen Fehlers zu disqualifizieren", hatte Porsche zunächst mitgeteilt, ohne konkrete Gründe für den Einspruch zu liefern. Experten hatten angezweifelt, dass der Hersteller vor dem FIA-Berufungsgericht in Paris eine Aussicht auf Erfolg haben würde, nachdem der selbstverschuldete Fehler sogar vielerorts eingestanden wurde.

Wehrlein verliert zwei Podestplätze

Porsche und vor allem Wehrlein erlebte bei den Saisonrennen Nummer acht und neun auf dem permanenten Kurs in Puebla ein desaströses Ergebnis. Der 26-Jährige nahm die Rennen von der Pole Position (Samstag) sowie Startplatz zwei (Sonntag) in Angriff, musste sich unterm Strich aber mit nur 16 Punkten (1 für schnellste Runde im Qualifying, 3 für die Pole und 12 für P4 am Sonntag) zufriedengeben.

Am Sonntag verlor Wehrlein den zweiten Platz hinter Rennsieger Edo Mortara (Venturi) nachträglich, weil ihm respektive dem Team ein Fehler bei der Aktivierung des Fanboost unterlaufen war. Als Wehrlein den Zusatz-Boost erst in der letzten Rennrunde aktivierte, konnte die Batterie zu diesem späten Zeitpunkt nicht mehr die per Reglement vorgegeben Mindestleistung von 240 kW abgeben.

Regeln: Fanboost muss nicht genutzt werden

Ärgerlich: Der Fanboost muss in der Formel E im Gegensatz zum Attack Mode nicht einmal verpflichtend vom Fahrer genutzt werden. Ohne die Aktivierung wären Wehrlein 18 Punkte für Platz zwei statt 'nur' 12 für P4 garantiert gewesen. Experten waren der Ansicht, dass Wehrlein mit der 5-Sekunden-Zeitstrafe anstelle einer Durchfahrtsstrafe, die nachträglich in eine 46-Sekunden-Zeitstrafe umgewandelt worden wäre, noch gut bedient war.

Wehrlein belegt nach neun von 15 Saisonrennen den zwölften Platz in der Meisterschaft. In seiner ersten Saison für Porsche hat er bislang 48 Punkte gesammelt. Ohne die beiden Strafen und damit insgesamt 31 eingebüßte Punkte würde Wehrlein vor den nächsten beiden Rennen in New York (11./12. Juli 2021) die Meisterschaft vor dem aktuellen Spitzenreiter Mortara (72 Punkte) anführen.


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